USA 5: Bibliotheken und ganz viel Essen

So, lieber Leser: Die letzte Station der Reise ist erreicht – Decorah. Ein 8000-Seelen-Städtchen inmitten Iowas, eines Bundesstaates, der im Wesentlichen aus Feld und Acker zu bestehen scheint. Erwähnt wurde ja an dieser Stelle bereits, dass man hierzulande auf den Straßen lange geradeausfahren kann; einen optischen Eindruck dazu gibt es hier:

170204_geradeaus

Decorah liegt im übrigen dermaßen abgelegen, dass es den Mobiltelefonen der Sänger nicht gelingt, ein Signal zu empfangen, und zwar im gesamten Städtchen nicht! Eine durchaus beeindruckende Situation, die durch das Vorhandensein von W-LAN allerdings doch erheblich abgemildert wird…

Ein kurzer Nachtrag aus Cedar Falls, dem vorherigen Konzertort, sei noch erlaubt. Es ist bemerkenswert, dass selbst in den kleinsten (bzw. zumindest: in den kleineren) Orten die Menschen bereit sind, sich für vermutlich viel Geld große Konzertsäle zu bauen! Im erwähnten Cedar Falls sah die entsprechende Halle so aus:

170204_halle

Natürlich muss man solche Hallen auch in Schuss halten. Wie auch in Deutschland gibt es zu diesem Behufe Regeln, die z.B. die Mitnahme von Speisen und Getränken in den Saal regeln – aber natürlich ist jeder Konzerthallenbetreiber sein eigener Herr und kann insofern die Regeln gestalten, wie er will. In Decorah wählte man die auch in Deutschland übliche Variante:

170204_halle_essennichterwuenscht

Man verzeihe die Unschärfe, das Foto entstand unter Zeitdruck… Aber man kennt es: Keine Speisen und Getränke im Saal, und Rauchen freilich auch nicht. Hingegen in Cedar Falls fand die folgende Regel Anwendung:

170204_halle_essenerwuenscht

Speisen und Getränke, die dort erworben wurden, dürfen selbstverständlich gern mit hineingenommen werden! Der Autor dieser Zeilen versäumte leider nachzuschauen, ob man z.B. auf den Ausschank von Rotwein verzichtete und nur mit Weißwein saum- und teppichschonend die Zuhörer anfeuchtete…

Hinter den Kulissen war aber auch für Getränke gesorgt. Mindestens für Kaffee, denn bekanntlich trinkt der Deutsche den am liebsten! Zumindest deutet die Auswahl der Ausschankbehälter darauf hin, dass der Veranstalter sich dieses Klischees bewusst war.

170204_vielkaffee

Rechts heißes Wasser, links Kaffee. Na dann Prost!

Im Hotel in Cedar Falls sorgte man sich weniger um den Kaffeenachschub, zumindest fiel dort das (für hiesige Verhältnisse untypische) Fehlen der frei zugänglichen Kaffeebar auf. Dafür sorgte man sich um die Bildung der Gäste! Direkt beim Betreten stieß der Autor dieser Zeilen auf dieses verlockende Schild:

170204_library1

Und  da er gern liest, dachte er daran, sich eines ruhigen Nachmittages dort in die Bibliothek zu setzen und zu stöbern und zu schmökern. – Doch nein, weit gefehlt! Schaute man in den verheißungsvollen Raum hinein, erblickte man dies.

170204_library2

170204_library3

170204_library4

Man kann nun nicht sagen, dass es dem Raum an Flair mangelt, das nicht – aber an Büchern mangelt es ganz bestimmt, und das ist es doch, was eine Bibliothek ausmacht, oder? Solcherlei Geschichten enden ja mitunter mit einem Blick ins Wörterbuch, das dann Verblüffendes enthüllt, z.B. dass library neben Bibliothek auch Ruheraum, Kaminzimmer oder Meditationszimmer bedeuten könne – aber leider nicht diesmal. Library heißt Bibliothek, und sonst nichts. Schade!

(Genaugenommen stimmt das nicht: library heißt auch Sammlung, aber das hilft hier leider auch nicht weiter.)

Und so wurde nicht gelesen, sondern stattdessen nach Decorah gefahren. Und da der Mensch ja auch was essen muss, ging man auf die Suche nach einem Lokal. Fündig wurde man dann in einem Barbecue-Laden, also einer uramerikanischen Tradition. Wer zufällig mit „House of Cards“ vertraut ist, der erinnert sich vielleicht an das Lieblingslokal der Hauptfigur – so in etwa war es da. Der Charme war, sagen wir: urig. Und das Essen: einfach köstlich. Ungesund bis zum Mond, und unheimlich lecker. So muss es sein!

170204_barbecue

Und nun geht es gleich zum letzten Konzert der Reise; morgen wartet dann der Rückflug. „Bis später!“ sagt der Autor dieser Zeilen also…

USA 4: Blaulicht mit Refill

Ein Tag ist vergangen, bei dem zu befürchten stand, dass nichts Wesentliches zu berichten sein würde: Eine Autofahrt von sieben Stunden und anschließend ein Workshop standen auf dem Programm. – Wobei eine Autofahrt von sieben Stunden in den USA ganz andere Fallstricke bietet als eine entsprechende in Deutschland! Man darf hier nicht so schnell fahren (allerhöchstens 75 Meilen pro Stunde, also 120 km/h; meist aber weniger), sollte aber wach sein, denn die Strecken bieten aus Sicht des Fahrenden oft wenig Abwechslung. Denn es geht geradeaus. Immer. Und das macht schläfrig.

170201_navi

Die Zeitangabe von 47 Minuten bezieht sich übrigens nicht auf die Ankunft, sondern auf die nächste Aktion (also in diesem Fall: Abbiegen). An der entsprechenden Ausfahrt war auch wieder einmal Springfield ausgeschildert…

Man hat also noch fünf Stunden vor sich, in denen vermutlich nichts passieren wird – und dann kommt alles doch ganz anders, als man denkt. Zunächst aber ein Dank an die Kollegen von Basta, die uns einen Großteil der erwähnten Autofahrt versüßten! Man sitzt im Gefährt, schwatzt, lauscht und lacht. Wäre dies eine amerikanische Fernsehserie, dann würde man die Insassen des Autos von vorn sehen, und im Hintergrund würde plötzlich vielleicht ein anderes Auto mit Blaulicht auftauchen, hinter dem Ensemble herfahren, und das Ensemble würde dann rechts ranfahren usw. – nun, es ist aber keine Serie. Das Blaulicht jedoch kam trotzdem und fuhr hinter dem Ensemble her.

Spannenderweise weiß man, wenn das ganze im echten Leben passiert, nicht, was nun zu tun ist. Meint der uns? Müssen wir jetzt anhalten? Oder wie? Oder was? Man ist es eben aus heimatlichen Gefilden gewöhnt, dass der Polizeiwagen a) eine Leuchtschrift a la „Bitte folgen“ zeigt, oder b) vor einen fährt und vielleicht c) mit einer Kelle winkt. Aber man ist ja nicht daheim! Was also tun? Nun, nach einigen gefühlten Viertelstunden des Nachdenkens (und Weiterfahrens) fuhr die Polizei dann doch neben das Calmus-Fahrzeug und beendete die Unsicherheitsphase durch deutliches Winken. Rechts ranfahren!

Kein sehr gutes Gefühl; die Begegnungen mit amerikanischer Polizei haben die Sänger nicht unbedingt als freudige und wiederholenswerte Ereignisse gespeichert, wie z.B. letztes Jahr in Texas. Immerhin weiß man nun, dass das Verhalten aus den Serien richtig gewesen wäre – nämlich einfach rechts ranzufahren; und insofern geht man davon aus, dass der nächste Schritt auch so wie in den Serien ablaufen sollte: Im Wagen bleiben. Nichts tun. Ja nicht die Tür öffnen, und bloß keine hektischen Bewegungen.

Der Polizist kommt zur Beifahrertür, wünscht Führerschein und Fahrzeugpapiere zu sehen. Auch der Grund für den kleinen Zwischenstopp klingt bereits an: Wir hätten den Sicherheitsabstand zu einem vorausfahrenden LKW nicht eingehalten! Ein Teil der Papiere befinden sich leider in einem Koffer, der zu diesem Behufe hervorgekramt und geöffnet wird. Und während dieses Vorganges gelingt einem der im Wagen verbliebenen Sänger folgendes geradezu investigative Foto:

170201_blaulicht

Na gut, hier nochmal mit Blick auf’s Wesentliche.

170201_blaulicht2

Mehr Beweis haben wir leider nicht für den Vorfall… Der baritonale Fahrer musste sich anschließend zum Polizisten in dessen Auto setzen, wo in aller Ruhe Papiere überprüft wurden (und unglaublicherweise der deutsche Führerschein, noch aus altem Papier beschaffen, kein Problem darstellte) und eine Verwarnung mündlich und schriftlich festgehalten wurde. Aber immerhin: Der Polizist war durchaus freundlich und weniger humorfrei als die texanischen damals.

Nachdem das Blut dann wieder vom gefrorenen in den flüssigen Zustand übergegangen war, konnte man wieder weiterfahren – die vor Angst verbrannten (Kilo!-) Kalorien wünschten aber Nachschub, und so ging man bald essen.

Das Essen hierzulande ist ja als ungesund und viel zu reichhaltig verschrien. Und auch die Anbau- bzw. Aufzuchtmethoden sind im Allgemeinen wohl eher fragwürdig; wie fragwürdig genau, erklärte auf perfide Weise die Speisekarte des Restaurants. Man sucht sich einen Burger aus, und dann liest man, wie man diesen noch optimieren kann – indem man z.B. ein anderes Fleisch als die Standardware darauflegen lässt. Nur ein Dollar mehr!

170201_grassfed

Das Hackfleisch stammt also zu 100% von Rindern, die tatsächlich mit Gras gefüttert wurden! Und darüber hinaus enthält es keine zugesetzten Hormone und ist frei von Antibiotika. Natürlich bestellt man dies! Gleichzeitig aber fragt man sich, was genau man bisher hier gegessen hat…

Und dann ist da noch der Refill. Die schöne Sitte, dass man nicht ein Glas Getränk bestellt, sondern einfach Getränk – und wenn es alle ist, bekommt man noch eines, ohne das sich der Preis erhöht. Speziell beim Kaffee würde sich der Autor dieser Zeilen diesen Brauch auch daheim wünschen! Andererseits genügt es eben auch, wenn das neue Getränk kommt, wenn das alte alle ist. Die Kellner hier planen aber eher offensiv und gehen wahrscheinlich davon aus, dass man ja jederzeit vom Durstäquivalent des Heißhungers überfallen werden könnte, dann den halben Liter, der noch vor einem steht, austrinkt und dann trotzdem das Gefühl hat, auf dem Trockenen zu sitzen. Und das wäre natürlich der Sündenfall schlechthin! Also bringt man den Nachschub lieber etwas eher. Hier sieht man das alte und das neue Getränk des Autors direkt nach der Lieferung des letzteren.

170201_refill

Dazu sei bemerkt, dass dies kein dummer Zufall war. So ist es nicht selten in diesem manchmal etwas verschwenderischen Land! Was dazu führt, dass innerhalb kürzerer Zeit der Platz auf dem Tisch rapide abnimmt, da sich die Becher beinahe stapeln…

170201_glaeserwald

Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme waren die Burger noch nicht einmal gekommen… Zum Glück wurde das Ensemble vom Gläserwahnsinn doch noch erlöst, und mit dem gesunden Biofleischburger schwanden dann auch die letzten Adrenalinklumpen aus dem Kreislauf. Es ward wieder Friede (und Fülle).

170201_essen

Und nun ist auch der vorletzte Workshop mit einem etwa 80 Mann starken Männerchor vorbei, und dass dieser Eintrag so viel später als sonst erscheint, ist der Tatsache geschuldet, dass der Autor zum Feierabend selig in die Kissen sank und erst am nächsten Morgen die Tastatur aufklappte. Erstaunlich, wieviel man erleben kann, bei nur sieben Stunden Fahrt und einem Workshop!

Nachtrag: Mehrere Leser hatten eine Anmerkung zum Flughafen Düsseldorf und dem dortigen Seelsorge-Ding:

170129_seelsorge1Unabhängig äußerten sie die These, es handele sich im Wesentlichen um: eine Art Armlehne! Untermauert wurde dies mit diesem und diesem Link. Ganz ehrlich: Der Autor dieser Zeilen ist sehr dankbar für die Zusendung bzw. Kommentierung – aber das soll nun die ganze Wahrheit sein? Quasi eine Theke mit rein mechanischem und keinerlei theologischem Inhalt? Ein rein praktischer und wenig formschöner Ellenbogenuntersatz? Das lässt ihn doch ratlos und auch etwas frustriert zurück. Leider hat er selbst auch keine bessere Idee…

USA 3: Klimamonster

Ein arbeitsreicher Tag geht zu Ende: einer mit Workshop und Konzert. Und da dem Autor dieser Zeilen auffiel, dass es an dieser Stelle gar nicht so oft Bilder von solchen Workshops gibt, holt er dies jetzt einfach nach. Was passiert denn da eigentlich? Calmus singt ein wenig, erzählt ein wenig, und wenn es besonders schön läuft, dann werden aus den singenden Reisenden plötzlich hörende Hinweisgeber – sprich: die anwesenden Schüler bilden einen Chor (bzw. sie sind sowieso einer), singen aus ihrem Repertoire, und Calmus kann dann bestenfalls mit Rat zur Seite stehen und vielleicht ein wenig zur Verbesserung beitragen. (Das ist übrigens in den USA gar nicht unbedingt einfach, denn auch die Schulchöre sind hier oft ausgesprochen gut!) Und manchmal übernimmt Calmus auch das Einsingen des Chores. So sieht das dann aus:

170131_workshop2

170131_workshop

Und schließlich ist das Einsingen vorbei, und es wird an Werken von Palestrina gearbeitet.

170131_workshop3

Und schon ist die kleine Fotogalerie schon wieder vorbei – schließlich kann ja nicht nur fotografiert werden, sondern es möchte sich auch um die Schüler gekümmert werden.

Anschließend nach kurzem Zwischenstopp im Hotel dann in die Kirche. Dort begegnet dem Autor dieser Zeilen ein Schild am Thermostaten der Garderobe, das ihm zu denken gibt. Ist das eine böse Vorahnung? In den USA sind Klimaanlagen ja auch in den kleinsten Kammern üblich; große Kirchen kommen ohne schon gar nicht aus. Das werden ja, so denkt man, ausgeklügelte Anlagen sein, befähigt, jeden Raum nach Gusto der Insassen Bewohner Raumnutzer zu wärmen oder zu kühlen! Und eine Kirche hat ja nicht nur den einen Kirchenraum, sondern ganz viele Aufenthalts-, Musik-, Gebets-, Teeküchen-, Gemeinde- und Büroräume obendrein. Was also soll man davon halten?

170131_thermostat

„Bitte stellen Sie das Thermostat nicht unter 70° F (=21°C). Das Klimaanlagensystem in diesem Gebäude arbeitet etwas anders, und eine Einstellung unter 70°F führt zu Problemen in anderen Räumen.“

Ah ja. Was genau bedeutet denn „Es arbeitet anders“? Nun, man legt die Jacke ab und betritt mit den Noten das Kirchenschiff, um in Ruhe die Probe zu beginnen. In Ruhe? Nein, ganz und gar nicht! Was der Autor zunächst für einen parkenden LKW mit laufendem Motor hält, entpuppt sich als die laufende Klimaanlage. Ein wirklich tosender Lärm aus einem monströs großen Gebläseapparat! – Also versucht man die ersten Töne und stellt schnell fest: Für das Konzert muss das Ding auf jeden Fall aus (das war schon vorher klar), aber auch zur Probe, denn Ensemblesingen (das hatte man erst vor wenigen Stunden erst den Schülern erklärt) ist zu 90% Hören, und das ist einfach nicht wirklich möglich. Mit der Bitte um Abschaltung tritt man nun an eine der zuständigen Personen heran. Die wundert sich tatsächlich ein wenig, was auf Seiten der Sänger die Frage aufkommen lässt, wie denn hier wohl die Gottesdienste ablaufen, wenn dieses Gebrüll von Frischluft jeden Segen förmlich unter sich begräbt? Nun, wie auch immer: Das Klimamonster wird also abgeschaltet.

Und dann hört man ein Rauschen. Es könnte ein Staubsauger sein! Ist es aber nicht, wie sich herausstellt, nachdem man die Tür zu den Kirchenvorräumen geschlossen hat, ohne eine Änderung zu erreichen. Das Problem: Das Rauschen hat eine genaue Tonhöhe! Man hört ein f‘: ein wenig tiefer als das der Stimmpfeife, und ein wenig lauter als die eigene Ignoranzschwelle – das heißt, man kann es nicht überhören, und beim Singen stört es daher ungemein, da das Ensemble mitunter auch in Tonarten singt, in denen dieser Ton nicht enthalten sein sollte. – Wieder also fragt man nach, ob dieser Ton vielleicht auch noch abgeschaltet werden könne. Natürlich, sie tun ihr möglichstes.

Die Probe schreitet voran, und mit ihr die Verzweiflung – man hat gewissermaßen einen externen Tinnitus. Immerhin: Alle haben den gleichen! Nach etwa 20 Minuten nervöse Nachfrage, ob sich da was machen ließe? Vielleicht auch demnächst? Ja natürlich, sie arbeiten dran, wird erklärt: Der fiese Ton sei ein Lüfter, der die Klimaanlage kühlt (!) und der auch an sei, wenn sie aus ist (!!!). Bereits vorher war den Sängern aufgefallen, dass die Angestellten auf der Suche nach dem Ausschalter eigentlich durchgängig telefonierten – offensichtlich kommt der Fall tatsächlich sonst nie vor, dass das jemanden stört…

Und dann plötzlich: Stille. Frieden. Einkehr. Balsam auf Trommelfell und Seele.

Und so wurde es am Ende tatsächlich noch ein richtig schönes Konzert.

Morgen geht es dann nach Iowa – sechs Stunden Autofahrt warten auf die Sänger. Und vermutlich keine einzige Kurve…

PS.: Der Autor dieser Zeilen ist im Übrigen stolz, vermelden zu können, dass er eine Wiederkehr des Schicksals von 2010 abwenden konnte: Trotz des gleichen Hotels im gleichen Ort wie damals wurde er zwar damals krank, nicht aber diesmal! Die Namensänderung der Unterkunft scheint also tatsächlich etwas bewirkt zu haben.

USA 2: Die Simpsons und anaphylaktische Schocks

Die ersten Tage im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten sind vergangen, das erste Konzert und der erste Workshop geschafft.

Dem eingefleischten Fan der Zeichentrickserie „The Simpsons“ wird es sicher gefallen, dass unser erstes Hotel in einem kleinen Örtchen namens Springfield gelegen war. Das Springfield? Nun, so einfach ist es nicht – einen Ort dieses Namens gibt es wohl in so ziemlich jedem Bundesstaat (und zum Teil sogar mehrfach), ganz ähnlich beispielsweise dem deutschen Neustadt. Dass die Macher der Simpsons sich für den Ortsnamen Springfield als Handlungsort entschieden, ist wohl genau so zu erklären (sie wollten sicher den amerikanischen Durchschnitt beschreiben – auch wenn der Autor dieser Zeilen kein Kritiker ist). In einer Folge der Serie erklärt eine der Protagonisten, welche Bundesstaaten an den ihren grenzen – und dabei handelt es sich sinngemäß um so etwas wie Kalifornien, Alaska, Texas und New York. Sprich: Die Lage des Simpsons-Springfield ist ganz bestimmt gänzlich unbestimmt.

Allerdings gab es wohl im Jahre 2012 eine Ausschreibung: Die verschiedenen Springfields konnten sich um die Auszeichnung „originales Simpsons-Springfield“ bewerben. Und, wurde unserem Ohio-Springfield diese Ehre denn zuteil? Nein, leider nicht. Das Sieger-Springfield liegt im Staate Vermont. – Und so logierte Calmus also in einem ganz und gar durchschnittlichen amerikanischen Örtchen.

Ohio war im übrigen der 29. Bundesstaat, den Calmus besuchte; wenn man zugrundelegt, dass dafür immerhin 18 Calmus-Jahre nötig waren, können wir guten Gewissens davon ausgehen, dass es im Jahre (1999+18*51/29=) 2030 geschafft sein wird und das Ensemble seine Füße dann in jedem Bundesstaat hat abstellen können! Nun sind Prognosen einer bekannten, aber deswegen nicht weniger wahren Platitüde gemäß besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen; aber da der Autor dieser Zeilen im Allgemeinen der Mathematik vertraut, ist er hier recht zuversichtlich.

Zuvor gab es noch Essen im Flugzeug. – Gemeint ist hier nicht der gleichnamige Sketch des großen Loriot („Ich muss die Nase meiner Ollen / an jeder Grenze neu verzollen“ – für Eingeweihte), sondern das Menü der Lufthansa auf dem Interkontinentalflug von Frankfurt nach Detroit. Es ist im Grunde ja ein running gag, dass die Auswahl eigentlich immer aus „Chicken or Pasta“ besteht; klar, eine kluge Wahl: Fleisch für den Carnivoren, Nudeln für den Vegetarier, trotzdem in jedem Fall bekömmlicher als ein Eisbein ist das Huhn, wenn man auch weiß: seine geschmackliche und taktile Nähe zu Tofu wird sicher immer wieder erstaunlich sein. Die Nudeln sind erfahrungsgemäß wirklich nur ein Tropfen auf den heißen Stein des Hungers, die Huhnmahlzeit zwar auch, aber die besteht normalerweise zumindest aus mehreren Komponenten, so dass wenigstens geschmackliche Diversität und Abwechslung gewährleistet ist. – Wie auch immer: Die Stewardess naht und fragt die Frage aller Fragen: „Chicken or Pasta?“ Eigentlich weiß man schon, was man wählt, trotzdem fragt man einfach interessehalber nach Details zu den beiden Speisevarianten. Und was hört man (nachdem man sich zuvor noch implizit auf die Umgangssprache Deutsch geeinigt hat)? „Die Pasta, das sind mit Käse gefüllte Ravioli; und das Huhn ist ein Filet auf Makkaroni mit Tomatensoße.“ – ??? – Zum Glück leidet man ja nicht an einer schwerwiegenden Nudelallergie; denn dann hätte man in jedem Falle ein Problem gehabt: wer will sich schon zwischen Hunger und anaphylaktischem Schock entscheiden müssen! Der Autor jedenfalls entschied sich (wie jedesmal) für das Huhn und wurde auch diesmal wieder in allen oben genannten Thesen bestätigt.

Zurück in die Gegenwart. Gestern das erste Konzert der Tour, das erste Calmus-Konzert in Ohio, und das erste Konzert Isabels in den USA überhaupt. Anschließend noch ein Dinner, und heute morgen (9 Uhr) ein kleiner Workshop in einem College in der Nähe Springfields. Nun ist 9 Uhr für Sänger nicht die allerbequemste Zeit, insbesondere nach kurzer Nacht. Dies wusste aber die zuständige Person im College! Und so sorgte sie für aureichend Flüssigkeitszufuhr im Aufenthaltsraum…

170130_wasser

Alle wurde das jedenfalls nicht… Anschließend geht es von Ohio nach Indiana, und unterwegs wird noch ein kleiner Snack zu sich genommen. Naja, was heißt schon „klein“: Für die Mahlzeit wählt man ein Restaurant einer bereits unter den Reisenden recht bekannten Kette. Es gibt eine kleine Vorspeise und dann einen Hauptgang. Und weil es ja heutzutage en vogue ist, Fotos vom Essen zu schießen, und der Autor dieser Zeilen sich solcherlei Trends freilich nicht verschließen kann, hier zunächst die Vorspeise.

170130_vorspeise

Frittierte Zwiebeln harren der Vernichtung durch fünf hungrige Mäuler – und die abgebildeten Finger sind weder Dekoration noch Serviervorschlag, sondern dienen nur dem Größenvergleich. – Anschließend dann gab es im Falle des Autors dieser Zeilen einen Burger, dessen Abbildung hier technisch bedingt nicht ganz das volle Farbspektrum der Speise wiedergibt.

170130_burger

Immerhin gab es die Möglichkeit, statt eines normalen Patties (also der Hackfleisch-Burgerscheibe) für zwei Dollar aufzustocken, nämlich auf einen Grass fed patty; von dieser Möglichkeit wurde auch Gebrauch gemacht. Dadurch spart man laut Speisekarte 30 Kalorien (und wie hier deutlich gesagt werden muss: Dies meint 30 KILO-Kalorien, also immerhin 30000 Kalorien! Ein weit verbreiteter Fehler…), und außerdem könnte man sagen: Für US-amerikanische Verhältnisse ist dies bereits so ökologisch, biologisch und natürlich, wie es nur geht. Die Kuh wurde immerhin tatsächlich mit Gras gefüttert!

Andere Kollegen aßen hingegen traditionell Spare ribs, und dieses Essen ist wirklich geeignet, furchtbare Seiteneffekte zu erzielen, beispielsweise fotografische Dokumente, die niemals das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollten. So zum Beispiel dieses:

170130_outback

Interessant sind auch die Öffnungszeiten des Etablissements. In Deutschland schreiben wir ja bekanntlich 10 Uhr, 11 Uhr, 12 Uhr, 13 Uhr; in den USA sagt man dazu 10 a.m., 11 a.m., 12 p.m., 1 p.m.; und beides sind schlüssige Darstellungen von Uhrzeit. Aber: Eines der beiden Systeme sollte man schon nutzen, sonst können Schilder, die Uhrzeiten zum Inhalt haben, schon auch mal zumindest verwirrend wirken!

170130_oeffnungszeiten

Nach erfolgreich absolvierter Nahrungsaufnahme schließlich zurück ins Auto und ab nach West Lafayette. Schön ist es immer, wenn man an einen Ort zurückkehrt, den man schon kennt! In diesem speziellen Falle allerdings ist der Autor dieser Zeilen mit etwas Skepsis belegt; denn als er 2010 mit dem Ensemble (und übrigens auch damals mit Elternzeitvertretung, nämlich Dorothea Wagner…) drei Tage im gleichen Hotel wie dieses Mal auch nächtigte, wurde er krank, heiser, singunfähig – die Kollegen mussten zumindest für einen Workshop damals ohne ihn auskommen. – Doch es besteht Hoffnung: Denn das Hotel ist zwar das gleiche, heißt inzwischen aber anders. Bestimmt geht also diesmal alles gut! Und wenn nicht, lieber Leser: dann erfährst du es als erster.

(PS. Nein, zuviel versprochen. Als erstes würden es freilich die Kollegen erfahren! Jetzt aber keine Eifersucht…)

USA 1: Nachschläge mit Grünkohl und Kleingedrucktem

Lange hat beim Autor dieser Zeilen die Tastatur geklemmt – nun geht sie wieder. Zeit also, manches nachzutragen, bevor es hier an das Berichten aktueller News (oder Fake News?) geht! Gerade nämlich ist das Ensemble wieder einmal in den USA aufgeschlagen, um zu sehen, wie die Stimmung hierzulande so ist (und natürlich auch, um ein paar Konzerte zu singen). Aber zunächst erstmal wird nachgereicht!

Das wichtigste zuerst: Raststätten!

  • A70: Rasthof Haßfurt (Bamberg -> Schweinfurt) 16.12.2016:
    Essen 8.0
    Ambiente 7.8

    Sauber, gutes Angebot, engagierte Angestellte. „Ach, ihr singt – und wer macht die Musik?“ Nahezu perfekte Currywurst. Silvester- und Frühstücksbuffet, also auch zum Nur-mal-so-Essengehen. Außerdem in der Außendarstellung engagiert – künstlerisches Schaffen, das Eindruck macht:
    170129_kunstraststaette
  • A7: Ellwanger Berge West (Würzburg -> Ulm) 19.06.2016:
    Essen 6.2
    Ambiente 7.4

    Nach wie vor große Auswahl. Riesige und ausgesprochen gute Burger im Angebot!

  • A4: Hörselgau (Erfurt -> Eisenach) 20.07.2016:
    Essen 7.0
    Ambiente 6.0

    Recht teuer, langsamer Kassiervorgang. Currywurst immerhin rot, also keine Bratwurst – aber genau wie die Pommes recht lasch. Nettes Séparée zum Sitzen.

  • A5: Reinhardshain Nord (Alsfeld -> Reiskirchen) 20.08.2016:
    Essen 6.8
    Ambiente 6.8

    Schlechte Auswahl, teilweise teuer. Burger recht gut! Sehr freundliche Bedienung. Currywurst ok.

Soweit dazu. Und was war sonst noch? Nun, zum Beispiel Weihnachten. Zu diesem Fest werden ja gern Märkte mit Buden vollgestellt und dann die Bevölkerung mit aufgeheizten Alkoholika in Schwung gebracht; aber man kann dort natürlich auch etwas essen. Klar, in anderen Städten gibt es dort einfach Rost-, Thüringer oder sonst irgendeine Bratwurst; in Leipzig sieht die Sache anders aus. Jedenfalls, wenn man, wie dieser Händler, vermutlich vorher in der PR-Branche gearbeitet hat!

170129_3gaenge

Klar, wird der Leser einwenden: Hier geht es ja um eine Bock- und nicht um eine Bratwurst! Ja, sicher, aber dem Autor dieser Zeilen geht es mehr um die Verpackung als um den Inhalt…

Das gilt übrigens auch für den nächsten Fall. Familienseitig herrscht bei ihm nämlich ein gewisser Hang zu Modelleisenbahnen. Und zwar zur digitalen Variante! Den Lesern, die sich damit nicht so gut auskennen, sei gesagt, dass der Unterschied zur früheren analogen Eisenbahn der ist, dass zu den ohnehin vorhandenen Drähten, die unter dem Brett hängen und die Bahn, Lampen, Schranken, Signale usw. mit Strom versorgen – dass also zu diesen noch eine Unmenge kleinerer und größerer digitaler Bausteine hinzukommen. Kurz gesagt: Die Platte wird sich eher biegen, wenn man dies nicht bedenkt.

Diese digitalen Teile bestellt man also im Internet, und dann bekommt man sie pünktlich kurz vor Weihnachten zugeschickt. Wie sieht so etwas aus? Hier ein kleiner Eindruck:

170129_verpackung

Das, um das es eigentlich geht, ist das kleine dunkle Rechteck in der Plastetüte…

(Und schon ist es passiert: Dem Autor dieser Zeilen fällt auf, dass er schreiben wollte „Apropos Raststätten.“, die Chance aber vertan hat. Wohlan, das ignorieren wir einfach! Man denke sich einfach Klammern um die Weihnachtseinlassungen…)

Apropos Raststätten: Da geistert noch ein Bild herum, das zwar unbedingt gezeigt werden möchte, allein es fehlt an Kontext! Aufgenommen wurde es am 6. November des vergangenen Jahres, soviel steht fest – aber wo? Mit Sicherheit an einer Raststätte. Aber ein Konzert war da nicht, der Kalender des hier Schreibenden zeigt einen leeren Tag, und dass er sich zum Vergnügen an freien Tagen auf Raststätten rumtriebe, kann er nicht bestätigen, bzw. er kann nur hoffen, dass es nicht so sein möge. Nun, wer weiß – das Bild ist jedenfalls entstanden, und es zeigt die Ecke eines Tellers mit Grünkohl und Kleingedrucktem.

170129_leidernichtinstendal

Natürlich fühlen wir jetzt alle mit. Und zwar mit den armen Stendalern, die – ja, was eigentlich? Gibt es die Mahlzeit in Stendal leider nicht? (Immerhin kauft der Raststättenkoch das Gemüse immer frisch auf dem  Markt, und man weiß ja: Grünkohl wächst in Stendal einfach nicht!) Oder gilt augerechnet nur in Stendal eben nicht, dass man diese Speise nur vor Ort verzehren darf – sprich: In Stendal hätte man den Grünkohl aus der Raststätte auch mit nach Hause nehmen dürfen? Aber das wäre doch eher ein Grund zum Freuen gewesen! Nun, wer weiß – wir wollen einfach hoffen, dass es den Stendalern trotz der wie auch immer gearteten Entbehrung gut gelang, den Rest des Novembers 2016 zu überstehen. Und da es calmusseitig ja auch Verbindungen in diese schöne Glockenstadt gibt, kann der Autor dieser Zeilen auch beruhigend versichern: Wäre es anders gewesen, hätte er’s erfahren und würde dieses Wissen hier auch teilen. Also: Alles gut in Stendal.

Bleibt noch ein Bild, bei dem die Erinnerungslücken nicht gleich Kontinentengröße annehmen. Aufgenommen wurde es, nein: wurden sie am 16. Januar auf dem Flughafen Düsseldorf. – So ein Flughafen ist ja wie eine kleine Stadt; es gibt Verwaltung und (besonders viel) Polizei und Gewerbe und Gaststätten, manchmal ein kleines Postamt, und oftmals auch Kirchen. Nunja, „Kirchen“ ist vielleicht zuviel gesagt, aber zumindest eine kleine Kapelle gibt es oftmals schon.

In Düsseldorf ist auch der Begriff „Kapelle“ allerdings schwer über die Lippen zu kriegen, wenn man dies entdeckt:

170129_seelsorge1

Es wirkt eher wie ein Container, angelehnt an Flugzeugoptik. Aber wie funktioniert das, vielleicht wie ein Beichtstuhl? Man klettert hinein, der Seelsorger sitzt mittig, und nach dem zweiten Gast ist ausverkauft? Man weiß es nicht, und auch ein zweiter Blick (diesmal mit Kontext) bringt keine Erleuchtung:

170129_seelsorge2

Hat also einer der Leser einen Hinweis, was dieses Seelsorge-Ding dort macht, wie es funktioniert, was es bezweckt? Der Autor dieser Zeilen wäre dankbar für Aufklärung!

Soweit zu den Nachträgen. Nun also sitzt man wieder in einem amerikanischen Hotel und ist gespannt auf die Stimmung in den USA! Deutschland verabschiedete sich von Calmus mit diesem hübschen Bild:

170129_flughafen

Schauen wir mal, was es von hier Spannendes zu berichten gibt!

USA, 8.4.2016: Nussknacker, Geb Deutsch und ein Smartphone-Hack

Dieses Blog ist ja nicht gerade ein Hort technischer Details, aber von Zeit zu Zeit teilt der Autor dieser Zeilen gern seine Erfahrungen mit technischem Krimskrams. Vorher aber sei erwähnt, dass sich das Ensemble inzwischen vom Schock der Beinahe-Verhaftung wieder erholt hat und eine entspannte Weiterreise angetreten hat – von Texas ging es nach New York.

Hier gibt es zwar mancherlei zu besehen, aber andererseits war man ja inzwischen relativ häufig dort. Umso hübscher, dass die Stadt nicht müde wird, den fahrenden Sänger zu erstaunen! Der eine oder andere wagte sich nun tatsächlich auf den inzwischen fertiggestellten Freedom Tower. Die Aussicht ist umwerfend; allerdings schaffte es der unvermeidliche Touristenshop, noch mehr zu verblüffen! – Was erwartet man in einem solchen Laden? Klar. Flaschenöffner, T-Shirts, Spielkarten und Tassen mit aufgedrucktem oder ausgeformtem Freedom Tower; schlechten Kaffee für viel Geld, Kühlschrankmagnete und dergleichen mehr.

Was erwartet man nicht? Das hier! Im Touri-Shop des Freedom Towers kann man auch

160408_wtcchristbaumkugeln

Christbaumkugeln und

160408_wtcnussknacker

Nussknacker kaufen – und zwar im April! Und von verbürgter Stelle wurde auch angemerkt, dass es sich tatsächlich um ein recht anständig erzgebirgisch aussehendes Modell handele…

Ansonsten stromert man in dieser Stadt ja nicht nur durch die Straßen. Nein, von Zeit zu Zeit möchte oder muss man freilich auch einmal ein Haus betreten; diese banale Szene könnte man, wäre man beispielsweise Monty Python und drehte einen Sketch über, sagen wir, deutsche Eigenarten, mit einem Pförtner versehen, der durch übertriebenen Zwang zur Korrektheit und einige bürokratische Hürden den Betretungswilligen zum Wahnsinn treibt. – Oder man bleibt im Jahre 2016 und erlebt es einfach selber, nur dass der Pförtner Amerikaner und der Deutsche der Eintrittsaspirant ist!

Man betritt also das Haus. Dort sieht man hinten zwei Aufzüge, und vorn einen Tresen mit jenem Pförtner sowie dem Hinweis „Please sign in“, also etwa: Bitte anmelden. Natürlich, kein Problem.

‚Wir möchten zu X in der Y. Etage‘, sagt man freundlich.

‚Natürlich, ich muss nur die Namen aufschreiben. Wie heißen Sie? Und ich benötige die IDs.‘ (Seit jenem Erlebnis mit der texanischen Polizei hat man freilich immer seinen Reisepass dabei und übergibt ihn, sich fragend, wie lange der Prozess wohl dauern möge. Du ungeduldiger Narr, Autor dieser Zeilen, darüber jetzt schon nachzudenken!)

‚Also die Namen habe ich nicht auf meiner Liste. Zu wem wollten Sie?‘ – ‚Zu X, in der Y. Etage.‘

Ein Anruf wird getätigt, bei dem sowohl unsere als auch der Name von X falsch wiederholt wird; dennoch scheint das Telefonat eine gewisse Wirkung erzielt zu haben, denn der Mann wendet sich nun den Personaldokumenten zu. Allerdings: Solche hat er noch nie gesehen!

‚Ist das hier der Vorname?‘ – ‚Ja‘, sagt der angesprochene Autor dieser Zeilen, sich wundernd; denn a) auch in deutschen Pässen steht für unsichere Zeitgenossen auf englisch surname und given name im Pass, und b) handelt es sich um den Pass von Tobias, am Passfoto nicht undeutlich zu erkennen. Wer weiß. – ‚OK, ich muss ein Foto machen‘ sagt der Mann am Tresen und macht es – vom Autor. Nimmt sodann den nächsten Pass (es sind bereits etwa sieben Minuten um – und es handelt sich auch nicht um ein Regierungshochsicherheitsgebäude mit Scharfschützen, sondern um ein einfaches Bürohochhaus)… nimmt also sodann den nächsten Pass und fragt wieder: ‚Ist das der Vorname?‘

‚Ja‘, antwortet man ihm, ‚aber das ist der Pass desjenigen, von dem Sie soeben schon das Foto gemacht haben.‘ – ‚Oh, äh, … that doesn’t matter.

Soso, es macht also nichts, wenn Sie Leute fotografieren und dann zu Sicherheitszwecken das Foto mit anderen Identitäten verknüpfen – denkt man sich natürlich nur, während man verstohlen auf die Uhr schaut (inzwischen etwa 9 Minuten) und nach rechts, wo sich unter den Mitreisenden bereits eine merkwürdige Art nervöser Zwangsheiterkeit breit macht. Schauen wir, wohin es führt – und Protest würde den Vorgang wohl auch eher nicht beschleunigen.

Während an der Seite Passanten eine Karte an ein Lesegerät halten und einfach hineingehen (und so den Neid der Gruppe auf sich ziehen), wird nun nach und nach jeder Pass bearbeitet. Immer wieder wird gefragt, ob dies der Vorname sei, mit großer Konzentration werden (offenbar) die Namen abgetippt, und nach und nach erhält jeder ein Dokument, das nur deswegen noch nicht gerahmt in Galerien hängt, weil die Gruppe noch unterwegs ist: Ein Aufkleber, der uns als Gast ausweist. Nach fünfzehn Minuten dürfen wir den gründlichen Mann Richtung Aufzug verlassen – und müssen uns erst einmal sammeln.

Hier sei nun für die Ewigkeit festgehalten, unter welchen Namen das Ensemble zukünftig auftreten wird. (Ludwigs Etikett war fehlerfrei, hat es aber leider nicht in die Sammlung geschafft.)

Ludwig Böhme, Bariton also. Außerdem:

160408_manuel

Manuel Helmeke, Bass. (Soweit, so gut.)

160408_visitorsebatian

Sebatian Krause, Alt. Oder Tenor? Man beachte das Foto – suchen Sie sich einen aus!

160408_visitortobias

Tobias Deutsch. Ah, der singt Alt, das Foto beweist es! – Und schließlich

160408_visitorgeb

Geb Poche, Sopran!

Well, that doesn’t matter, sagen wir da ganz galant. (Und da es ja heißt, man solle zwar öffentliche Daten nützen, private aber schützen, werden hier hochsensible persönliche Informationen unauffällig ausgeblendet…)

Ansonsten hielt der diesmalige Ausflug in den Big Apple keine weiteren großen Überraschungen bereit. Doch, eine: Am Flughafen La Guardia liest man dieses Blog! – Vor einiger Zeit wurde an dieser Stelle von einem Trick berichtet, wie man an manchen Flughäfen (die einen bestimmten W-LAN-Anbieter beauftragt haben; damals Chicago O’Hare, aber auch La Guardia gehört dazu) ins Internet gelangt. Nun, was soll man sagen: Der Fehler ist inzwischen leider behoben… Selber schuld, möchte man sagen. Nun, dann wendet man sich dem Teufel der Neuzeit, also seinem Smartphone, zu – das kann man ja auch ohne Internet benutzen, um zum Beispiel geistlose, aber zeitvertreibende Spiele zu spielen!

Nun begibt es sich aber, dass manche dieser Spiele insofern perfide sind, als dass sie nach einigen vergeblichen Versuchen des Bezwingens irgendwelcher Schwierigkeitsstufen den Spieler durch Warten bestrafen. Wie gemein! Man sitzt also da, und das Spiel sagt: Du darfst erst in 15 Minuten weiterspielen. – Wenn man aber viel Zeit hat, findet man für alles eine Lösung! (Neben O’Hare spornt also auch der Flughafen La Guardia gewissermaßen zu computertechnischen Höchstleistungen an…)

Das Geheimrezept sei an dieser Stelle für die Nachwelt dokumentiert: Man stelle einfach die Uhr des Smartphones um! Sinnvollerweise in die Zukunft, im obigen Fall würden 16 Minuten reichen. Dann starte man das Spiel erneut – und voilá! Schon kann man weiterspielen.

Wohl weiß der Autor dieser Zeilen, dass dieser Hack ihn nicht reich machen wird (zumal es jetzt ja jeder weiß!), noch, dass er wahrscheinlich nur die falschen Menschen glücklich machen wird. Auch werden ihn manche Eltern jetzt scheel ansehen und denken: Dieser Mensch da ist schuld daran, dass wir unser Kind nun gar nicht mehr sehen… Aber man muss es doch so sehen: Wenigstens das Kind ist glücklich. – Aber hier wird abgeschwiffen. Abgeschweift. Abgeschwoffen.

Schließlich startete man von La Guardia, und noch auf dem Rollfeld genoss man diese Aussicht:

160408_trump

Was hier wenig spektakulär wirkt, sieht ganz anders aus, wenn man hineinzoomt, ziemlich genau in die Mitte.

160408_trump_nah

Wir fuhren also in gewisser Weise auf dem Parkplatz von Donald Trump umher! Dieser, vorsichtig formuliert, umstrittene Mann hat also einen nicht eben kleinen Privatjet – etwa so groß wie der, in dem der Autor zum Zeitpunkt des Fotoschießens saß.

Und wo landete unser Flugzeug? In Minnesota. Inzwischen ist man an der letzten Station der Reise angelangt – St. Cloud, ein schönes, aber etwas merkwürdiges Örtchen: Man dachte zunächst, in einem Gewerbegebiet zu sein. Gut, so etwas gibt es, auch mit Hotels, und das ist auch nicht schlimm (man wohnt ja nicht für immer da); aber heute wurde zum Zwecke des Workshopgebens an einer Schule das Hotel verlassen, und etwa fünfzehn Minuten der Autofahrt führten durch Gewerbegebiet. Quasi ununterbrochen. Das ist zumindest ungewöhnlich; denn irgendwer muss ja auch zum Einkaufen kommen! Und wo kamen die vielen Kinder an der Schule her? Aber Wohnhäuser wurden eher nicht gesichtet… Vielleicht ja morgen.

Der Vorteil aber an Gewerbegebieten: Die Versorgung ist gesichert. Der Feierabend führte das Ensemble noch in ein dem Hotel nahegelegenes Restaurant. Ausgesprochen lecker war es, und man feierte eine Happy Hour: Bis sieben kostete jedes Bier nur einen Dollar. Denn, so erklärte die Kellnerin: Heute ist National Beer Day! Nun, dann muss man diesen regionalen Gepflogenheiten natürlich nachkommen und ein erstes Bier bestellen (und die Frage im Kopf verdrängen, ob dies ein offizieller Feiertag sei oder wenigstens so etwas wie das „Jahr der Physik“ oder das „Tier des Jahres“, meinetwegen auch der „Angestellte des Monats“). – Was aber natürlich am National Beer Day unbedingt passieren musste: dass mindestens einmal jemandem ein Glas herunterfällt. Und so geschah es, nicht weit von unserem Tisch. Ein Kellner verschwand und holte – na? Einen Lappen? Einen Eimer? Nein.

Einen Hinweis!

160408_achtungnass

So wird’s gemacht. ERSTENS: UNFALLSTELLE ABSICHERN!

USA, 4.4.2016: Mikroskope, Handschellen und Nachträge

Eben noch steht man da und sinniert darüber, was die ganzen Mikroskope auf dem Wägelchen sollen, das neben einem auf die Straße gerollt wird – und kaum danach sieht man Handschellen und versucht sich krampfhaft an seine Passnummer zu erinnern. – Was ist passiert? Nun, fangen wir vorn an.

Vorn freilich bedeutet, dass es zunächst einiges nachzutragen gilt! Zunächst das Wichtigste: Es fanden sich neue Raststätten zur Bewertung. Nämlich:

  • A9 Bayreuth -> Nürnberg: Rasthof Fränkische Schweiz
    8.5.2015 (ja, diese lag versteckt und tauchte eher zufällig wieder auf…)
    E: 7.7
    A: 7.4
    Gute Auswahl, frische und sehr gute Salate. Currywurst sehr gut, nur ein wenig fetttriefend.

Und etwas ganz besonderes geschah am 6.3.2016 – man fuhr nämlich auf Hin- und Rückreise zu einem Konzert (gezwungenermaßen…) zweimal die gleiche Raststätte an! Genauer gesagt natürlich: einmal Nord, einmal Süd. Ein ausgesprochen interessanter Vergleich…

  • A28 Bremen -> Oldenburg: Hasbruch Nord
    6.3.2016
    E: 6.0
    A: 5.0
    Sehr gute Currywurst – sie wurde nämlich frittiert! Leider allerdings gemeinsam mit den Pommes, was das Gesamtergebnis etwas trübte…
  • A28 Oldenburg -> Bremen: Hasbruch Süd
    6.3.2016
    E: 8.2A: 6.8
    Ein fairer Hinweis erwartete den Besteller eines „Strammen Max(en?)“: Das habe die Bedienung, da neu, noch nie zubereitet. Sie könne „drüben“ (also Nord) anrufen, das könne aber etwas dauern; solle es vielleicht etwas anderes sein? – Ansonsten: frische Zubereitung, und (siehe oben) freundliche Bedienung!

Auch ansonsten hat der Verfasser dieser Zeilen, bevor er zu den oben erwähnten Handschellen kommt, noch ein paar nette Fundstücke zu bieten. Hier sieht der Leser beispielsweise ein Grundstück aus der Heimatstadt der Sänger. Die Bebauung ist, nunja, möglicherweise in ferner Zukunft eventuell geplant; aber eines immerhin haben sich die Eigentümer des vielleicht entstehenden Reihenhäuschens nicht nehmen lassen, bereits aufzustellen, möglicherweise um ihr zukünftiges Revier zu markieren, um sich selbst des Vorhandenseins wenigstens einer Hausnummer zu vergewissern, oder als Folge eines ganz besonders absonderlichen Humorergusses: ihren Briefkasten!

160404_HeuteVslKnapp.jpg

Betreten durfte man das Grundstück hingegen nicht; der Autor schoss dieses Bild durch einen Zaun. – Betreten darf man allerdings sowieso alles mögliche nicht. Parks, Straßen, Gebäude, Baustellen, Bahnanlagen, um nur einige zu nennen. Neu hinzugekommen in dem Reigen der nichtbetretbaren Plätze ist nun allerdings, eher unerwartet:

160404_BitteNichtBetreten.jpg

Na gut, sind wir mal nicht so.

Wer es allerdings spektakulär findet, ein Schaufenster zu betreten, der wird mit dem Verfasser mitfühlen können, der auf seinem Arbeitsweg (also dem Weg zur Probe) mit diesem Schauspiel konfrontiert wurde:

160404_Arbeitsweg.jpg

Und dort, lieber Leser, musste er durch! Wer nun denkt „Man könnte ja auch irgendwie außenherum gehen“, dem sei gesagt, dass dort nirgends das Schild „Betreten verboten“ stand! Und wenn einerseits selbst offensichtliche Stellen wie Schaufenster explizit gekennzeichnet werden – sollte dann andersherum nicht an Stellen wie dieser erst recht ein solcher Hinweis auftauchen? Wie dem auch sei: der abenteuerlustige Sänger wagte – und gewann. (Will sagen: Er gewann Zeit. Oder genauer: Er verlor zumindest keine durch Umwege…)

Wer hingegen mitunter Zeit verliert, ist der Zug. (Zu den Handschellen kommen wir gleich.) Eine Fahrt führte den Verfasser nach Halle an der Saale. Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof kam er nicht umhin, das Informationsdisplay der Deutschen Bahn festzuhalten!

160404_HeuteVslKnapp.jpg

Aaalso. Die aktuelle Zeit (das mag nicht sofort auffallen) ist 20.53 Uhr, die steht oben rechts. Fahrplanmäßige Ankunft des Zuges war 20.24 Uhr; eine halbe Stunde Verspätung auf einer Strecke von vielleicht 35 km ist ärgerlich, aber mit dem Auto steht man ja auch manchmal im Stau. Richtig interessant aber ist der Hinweis für die nach Borna oder Halberstadt weiterreisenden Passagiere! Denn deren Züge haben ja den Bahnhof entweder schon verlassen, dann aber ist der Hinweis „Heute vsl. knapp“ zumindest mutig, wenn nicht frech – oder aber die Züge warteten (der Autor konnte das leider nicht prüfen), dann aber wäre die Formulierung „Anschluss gewährleistet“ o.ä. wohl zielführender. Vor dem geistigen Auge erscheint ein Schaffner am Gleis nach Halberstadt, der den Zug aus Leipzig einfahren und die Türen öffnen sieht – und dann, die verzweifelten und hetzenden Passagiere in der Ferne höhnisch beobachtend, dem Zug den Abfahrtspfiff sendet. Für diese (hoffentlich völlig hypothetische!) Situation wäre der obige Hinweis sicherlich absolut gerechtfertigt!

Und dann hat der Autor dieser Zeilen, bevor er gleich die Sache mit den Handschellen und den Mikroskopen erklärt, noch eine Frage, nämlich eine, die mit Geld zu tun hat. Geld benutzt man ja, um Sachen zu kaufen. Freilich, an der Börse kann man auch Geld für Geld kaufen, oder auf Reisen tut man das quasi auch, wenn man Euro in die Landeswährung tauscht; aber innerhalb eines Landes gibt es im Grunde ja nur eine Möglichkeit, Geld für Geld zu bekommen: Wenn man in einen Laden geht und Geld wechselt. Oder? Aber wie ist dann das folgende Schild zu verstehen?

Wie kann man denn Bargeld kaufen? (Und wie kann man darüberhinaus Kaufen groß, Gratis groß, Auf groß und Gratis KAFFEE nicht zusammen- oder bindestrichverbunden schreiben? Aber das ist ein anderes Thema…)

Dem Ensemble begegnete im Übrigen bei anderer Gelegenheit eine Schalttafel, die für Sänger eines Vokalensembles recht erheiternd wirkte. Man möchte sie gern bei Konzerten auf die Bühne neben sich stellen; alle wesentlichen Funktionen sind enthalten und können dann per Knopfdruck abgerufen werden!

So. Nun aber genug von dieser Bilderschau; stand in der Überschrift nicht etwas mit den USA? Und vor allem: von Handschellen? – Calmus befindet sich momentan tatsächlich wieder einmal in den USA. Gerade als es in Deutschland begann, schön zu werden (die Rede ist hier mindestens vom Wetter), begaben wir uns nach Utah, um bereits zum zweiten Mal dem Städtchen Logan einen Besuch abzustatten. Man erklärte uns, dass hier (also dort – also: in Logan) in den letzten Tagen richtig schönes Wetter gewesen sei; nun aber schneite es. Und zwar durchaus richtig! Ein leichtes Schuldgefühl stellte sich bei uns ein.

Die Stadt liegt in einem Tal umgeben von Bergen; die Rocky Mountains zeigen sich in ihrer vollen Pracht.

wp-1459734444586.jpg

 

Nach einem Konzert und zwei jetlagbedingt etwas schwierigen Nächten führte die Reise sodann nach Texas. Dies ist also eine sehr kontrastreiche Tour! Unterwegs noch einmal Berge, diesmal von oben…

Auffällig ist, dass auf dieser Reise vergleichsweise häufig Sprengstoff eine Rolle spielt! Weniger durch tatsächliche Anwesenheit, aber aus irgendeinem Grunde meint man an Flughäfen Calmus gegenüber im Zweifel eher gründlich sein zu wollen. Lächelnde Beamte, die etwas von „Sprengstofftest“ murmeln und Teststreifen über Hände und Rucksack ziehen – speziell Bass und Countertenor scheinen diesmal besonders interessant für die untersuchenden Beamten zu sein. Warum? Dies würde der Verfasser dieser Zeilen zu gern mitteilen, leider aber kann er nicht – er weiß es selbst nicht.

In Texas jedenfalls führte uns die Reise nun zum Leib Christi. Ja, wirklich! Das Konzert fand in Corpus Christi statt, ein Ort von 350.000 Einwohnern, der seinen Namen erhielt, weil der Entdecker irgendwann vor hunderten von Jahren zufällig genau zu Fronleichnam in der entsprechenden Bucht landete…

So sieht es in Corpus Christi aus:

Das Hotel selbst: Erstaunlich laut. Der Grund war ein gefühlter Bienenschwarm, bestehend aus etwa 400 Teenagern, die auffällig aufgeregt in roten Jacketts durchs Hotel eilten. Man steht vor dem Hotel, und plötzlich werden Rollwagen auf die Straße geschoben, auf dem ersten drei Computer, auf dem zweiten etwa zehn Mikroskope. Dahinter wieder aufgeregte Schüler… Was soll das? Ein Angestellter, darauf angesprochen, konnte schließlich etwas Licht ins Dunkel bringen: Gerade findet ein Wettbewerb von SkillsUSA statt, einer Vereinigung, die sich der Förderung von Schülern verschrieben hat und unter anderem eben Talentwettbewerbe ausrichtet.

Nach dem Konzert wurde ein Alptraum wahr, jedenfalls einer für Kellner. Man war noch zum Essen geladen, und der Autor dieser Zeilen bestellte einen Burger. Ca. zehn Minuten später kam der Kellner und entschuldigte sich etwa tausendmal – die Burger waren alle! Nun, dies war kein Problem, und innerhalb von zehn Sekunden wurde auf das Huhn ausgewichen, eine durchaus ebenfalls leckere Alternative. – Diesmal allerdings dauerte es nur etwa 30 Sekunden, und der Kellner erschien erneut: diesmal, geradezu im Boden versinkend und nun mindestens zehntausend Entschuldigungen vorbringend, überbrachte er die Nachricht, dass auch das Huhn alle sei! Der arme Mann war definitiv nicht zu beneiden… Freilich fand sich auch noch einmal eine (diesmal auch tatsächlich verfügbare) Alternative, und lecker war sie außerdem. (Und wer sich noch an vergangene und hier berichtete Erlebnisse erinnert: Es wurde noch nicht einmal ein Ausweis der Bierbesteller verlangt! Denn so etwas möchte man ja auch nicht unbedingt den ganzen Tag mit sich herumtragen; und zum Konzert sowieso nicht…)

Eine Eigenart der USA sei an dieser Stelle wieder einmal erwähnt: der Hang, Dinge mit möglichst vielen Suoerlativen zu beschreiben. Ein Trend, der auch im Deutschen immer mehr Fuß fasst; es gibt eben keinen kleinen und großen Kaffee. Die drei Größen heißen tall, grande und venti (und zwar von klein nach groß sortiert!); niemand käme auf die Idee, die kleinste Größe als small zu bezeichnen! – Warum dieser Einwurf? Nun, weil der Autor dieser Zeilen beim Versuch, sich ins Internet des Hotels einzuwählen, die folgenden Alternativen angeboten bekam:

So muss das sein: Die kleinste Möglichkeit muss bereits „Deluxe“ heißen! (Allerdings, mit Verlaub gesagt: Sie heißt nur so. Sie ist es nicht…)

Heute dann ein kleiner Ausflug in den Süden, denn tatsächlich ist mal ein ganzer Tag frei. Man fährt also in die Richtung der mexikanischen Grenze (ohne sie freilich zu überqueren). Nach einiger Zeit tritt man die Heimfahrt an, will sagen: die Fahrt ins Hotel. Und nach einigen Meilen naht: eine Polizeikontrolle.

Dies ist ja nicht schlimm, denn man führt ja keine gefährlichen Substanzen mit sich oder ist auf der Flucht vor Gesetz oder sonstwem; und bereits von ferne sieht man auch, worum es sich handelt: Die Beamten scheinen vorwiegend mit der Suche nach Drogen beschäftigt. Nun, immerhin ist es die Route von Mexiko ins Innere der USA auf einem Highway; wen wundert es? Also brav herangefahren und die Personalausweise gezeigt.

„Was ist das?“

Ähm, naja, das sind unsere Ausweise – die Pässe haben wir im Hotel… Das sei schlecht, fahren Sie bitte da herüber und warten Sie da.

Oh. Die texanische Polizei ist nun nicht als diejenige Behörde mit dem meisten Sinn für Humor bekannt – eher im Gegenteil. Naja, sie werden die Ausweise prüfen, im Computer unser Arbeitsvisum finden und uns weiterfahren lassen.

Die Herren Böhme und Krause werden herein“gebeten“ und nehmen neben zwei anderen Wartenden Platz. Der Autor dieser Zeilen schaut sich um. Man befindet sich im Vorraum zu einem normalen Polizeibüro – halt, nein: Die Beamten sitzen an Tischen, aber vor ihnen ist ja eine Scheibe… Auf der anderen Seite derselben befinden sich Stühle und eine Art kleiner Tresen – und in diesen eingelassen: Handschellen! Und die Sänger nur einen Raum entfernt. Ein Moment, in dem der Speichelfluss kurzzeitig geflissentlich unterbleibt.

Die Personalausweise werden von den Beamten eingehend untersucht. Man macht sich auf die Suche nach den entsprechenden Einträgen „im System“ (eine Floskel, die texanischen Polizisten genauso flüssig und oft über die Lippen geht wie deutschen Beamten). Während der Suche macht man uns darauf aufmerksam, dass wir immer unseren Pass mitführen müssen! Auch wird uns ein Merkblatt zum Thema überreicht. In diesem ist zu lesen, dass man bis zu 100 Dollar bei Nichtbeachtung zahlen muss. Oh, oder/und: Auch bis zu dreißig Tagen Gefängnis sind möglich!

Der Computer hat inzwischen das Visum des Verfassers gefunden, das offenbar in Ordnung ist. Das gleiche Spiel nun mit dem nächsten Sänger. Ludwig ist der Vorname? Böhme der Nachname? Ja.

Warten… Warten…

„Ihr Visum ist seit 2014 abgelaufen.“

???

Das kann nicht sein, wir sind doch gerade erst eingereist, sind eine Gruppe, beantragen das jedes Jahr neu, ist doch gar nicht möglich, und so weiter… Doch, das System sagt es. Wir schauen erstmal bei den anderen – Pöche, Tobias:

… … …

Das Visum gilt auch nicht mehr. Seit 2014.

Inzwischen ist gefühlt der oben abgebildete Panik-Knopf tief gedrückt, zumindest bei den beiden, die drinnen in der Wache sitzen. Das kann doch nicht sein! Hätten wir jetzt nur mal unseren Pass! Plötzlich ein baritonaler Geistesblitz: Schauen Sie doch mal nach BOEHME statt nach BÖHME oder BOHME!

Nach einer längeren Erklärung über die Bedeutung von Umlauten und deren Umdeutung auf anderssprachigen als deutschen Tastaturen schauen die Beamten im System nach, und … … … tatsächlich! Es gibt jeweils noch gültige Visa.

Ein Augenblick tiefer Erleichterung. Die Beamten sehen glücklicherweise von der dreißigtägigen Zwangsunterbringung ab, glauben offenbar nicht mehr daran, dass Calmus eine größere Gefahr darstellen würde. Man lässt uns weiterfahren, weist uns noch einmal auf die Mitführungspflicht des Passes hin, wir sagen freundlich Danke und Sorry und so weiter, und fahren weiter nach Corpus Christi ins Hotel. Und stecken als erstes den Pass ein.

Also, lieber Leser: In den USA immer schön den Pass mitführen! Sonst kann der Mund schnell trocknen…

Frohe’s Neue’s!

Und schon ist (fast) wieder ein Jahr vorbei. Wenn man 74 Konzerte singt, dann sieht man das eine oder andere – und wenn man dann wie der Autor dieser Zeilen zusätzlich noch ein Faible für so seltsame Dinge wie Frisöre und Ratstätten hat, dann fällt schon mal das eine oder andere Bild an. Und so gibt es hier zum Jahresende noch Eindrücke der letzten zwei Wochen des Jahres…

Vorher aber muss noch eines erklärt werden. Warum eigentlich soll man Haustüren schließen? – Die Frage liegt erstmal nicht unbedingt auf der Hand, denn eigentlich denkt man ja, das sei klar: damit niemand einbricht; damit niemand etwas aus dem Hausflur klaut; damit es nicht kalt wird und so weiter. Aber vielleicht gibt es ja je nach Gegend auch noch andere oder zusätzliche Gründe! Auf einen jedenfalls wurde der Verfasser kürzlich aufmerksam – man konnte es ja auch schlecht übersehen:

151230_ratten

Nein, Ratten möchte man im Allgemeinen nicht vor der Wohnungstür… Ob das dort schon vorgekommen ist? Vielleicht gar öfter, so dass es der Hausverwaltung geboten schien, diesen Türschließgrund auf die Prioritätsliste ganz oben zu schieben? Man möchte dort wohl nicht länger wohnen.

Wenden wir uns also schnell etwas Erfreulicherem zu. Wie wäre es mit Weihnachten? Der Autor dieser Zeilen hofft, dass der Leser ein schönes Fest hatte! Er selbst wurde zum Essen mit einer besonders hübschen Serviette konfrontiert.

151230_serviette_original

Was für ein schöner Engel! Und auch noch mit Noten! Was für ein Lied mag das wohl sein? Als Musiker fühlt man sich vor ein kleines Rätsel gestellt. Und je länger man versucht, sich in die abgedruckte Musik zu vertiefen, desto mehr Fehler fallen einem auf und Fragen ein… Leider kann man ja auch des Engels wegen nicht alles erkennen. Also nutzen wir die Macht des Rechners und bringen zumindest das erste und letzte System in digitale Form! Die vom Engel überdeckten Stellen seien einfach freigelassen.

151230_serviette_abschrift

Und dem musikalischen Leser sei nun viel Vergnügen mit dem zweiten System gewünscht! Fachfragen sind: In welcher Takt- und Tonart steht das Werk? Welche Schlüssel gibt es? Und vor allem: Wie genau ist der Rhythmus in der linken Hand zu verstehen? Fragen, mit denen man sich reichlich vom Essen ablenken lassen kann…

Und das, obwohl es herrlich schmeckte! Es war himmlisch. Außerordentlich wohlschmeckend. Oder, etwas weniger romantisch formuliert: Lecker. – Es gibt freilich auch Essen, bei dem man sich (im Unterschied zum Weihnachtsbraten) nicht sicher sein kann, ob es schmeckt; dann hilft es, dem potenziellen Käufer einen dezenten Hinweis zu geben: Ja, es wird himmlisch schmecken. Es wird außerordentlich wohlschmeckend sein. Oder eben, unter Benutzung eines entsprechenden Superlatives:

151230_superlecker

Nicht nur lecker, sondern super lecker! Na dann guten Appetit.

In der gleichen Raststätte, in der es auch die super leckeren Backwaren gab, konnte man außerdem auch Kaffee kaufen. Dieses Getränk gibt es immer in zwei Größen: klein – und nicht etwa groß, nein! XXL nennt man das heutzutage. Wie aber füllt man denn einen großen Kaffee ab, wenn es am entsprechenden Automaten nur eine Taste gibt, die mit „Kaffee“ beschriftet ist? Merkt die Maschine, dass man einen großen, Entschuldigung, einen XXL-Becher daruntergestellt hat? Nein. Es gibt eine (recht hübsche) Anleitung für dieses Problem:

151230_xxlfuellung

Nachdem nun also die Teilfüllung abgewartet wurde und die XXL-Füllung erfolgt ist, kann man sich anderen Dingen zuwenden. Zum Beispiel einem Frisör. Ein neues Highlight nämlich lief dem Autor dieser Zeilen über den Weg!

151230_4haare1

Vier Haareszeiten ist ein ganz besonderer Frisör. Neben Haarschnitten bietet dieser Laden nämlich auch andere Dienstleistungen an – zum Beispiel ändert er auch Ihre Augenfarbe! Die blauen Augen nerven Sie? Lassen Sie Ihre Augen einfach braun färben!

151230_4haare2_braun

Und der absolute Clou sind die Öffnungszeiten. Im Unterschied nämlich zu allen anderen Frisören (oder im Unterschied zu allen anderen Geschäften im Heimatort?) hat dieser Frisör nämlich nicht nur am Dienstag geöffnet, am Mittwoch, Donnerstag und Freitag, sondern – man halte sich fest! – sondern auch:

151230_4haare3_montag

Und so geht – wie schon erwähnt – wieder ein Jahr zu Ende. Eines, das an vielem reich war, leider auch an sogenannten Deppenleerzeichen (super lecker) und auch Deppenapostrophe’n. Mit einem solchen entlässt der Autor dieser Zeilen nun den Leser in ein neues Jahr! Gefunden wurde er an der Fensterfront einer Fahrschule; dort kann man ja mitunter den Führerschein in kurzer Zeit machen, zum Beispiel in den Weihnachtsferien. Aber: In den Weihnachtsferien! Bitte nicht: In den Weihnacht’sferien…

151230_weihnachtsferienkurs

Und damit wünscht der Autor dieser Zeilen

einen guten Rutsch

und ein frohe’s neue’s Jahr!

Kanada/Deutschland, 13.-14.12.2015

Es ist gegen Ende einer solchen Reise immer schwierig, die gewohnte Gleichmäßigkeit des Erscheinens neuer Beiträge an dieser Stelle aufrechtzuerhalten – flug- und müdigkeitsbedingt fehlen Internet und Kraft… Nun aber gibt es ihn doch noch, den Rest der Reise.

10.18 Uhr

Toronto. Eine schöne Stadt, die immerhin mit dem CN-Tower lange Zeit das höchste Gebäude der Welt beherbergte (und wohl Hort für Horrorvisionen für Höhenängstliche ist – gibt es doch an diesem Turm einen nach so gut wie allen Seiten offenen Fahrstuhl!) – das aber ficht das Ensemble leider nicht an. Man erreicht das Hotel mitten in der Nacht, und bereits jetzt begibt man sich zum Konzertort, wo Probe und zwei Konzerte auf die Sänger warten. Da man danach direkt zum Flughafen fahren wird, bleiben die Eindrücke von Toronto doch arg überschaubar…

14.32 Uhr

Das erste Konzert ist vorüber – eines für Kinder! Und dazu ausnehmend schön; es wurde von einer Schauspielerin moderiert, der es gelang, dass die Kinder unglaublich aufmerksam waren und offenbar Spaß daran hatten, z.B. zu erraten, wer im Ensemble welche Stimme singt. Erfolgsrate: immerhin 60 Prozent! Aber Bariton und Tenor sind auch mit Abstand am schwersten auseinanderzuhalten… Nun also Endspurt: Noch ein Konzert, nämlich eines für Erwachsene. Und dann: Heimreise!

18.13 Uhr

Ankunft am Flughafen Toronto. Dem Leser bleibt an dieser Stelle leider ein Foto verwehrt, nämlich das eines Werbeträgers für kostenlose Gepäckwagen. Um zu demonstrieren, dass man dort seine Koffer daraufladen kann, hatte man nämlich auf einem solchen Wagen eine Skulptur aus Koffern, Gitarrenkästen, Skiern und allerlei anderen Demonstrationsgepäckstücken errichtet, die ungelogen etwa fünf Meter in den Himmel ragte… Dem Autor dieser Zeilen blieb vor Vergnügen beim Betrachten der Mund offenstehen – und leider auch das Mobiltelefon incl. Kamera in der Tasche stecken.

Nun checkt man zum Flug ein, begibt sich durch die übliche Sicherheitsschleuse, isst im Sicherheitsbereich noch etwas (Steige nie hungrig in ein Flugzeug lautet bekanntlich das Mantra für Interkontinentalflüge!), kauft letzte Andenken für die Daheimgebliebenen und lässt so die letzten kanadischen Dollar in ihrem bevorzugten Lebensraum zurück. Die sind übrigens (zumindest die papiernen ihrer Gattung) haptisch ganz seltsam: Während man in den USA das Gefühl einer Mischung aus Altpapier und nasser Wäsche auf dem Finger bekommt, muss man beim Berühren kanadischer Geldscheine unwillkürlich an Plastik-Pokerkarten denken, die viel zu weich sind… Ein schlechter Vergleich, aber jedenfalls fühlt es sich ganz seltsam nach Plastik an. Ob das die Vorbereitungen darauf sind, Bargeld ganz ab- und dafür ausschließlich Plastikgeld einzuführen? Nun, driften wir nicht in Verschwörungsecken ab. Jetzt wird nach Hause geflogen!

15.15 Uhr

Zunächst zur Erklärung der Uhrzeit: Die Nacht im Flugzeug ist vorbei. Es ist also die Dresdener Zeitzone. – Die DRESDENER? Ja. Geduld, lieber Leser!

Der Flug von Toronto verspätete sich ein wenig (also etwa 45 Minuten). Normalerweise ist das kein Problem – der Autor dieser Zeilen erinnert sich durchaus an Flüge aus den USA nach Deutschland, die 90 min eher als erwartet in Frankfurt aufsetzten! Nun, diesmal leider nicht. Geplante Landung in FRA: 11.10 Uhr, Weiterflug nach Leipzig: 12.40 Uhr. Das ist kein Problem, selbst mit Passkontrolle und dem Weg ins nächste Terminal – denn man mag es nicht glauben, aber die Maschinen aus den USA landen natürlich im größten (internationalen) Terminal, während die von Frankfurt nach Leipzig als so ziemlich die unwesentlichsten Flüge wahrgenommen werden (und ja vermutlich auch sind) und daher im äußersten Terminal ganz hinten zu starten pflegen.

Nun aber gab es also eine Dreiviertelstunde Verspätung, und so wurde das Zeitfenster nicht nur enger, sondern war gefühlt schon zu – bis man aus der Kanada-Maschine entstiegen und zur Passkontrolle gerannt war, hatte das Boarding des Leipziger Fluges bereits begonnen! Die Frage des Grenzbeamten, ob man es eilig hätte, wird mit einem keuchenden „Ja… muss noch… Gate A60“ beantwortet, woraufhin er mitfühlend meint, das würde knapp (ach!), denn man müsse ja noch durch eine Sicherheitskontrolle. WIE BITTE? Man kommt doch gerade direkt aus einem Flugzeug, das man nur durch Übersichergehenlassen einer ebensolchen überhaupt besteigen konnte!

Also weitergerannt, und tatsächlich: Ja, da kommt eine Sicherheitskontrolle. Zum Glück ist nicht zuviel los, d.h. man wartet nicht zu lange; aber irgendwie fühlt man sich doch gleich wieder heimisch – so eine Kontrolle ist eben keine Formalie, sondern muss mit Leben gefüllt werden! Die Jacke und der Rucksack werden einer etwas gründlicheren Untersuchung unterzogen, und während das geschieht, wird man von der kontrollierenden Beamtin wieder mitleidig angesehen, als man ihre Frage wie bereits oben erneut beantwortet (…Gate A60…) Ja, das Mitgefühl war deutlich zu spüren – aber Sicherheit hatte natürlich Vorrang.

Und schließlich geschieht das Unmögliche, und man erreicht schließlich mit Hängen, Würgen, Seitenstechen und ganz ohne Atem das Gate A60. Und was passiert? Der Algorithmus war schlauer als alle anderen! Das System hatte bereits (vermutlich schon vor dem Aufsetzen) festgestellt, dass die Strecke in der Zeit nicht zu schaffen ist – und hatte die Sänger auf den nächsten Flug nach Leipzig umgebucht! Was zur Folge hatte, dass wir zwar rechtzeitig da waren – aber unsere Bordkarten nicht mehr gültig waren. Das Flugzeug war (noch) da, wir auch (schon), aber man konnte uns nicht mehr hereinlassen! Ein wirklich bitterer Moment. Der nächste Flug nach Leipzig ging 17.30 Uhr oder so, d.h. die Aussicht auf fünf Stunden sinnloses Warten vergällte den Sängern in einer Weise die Laune, dass, wäre dies ein Hörbuch, es in den USA nur noch mit Überblendungspiepen gesendet werden dürfte. Und zwar durchgängigem.

Und das im Nachhinein für den Autor dieser Zeilen Kritischste: Dass die Entscheidung des Computers nicht rückgängig gemacht werden konnte! Dass Algorithmen solche Sachen entscheiden, kann er noch nachvollziehen – aber dass es keine Möglichkeit für den Menschen am Ende der Maschine gibt, deren Entscheidung aufzuheben, weil sich die Fakten geändert haben (z.B. weil trotz aller Unwahrscheinlichkeiten die Fluggäste nun doch noch hierstehen), das hält er für eine gefährliche Entwicklung. Denn schon einen Flug nicht zu bekommen ist ausgesprochen ärgerlich, aber Algorithmen werden ja nicht nur bei Fluglinien eingesetzt, sondern sprichwörtlich überall… Man verzeihe den Restärger des Autors und den damit verbundenen Wortschwall.

Jedenfalls wurde noch eine Alternative gefunden, die zwar auch nicht richtig gut, aber jedenfalls besser war als der spätere Flug nach Leipzig: Man fliegt uns nach Dresden (in 25 Minuten! Das lässt der Algorithmus also zu…), von wo man ein Mietauto nimmt und nach Leipzig düst. Die Koffer werden irgendwann nach Leipzig und dann per Taxi zu den Besitzern nachgeliefert.

Und so steht man nun in Dresden und sorgt gleichzeitig für ein Mietauto und die Lieferung der Koffer.

17 Uhr

Endlich daheim!

Und so nimmt eine lange Reise ein etwas unglückliches Ende – was allerdings nicht über eine insgesamt sehr schöne und erlebnisreiche Tour hinwegtäuschen sollte! Manchmal braucht man zum Verarbeiten solcher Ereignisse eben noch eine Nacht. Am Ende sind jedenfalls alle gut gelandet, und auch der Jetlag ist überwunden. (Der Rekord liegt ensembleweit bei 17 Stunden Schlaf. Wer bietet mehr?)

PS.

Richtig wohlig-heimelig wird es dem Autor, als er daheim seine Post öffnet. Darunter findet sich ein Brief seiner Bank; und in diesem wieder ein wunderschönes Beispiel für Algorithmen! (Der Leser verzeihe die Schwärzungen – wie gesagt, es handelt sich um einen Brief einer Bank…)

151216_sparkasse

Willkommen daheim!

Kanada, 12.12.2015

10.27 Uhr

Schade ist es, dass hier in High River nicht viel Zeit bleibt, sich den Ort oder die Gegend anzuschauen. Denn schön scheint sie ja zu sein! Allerdings ist es auch wirklich knackig kalt, das erstemal auf der Reise… Nun, es ist dem Ensemble nicht vergönnt, denn bereits 12.30 Uhr wird es weitergehen – ein Kurzkonzert in einer Bibliothek steht an.

Es hat allerdings noch einen anderen Grund, warum man etwas skeptisch ist, längere Spaziergänge zu unternehmen. Manche Information braucht noch etwas, um verarbeitet zu werden, zum Beispiel eine Nacht. Was wurde da gestern abend beim Essen noch erzählt? Ach ja. Man berichtete davon, dass man eigentlich immer Bärenspray mit sich führe! Denn zwei Tierarten begegne man immer mal wieder, durchaus auch in der Stadt: Bären und Pumas. Und gegen Bären hilft eben das erwähnte Spray! – Es stellte sich freilich dann die Frage, was denn gegen die Pumas hilft. Die Antwort allerdings würde, wie es seit neuerem heißt, die Bevölkerung verunsichern: Nichts. Pumas schleichen sich von hinten an – man sieht sie vor dem Angriff nicht, daher lohnt sich kein Spray oder irgendeine andere chemische oder mechanische Keule.

Die Frage nach bisherigen Opferzahlen wurde betretenerweise nicht gestellt.

16.13 Uhr

Vom Hotel führte es die Gruppe, wie erwähnt, zu einer Bibliothek. Das dortige Kurzkonzert war eines der besten Beispiele für ein Benefizkonzert, das sich denken lässt! Die Bibliothek nämlich wurde bei dem bereits erwähnten Hochwasser empfindlich getroffen, und neben dem Gebäude nahm natürlich auch der Bücherbestand empfindlichen Schaden. Und erst vor einem Monat wurde sie wieder eröffnet!

Und nun lockte man also die High Riverer (das ist fast so schlimm wie die Des Moiner) in ein Konzert mit freiem Eintritt – und mit der dringenden Bitte, statt eines Eintrittes Geld für neue Bücher dazulassen. Und das schien wohl auch zu funktionieren – jedenfalls kamen überraschend viele Leser bzw. Spender! Calmus fand es jedenfalls eine hervorragende Idee… Und wann singt man schon in einer Bibliothek? Wann zieht man singend ein, und zwar durch Bücherregale? Eben. Ein ausgesprochen schönes und auch erfüllendes Erlebnis.

Beim Gang über den Bibliotheksparkplatz stellt man dann noch fest, welche Folgen bittere Kälte für den Autobau hat. Es kommt ja hin und wieder vor, dass ein Auto witterungsbedingt auf Starthilfe angewiesen ist! Und in einer Gegend, in der es zwar auch mal warm wird, vorwiegend aber kalt ist (und wie gesagt: normalerweise ist -30° C keine Seltenheit!), dort wird dies wohl umso häufiger nötig sein. Aber wer möchte schon eine so kalte Kofferraumklappe öffnen? Nein, das muss anders gehen. Geht es auch – man nehme eine Steckdose! Die folgende Konstruktion fand sich an so gut wie jedem Fahrzeug…

image

Und nun sitzt man auf dem Flughafen Calgary. Das ist derjenige, auf dem man bereits ins Land eingereist war; damals traute sich der Autor dieser Zeilen eine geradezu investige Fotografie der erwähnten älteren Damen mit lustigem Hut nicht zu. Heute aber schon! Hier sind sie:

image

Lustig ist freilich auch, wie man hier die Flughäfen gestaltet. Es sind eben nicht nur triste Reiseorte, sondern öffentliche Plätze, auf denen Spaß durchaus gestattet ist! Jedenfalls scheint man hier in Kanada diese Einstellung zu hegen. Von dem mit skurrilen Ballett-Gegenständen verzierten Gepäckband war hier bereits die Rede; am Abfluggate ist aber auch für Kinder gesorgt!

image

Und nun geht es auf einen fast vierstündigen Flug nach Toronto, bei dem wieder zwei Zeitzonen übersprungen werden, diesmal aber bereits in Richtung Heimat. Unglaublich, wie groß dieses Land ist!

0.26 Uhr

Angekommen im Hotel in Toronto. Morgen stehen noch zwei (!) Konzerte an, und dann wartet der Rückflug in die Heimat…