Haarsträubende Mathematik und ganz Persönliches

Der Autor dieser Zeilen kann’s nicht lassen: Bevor er Ihnen, werter Leser, etwas sozusagen in eigener Sache erzählen möchte, muss er einfach noch diese Schnappschüsse loswerden! Es geht auch ganz schnell – da hätten wir zunächst einen neuen Frisör:

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Dann gab es da eine vorbildliche Speisekarte in Niedersachsen – als Sachse ist man ja an halbe Liter Pils gewöhnt, und dann gibt es in der Fremde oft nur 0.4 Liter! (Oder noch schlimmer: Pils in 0.4-Portionierung, das Weißbier hingegen in der bequemen Halblitergröße; aber an Weißbier konnte sich der Autor dieser Zeilen noch nie gewöhnen…) Wie dem auch sei: In der erwähnten Speisekarte fanden sich drei Biersorten, und was die Portionierung betraf, war wirklich für jeden etwas dabei…

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Außerdem gab es am selben Ort ein lustiges Relikt einer Heizung ohne Körper.

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Und schließlich und endlich noch ein wahrhaft bitteres Zeugnis der niedergehenden Kultur; ein gruselig-schönes Beispiel dafür, dass man im Mathematikunterricht heutzutage zwar noch Techniken und „Rezepte“ beigebracht bekommt, aber die Bedeutung der Symbole und dessen, was man da eigentlich tut, verschwiegen wird. Der Verfasser des folgenden Schildes kann durchaus mit den Grundrechenarten umgehen! Aber er hat eben einen schwerwiegenden Denkfehler…

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* * *

Und damit kommt der Autor zu einem der wenigen Male von echter Ernsthaftigkeit an dieser Stelle. Denn: Für ihn persönlich wird sich etwas ändern, und damit auch für Sie, lieber Leser! Nach inzwischen 18 Jahren wird für ihn nämlich die Calmus-Zeit enden.

Freilich, es hat noch etwas Zeit – momentan läuft gerade die Suche nach seinem Nachfolger, und so etwas dauert ja ein wenig. Wann genau sein letztes Konzert stattfinden wird, wird hier rechtzeitig angekündigt. (Vermutlich am Ende der Konzertsaison, irgendwann nächstes Jahr im Sommer.)

Warum nur?, fragt sich freilich nun mancher Leser… Nun, es gibt mehrere Gründe: Zum einen wird nicht mal der Autor dieser Zeilen mehr jünger, eher im Gegenteil. Und so sehr die Konzerte auch Spaß machen – die damit einhergehenden Reisen tun das für ihn immer weniger. Er sehnt sich, um ehrlich zu sein, ein wenig nach Seßhaftigkeit!

Und dann gibt es da ja noch eine andere Leidenschaft, wie der eine oder andere Leser immer mal bemerkt haben dürfte: den Hang des Autors, Dinge durch die digitale Brille zu betrachten. Und diese Brille wird er im nächsten Lebensabschnitt sehr viel häufiger aufhaben als bisher… Es ruft nach so vielen Jahren noch einmal eine neue und ganz andere Herausforderung.

Calmus wird ihm nichtsdestotrotz, wenn es soweit ist, fehlen! All die vielen schönen Konzerte, die vielen Menschen, die man dabei trifft, das Level an Selbstverwirklichung, das man erreichen kann – mit Calmus zu singen ist schon etwas sehr Besonderes, und etwas, was ihn mit großem Stolz erfüllt… Er wird es vermissen und trotzdem mit Freude an den nächsten Abschnitt seines Lebens denken.

(Und auf eines freut er sich besonders, das muss er zugeben! Ein Privileg, dass Sie, lieber Leser, ihm bisher weit voraus hatten: Er wird irgendwann auch endlich einmal live einem Calmus-Konzert lauschen und zusehen können!)

Noch ist es ja kein Abschied, sondern nur eine Ankündigung. Hier und jetzt soll der Leser einfach nur mit offenen Karten beworfen werden… Daher: kein Grund, in Trauer zu verfallen.

Auf eine schöne Konzertsaison! Viele Grüße – Ihr

Skarabaeus Stein

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USA 2: Hipsterkaffee und aufsässige Frauen

Und schon neigt sich die Reise dem Ende – zumindest ist jenes am Horizonte sichtbar. Nach dem Besuch des Yellowstone Nationalparks hielt man Kurs auf Sheridan, und anschließend ging es hierher:

Was das ist? Wir befinden uns in San Francisco! Und dies ist das einzige Foto der Golden Gate Bridge, das dem Autor dieser Zeilen gelang… Mit digitalforensischen Methoden und der Erwartungshaltung, sie zu finden, kann sie der geneigte Leser nun am Horizonte suchen.

Aber abgesehen von gleißend blendender Sonne gegen 19 Uhr ist San Francisco eine tolle Stadt – bekannt sind neben der Brücke und den Cable Cars – achja, auch die bekam der Autor vor die Linse:

Also: Neben der Brücke und den Cable Cars ist da noch diese berühmte gewundene Straße – wo wir dabei sind: Hier ist sie!

Jetzt aber endlich. Also: Neben der Brücke und den Cable Cars und der berühmten gewundenen Straße ist San Francisco noch bekannt für eine recht liberale politische Haltung im Allgemeinen und Besonderen. Hier ist seit einiger Zeit ja Marihuana erlaubt, und das riecht man. Morgens, abends, hier und dort: Überall liegt dieser Duft in der Stadt! Freilich ging dieser Prozess nicht von heute auf morgen, und so richtig abgeschlossen scheint die Diskussion um die Freigabe auch noch nicht zu sein. Auf dem Gelände der Universität wurde das Ensemble Zeuge einer politischen, ähm, sagen wir: Willensbekundung: Zwei Herren, definitiv dem Studentenalter entwachsen, tauchten plötzlich vor der Mensa auf. Einer stellte sich auf ein Podest und redete; was genau, kann hier leider nicht dokumentiert werden, denn er war draußen, der Verfasser aber drin. Sein Begleiter aber hatte ein Schild mit, auf dem die vermutlich wesentlichen Thesen des Gesagten zusammengefasst waren. Und das – ja, das konnte auch von drinnen festgehalten werden!

Die wesentliche These war auf der Vorderseite zu lesen: „Das Blut Jesu wäscht dich von deinen Sünden rein“. Und hier auf der Rückseite nun sind Beipiele für Sünder vermerkt, wie sie sich den beiden Herren darstellen. Kleine Vokabelhilfe gefällig? Auch der Verfasser dieser Zeilen  musste erst nachschlagen, dass lewd women anzügliche, unzüchtige oder lüsterne Frauen sind, sports nuts quasi übermäßig sportbegeisterte Menschen, und bei den rebellious women befürchtete er leider zurecht, dass es sich wirklich um rebellische, aufmüpfige oder aufsässige Frauen handelt. – Dass die Diskussion aber tatsächlich in Gang kam, kann man auf dem Bild nicht ganz so recht sehen, man muss es jetzt einfach glauben; erstaunlich, denn solche Leute kennt man ja auch aus deutschen Fußgängerzonen, dort sieht man sie aber deswegen immer so leicht, weil alle anderen einen Bogen um sie machen. Hier wurde tatsächlich lautstark diskutiert! – Und wo ist jetzt der Bezug zu Marihuana? Ganz unten links auf dem Schild. Auch pot smoking little devils, also Gras rauchende kleine Teufel, auch die sind Sünder.

Aber es gibt auch deutsche Einflüsse in San Francisco – etwas überraschende zumal!

Eine Kette dieses etwas bemüht lustigen Namens fand der Autor bereits in seiner eigenen Heimatstadt. Dass sich ein Geschäft dieses Namens nun aber auch in San Francisco auftut, erstaunt – denn versteht man denn in den USA diesen Wortwitz? Ist das Wort Bürgermeister vielleicht so etwas wie Kindergarten, Sauerkraut, Autobahn, Blitzkrieg oder Bremsstrahlung? All diese Worte sind ja in den amerikanischen Wortschatz übergegangen (gut, das letztgenannte vielleicht weniger in die Alltags- als in die Fachsprache, aber immerhin). Das wäre immerhin eine Erklärung.

Nach San Francisco ging es nach Lacey im Staate Washington. Hier war Calmus bereits vor etlichen Jahren; aber seitdem hat sich viel getan. Man schläft dort in einem Gästehaus des ansässigen Klosters, das die Sänger als eher abgeschieden in Erinnerung hatten, insbesondere was den Kontakt zu den Daheimgebliebenen betraf – denn es gab nur schlechten Telefonempfang und auch kein drahtloses Netzwerk. Aber ach! Schau! Die Zeit schreitet voran und macht nicht einmal an Klostermauern halt: Denn inzwischen war das Gästehaus mit Internet ausgestattet…

Und nach nur einer Nacht verschlug es uns nach Portland (Oregon). Man hatte uns gewarnt: Portland sei eine tolle Stadt! Ein bißchen verrückt vielleicht. Jemand in San Francisco meinte: Portland, ah, die Stadt mit dem Hipster-Kaffee! (???) Alle jedenfalls waren sich einig: Portland ist ganz toll.

Nun ja, der Autor dieser Zeilen ist sich nicht ganz sicher, inwieweit er in diese einhellige Begeisterung mit einstimmen möchte. Sicher, die Stadt war nett, und sicher: ein bißchen verrückt war sie auch. Am Hoteleingang wird man in den USA ja gern mit Cookies verwöhnt, die man sich da einfach nimmt; in Portland stand an gleicher Stelle Bier. Auf die Frage, ob man da vielleicht eines haben könnte, wurde von Seiten des Hotelpersonals amüsiert geantwortet: Sicher, klar – das ist bei uns wie sonst mit den Cookies, wir sind doch hier in Portland! Es wird den Leser nicht verwundern, dass man nun von Seiten des Ensembles verwundert war; allerdings war es eher eine Art amüsierte Verwunderung.

Was gab es in Portland noch? Brücken, Straßen und Eis.

Durch die Stadt fließt ein Fluss, und Schifffahrt ist auch vorgesehen – also müssen die Straßen weichen. Ob das allerdings tatsächlich immer noch gilt, kann hier nicht gesagt werden; zwar gab es jede Menge Hub- und Drehbrücken, aber in Aktion wurde keine gesichtet. Und es lagen auch Schiffe am Fluss, aber das größte, das wir sahen, welches Brückenverlagerung wirklich benötigt hätte, das war zum Museum umgebaut und fest vertäut bis ans Ende seiner Tage.

Die Straßen seien hier nur deshalb erwähnt, weil bekanntlich der hier Schreibende ein Faible für Kabelsalat hat, vor allem, wenn sich der Salat oberhalb befindet und die Kabel wichtig sind, also zum Beispiel den Strom zum Haushalt führen. Nun, es gibt Fälle, da verhält es sich mit Straßen nicht wirklich wesentlich anders: Wichtig sind sie ohne Zweifel, und manchmal befinden sie sich auch weiter oben, zum Beispiel, wenn sie auf Brücken führen. Wenn sie darüber hinaus auch noch salatartige Züge annehmen, dann – ja, dann kann man auch ein Foto versuchen. Leider erlebt man solcherlei Straßenwahnsinn immer nur schnell während der Vorbeifahrt, daher muss man den Fotos gegenüber im Geiste Nachsicht walten lassen…

Bleibt noch das Eis. Gemeint ist hier nicht das Wetterphänomen, sondern richtiges Speiseeis! Dieses gibt es zwar auch woanders, aber nicht so wie in Portland – Eis mit Meersalz, grünem Pfeffer und auch sonst recht untypischen Zutaten, und: leider lecker. Man steht auch etwas länger an dafür, als man das von zuhause gewohnt ist, aber so ist das mit Kultstätten; und als solche ist dieser Eisladen auf jeden Fall zu bezeichnen.

Und Eis blieb auch das beherrschende Thema; nächsten Tags wurde in einem Food Court gegessen. Wer das nicht kennt: Eine grundsätzlich großartige Erfindung; wenn man sowieso keine Zeit zum Richtig-Essen-Gehen hat, dann wird es am Ende eben irgendetwas aus dem Pool „asiatisch“, „Pizza“, „Fischbrötchen“ o.ä. – und der Food Court zeichnet sich nun dadurch aus, dass alle diese Läden am Rande einer größeren Tisch- und Stuhlfläche befinden und sich offenbar die Reinigung der Tabletts teilen. Das führt dazu, dass man in einer Gruppe gemeinsam dorthingehen kann, und dann holt sich der eine dies, der andere das. Herrlich.

Und nach dem Essen bestand zumindest beim Autor dieser Zeilen noch Bedarf nach Süßem. Da gab es doch diesen Laden mit der Schokolade! Oh, am Tresen liest man: Iced Cheesecake with Chocolate, und das sieht auf dem Bild auch übersichtlich aus – und am Stiel, das kann ja nicht so viel sein! Das nimmt man. – Schwerer Fehler.

Ein schöner Zufall der deutschen Sprache ist, dass in „Schwerer Fehler“ bereits eine Gewichtangabe enthalten ist: Schwer. Ja, schwer war der geeiste Käsekuchen, den man vorher auch im Laden noch in (leider nicht so richtig gute) Schokolade getunkt hatte – mehrfach. Und groß war er!

…und mit Größenvergleich:

…und noch ein Querschnitt:

…und schließlich ein Symbolbild des Verfassers nach dem Verzehr etwa eines Drittels.

Wenn man Volksweisheiten zum Patent anmelden könnte, dann sollte diese unbedingt Berücksichtigung finden: Käsekuchen mit Schokolade am Stiel / ist als Dessert in jedem Fall zuviel. Merken!

Und damit sind wir auch bereits in Kalamazoo (Michigan) angekommen. Die Stadt scheint ganz angenehm zu sein, die Leute sehr freundlich – nur versteht man sie etwas schlecht, da der Dialekt hier doch deutlich spürbar ist. (Man weiß nicht, welcher es ist – aber definitiv ist einer da.) Allerdings stellte es sich als schwieriger als gedacht heraus, von Portland (Oregon) nach Kalamazoo (Michigan) zu kommen, denn ist Texas war Wind. Klingt jetzt komisch, ist aber so:

Das Flugzeug, das die ganze Strecke von Chicago (wo man umsteigt) nach Kalamazoo (was etwa 25 min Flugzeit sind) fliegt, das muss ja erstmal nach Chicago hin. Und das kommt aus Houston! Es fliegt von dort nach Little Rock (Arkansas, wo Fam. Clinton herkommt) und dann weiter nach Chicago – oder eben nicht. Wenn es in Texas stürmt, darf es nicht starten. Und so entsteht dann dieses Bild:

Übersetzt: Das Flugzeug soll planmäßig 21 Uhr starten und 22.51 ankommen (und dabei noch eine Zeitzone überqueren). Neue geschätzte Flugzeit ist nun 1:35 – 3:26 Uhr nachts! Und so war es auch, die Ankunft im Hotelzimmer lag dann gegen 4.30 Uhr. Immerhin kam man aber aus einer Zeitzone drei Stunden weiter westlich, es fühlte sich also eher nach 1:30 früh an. – Leider galt das auch für das morgendliche Aufstehen, denn auch das hatte noch den Beigeschmack von drei Stunden eher…

Und nun wartet nur noch ein Konzert hier in Kalamazoo und zwei in New York auf die zeitzonengeschundenen Sänger – und schon geht es wieder heimwärts!

USA 1: Depression im Gelbsandsteingebirge

Huch – da ist schon wieder ein wenig Zeit vergangen, und schon liegt ein Stapel von Dateien auf dem Desktop, der hier ins Blog möchte. Nun denn, vielleicht erklärt sich dann auch das oben abgebildete Schild, wenn der Autor dieser Zeilen versucht, des Stapels Herr zu werden!

Zunächst aber kümmern wir uns noch nicht weiter um die Vereinigten Staaten, sondern schauen in heimatliche Gefilde. Vielleicht kann einer der Leser Aufklärung leisten! Man befindet sich in einem großen Kaufhaus, man kauft ein (oder „shoppt“, wie man heute sagt), und betritt mit einem großen Konvolut anzuprobierender Kleidung die Umkleidekabine der Herrenabteilung. Und dort erwartet einen in einer Ecke dieses Schild:

So richtig Lust auf das Einkaufen stellt sich nicht ein… Was passiert hinter dieser Tür??? Man trinkt besser erstmal ein Erholungsbier.

Prost!

Aber da man ja gerade beim Einkaufen ist, geht man auch gleich noch in den Supermarkt. Diese Märkte sind unglaublich; ist das dem Leser aufgefallen? Man bekommt alles, ja, wirklich alles! Obst, Socken, Tennisschläger, DVD-Player, Zahnpasta, Edelpilz – und manchmal gibt es dann noch Zusatzangebote von Produkten, die es nicht immer gibt, die also selbst in einem Laden, in dem es wirklich alles gibt, noch als ungewöhnlich auffallen. So Sachen, die man wahrscheinlich nur einmal im Leben kauft. In diesem Falle:

Der Autor dieser Zeilen kaufte sich allerdings keine Polizistin, auch wenn ihm dreißig Euro für eine Staatsangestellte im eigenen Besitz durchaus günstig vorkamen.

Und dann war es bereits Ende März, und schon machte sich Calmus wieder auf in die Ferne, und zwar auf eine Kreuzfahrt von China über Südkorea nach Japan. Der Autor dieser Zeilen hofft, den Leser nun nicht mit zu vielen Fotos zu langweilen – aber ein paar müssen eben doch sein. – Die Fahrt begann in Shanghai, hier ein Eindruck vom ersten Liegeplatz des Schiffes aus.

Auslandserfahrungen hat das Ensemble ja durchaus schon, aber in asiatischen Staaten kommt ein neuer Aspekt hinzu: Die (ohnehin verblassenden) Lateinkenntnisse aus der Schule nützen nichts beim Erraten dessen, was man auf der Straße liest. Man kommt sich analphabetisch vor! Glücklicherweise musste nicht Bus gefahren werden…

Bzw. es wurde schon Bus gefahren, aber kein öffentlicher. Ein Ausflug ging an das wahrscheinlich längste Bauwerk der Welt, nämlich zur Chinesischen Mauer.

Angemerkt sei noch, dass das Bus-Bild in Qingdao entstand, der Stadt, in der Tsing Tao gebraut wird. Der Leser gehe mal in ein chinesisches Restaurant und bestelle das auf der Karte befindliche „chinesische Bier“ – dann bekommt er fast sicher dieses. In der Heimatstadt des flüssigen Goldes kann man das natürlich überall kaufen, auch zum Mitnehmen! Dann bekommt man eine Plastetüte (!), in die das Bier hineingefüllt und abgewogen wird (!!), und dann kommt ein Strohhalm hinein (!!!). Prost!

Und schon ging es nach Südkorea, ein wunderschönes Land, das vor allem durch Fischmärkte beim Autor dieser Zeilen Eindruck machte. Und durch Roller an ungewöhnlichen Orten.

Man möchte ja auch einheimisch essen, und auf solchen Märkten kann man sich in der ersten Etage die Fische von unten zubereiten lassen. Die Sprachbarriere ist allerdings auf beim Koreanischen erheblich! Am liebsten hätte der durchaus experimentierfreudige Schreiberling gesagt: „Machen Sie mir irgendetwas, was Sie lecker finden!“ Aber dann sah er das…

… und vor allem das …

… und verzichtete auf diesen Plan.

Koreanisch allerdings ist eine Sprache, die man als „lernbar“ im Kopf behalten könnte, zumindest die Schrift! Denn auch wenn sie nicht so aussieht – sie besteht aus nur wenigen Buchstaben. (Um die 24.) Und die werden einfach zu Silben zusammengruppiert. Es handelt sich also nicht wirklich um solche kunstvollen und tausende Schriftzeichen wie im Chinesischen!

Und schwupps: Schon sind wir in Japan angelangt. Ein höfliches, zurückhaltendes und vor allem hilfsbereites Volk! Wo sonst sieht man in einem Kaufhaus schon dermaßen gründliche Beschilderung? Nicht nur die genaue Angabe, auf welcher Etage sich welche Art der Toilette befindet, nein – sogar ein Grundriß des Stillen Örtchens ist vorhanden!

Und das Japaner technikaffin sind, scheint mehr als ein Klischee zu sein, wenn man eben auf jenem Örtchen genauer hinschaut…

Manchmal sieht man allerdings auch etwas überraschend plötzlich heimatliche Einflüsse.

Selbst der Kabelsalat wirkt in Japan aufgeräumt!

Nur eben die Sprachbarriere. Zwar kann man in Japan im Allgemeinen Englisch, aber jeder eben doch nicht. Und dann muss man etwas wissen, ist etwas in Eile und findet endlich das Schild mit „Information“ drauf, aber: denkste.

Und schon ist der kleine asiatische Ausflug wieder vorbei. Aus deutscher Sicht ist das Ensemble am 12. April noch in der Zeitzone +7; jetzt fliegt es zurück in die Heimat (also +-0). Wäschewaschen, Ostern, und schon geht es wieder los: Neun Tage später geht es nach San Antonio (Texas) – Zeitzone -7. Innerhalb von neun Tagen insgesamt 14 Zeitzonen überbrückt: ein neuer Rekord!

San Antonio ist im übrigen ein etwas ungewöhnliches Städtchen. Dort fließt ein Fluss, und die Stadt wurde um die Jahrhundertwende (also die vorletzte) komplett umgestaltet, ein Architekt erfüllte sich damit einen persönlichen Herzenswunsch. Texanisch wirkt das ganze nicht, eher wie eine Mischung aus Mexiko und Legoland – was hier ausschließlich positiv konnotiert sein soll!

Am Fluss drängen sich Restaurants und Menschenmassen (insofern gibt es auch noch Parallelen zu Venedig), und da dort recht viele Menschen mit Vorfahren aus Deutschland wohnen, gibt es außerdem auch blau-weiß dekorierte Biergärten.

Am Tag nach dem Konzert in San Antonio ergab sich dann die in der Geschichte des Ensembles relativ seltene Möglichkeit zum Sightseeing. Man flog von San Antonio nach Bozeman. Wem das nichts sagt – das soll kein Grund zur Depression sein! Das Städtchen fungiert ausschließlich als Einfallstor zu einer wirklich einmaligen Naturschönheit; ansonsten hat es zugegebenermaßen eher wenig zu bieten. Man nächtigt dort einfach in einem Hotel und verlässt es am nächsten Morgen wieder. Depressionen überfallen einen dabei nicht.

Das Hotel aber hatte immerhin eine Besonderheit, nämlich dieses Schild.

Verwirrt steht der Autor davor und ist dann sehr glücklich, eine Übersetzungs-App auf seinem Telefon mit sich herumzutragen. „Depress button“? Ein Ausflug ins Reich der Fantasie nebst dem Wissen, dass „Drücken“ auf Englisch ja eigentlich „Press“ heißen sollte, führt ihn zu einer gewagten Theorie: Er habe den Knopf so zu verstehen, dass es sich um einen Service für den Gast handele, einen Service der Empathiesteigerung gewissermaßen! Man drücke diesen Knopf, und für fünf Sekunden fühlt man sich depressiv. Dann weiß man, wie sich diese Krankheit anfühlt. – Aber wie gesagt, er hat ja sein digitales Wörterbuch dabei, und dort liest er: „Drücken“ heißt auf Englisch a) press und b) depress. Und die Theorie stürzt ein wie ein Kartenhaus…

Am nächsten Morgen jedenfalls setzt man sich ins Auto und fährt 800 km nach Sheridan, wobei der Weg nicht zufällig genau durch jene Naturschönheit führt – nämlich den Yellowstone Nationalpark! Eine Gegend, die von einer riesigen Lavablase im Untergrund lebt, welche vor allem das Grundwasser erhitzt und so zu Geysiren und heißen Quellen führt, die ihrerseits sonst wenig verbreitete Mikroorganismen ernähren. Die Bakterien bilden Matten in allen möglichen Farben. Überdies ist die Gegend eben ein Nationalpark, und das bedeutet, dass man durchfahren darf, aber nicht stören! Fauna und Flora sind sich selbst überlassen und kommen damit wunderbar zurecht.

Insofern sei dieser Text mit einer weiteren Masse an Bildern beendet. Man genieße Yellowstone! (Oder wie es reisekollerbedingt äußerst schlecht ins Deutsche übersetzt übertragen wurde: Das Gelbsandsteingebirge…)

USA 5: Bibliotheken und ganz viel Essen

So, lieber Leser: Die letzte Station der Reise ist erreicht – Decorah. Ein 8000-Seelen-Städtchen inmitten Iowas, eines Bundesstaates, der im Wesentlichen aus Feld und Acker zu bestehen scheint. Erwähnt wurde ja an dieser Stelle bereits, dass man hierzulande auf den Straßen lange geradeausfahren kann; einen optischen Eindruck dazu gibt es hier:

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Decorah liegt im übrigen dermaßen abgelegen, dass es den Mobiltelefonen der Sänger nicht gelingt, ein Signal zu empfangen, und zwar im gesamten Städtchen nicht! Eine durchaus beeindruckende Situation, die durch das Vorhandensein von W-LAN allerdings doch erheblich abgemildert wird…

Ein kurzer Nachtrag aus Cedar Falls, dem vorherigen Konzertort, sei noch erlaubt. Es ist bemerkenswert, dass selbst in den kleinsten (bzw. zumindest: in den kleineren) Orten die Menschen bereit sind, sich für vermutlich viel Geld große Konzertsäle zu bauen! Im erwähnten Cedar Falls sah die entsprechende Halle so aus:

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Natürlich muss man solche Hallen auch in Schuss halten. Wie auch in Deutschland gibt es zu diesem Behufe Regeln, die z.B. die Mitnahme von Speisen und Getränken in den Saal regeln – aber natürlich ist jeder Konzerthallenbetreiber sein eigener Herr und kann insofern die Regeln gestalten, wie er will. In Decorah wählte man die auch in Deutschland übliche Variante:

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Man verzeihe die Unschärfe, das Foto entstand unter Zeitdruck… Aber man kennt es: Keine Speisen und Getränke im Saal, und Rauchen freilich auch nicht. Hingegen in Cedar Falls fand die folgende Regel Anwendung:

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Speisen und Getränke, die dort erworben wurden, dürfen selbstverständlich gern mit hineingenommen werden! Der Autor dieser Zeilen versäumte leider nachzuschauen, ob man z.B. auf den Ausschank von Rotwein verzichtete und nur mit Weißwein saum- und teppichschonend die Zuhörer anfeuchtete…

Hinter den Kulissen war aber auch für Getränke gesorgt. Mindestens für Kaffee, denn bekanntlich trinkt der Deutsche den am liebsten! Zumindest deutet die Auswahl der Ausschankbehälter darauf hin, dass der Veranstalter sich dieses Klischees bewusst war.

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Rechts heißes Wasser, links Kaffee. Na dann Prost!

Im Hotel in Cedar Falls sorgte man sich weniger um den Kaffeenachschub, zumindest fiel dort das (für hiesige Verhältnisse untypische) Fehlen der frei zugänglichen Kaffeebar auf. Dafür sorgte man sich um die Bildung der Gäste! Direkt beim Betreten stieß der Autor dieser Zeilen auf dieses verlockende Schild:

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Und  da er gern liest, dachte er daran, sich eines ruhigen Nachmittages dort in die Bibliothek zu setzen und zu stöbern und zu schmökern. – Doch nein, weit gefehlt! Schaute man in den verheißungsvollen Raum hinein, erblickte man dies.

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Man kann nun nicht sagen, dass es dem Raum an Flair mangelt, das nicht – aber an Büchern mangelt es ganz bestimmt, und das ist es doch, was eine Bibliothek ausmacht, oder? Solcherlei Geschichten enden ja mitunter mit einem Blick ins Wörterbuch, das dann Verblüffendes enthüllt, z.B. dass library neben Bibliothek auch Ruheraum, Kaminzimmer oder Meditationszimmer bedeuten könne – aber leider nicht diesmal. Library heißt Bibliothek, und sonst nichts. Schade!

(Genaugenommen stimmt das nicht: library heißt auch Sammlung, aber das hilft hier leider auch nicht weiter.)

Und so wurde nicht gelesen, sondern stattdessen nach Decorah gefahren. Und da der Mensch ja auch was essen muss, ging man auf die Suche nach einem Lokal. Fündig wurde man dann in einem Barbecue-Laden, also einer uramerikanischen Tradition. Wer zufällig mit „House of Cards“ vertraut ist, der erinnert sich vielleicht an das Lieblingslokal der Hauptfigur – so in etwa war es da. Der Charme war, sagen wir: urig. Und das Essen: einfach köstlich. Ungesund bis zum Mond, und unheimlich lecker. So muss es sein!

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Und nun geht es gleich zum letzten Konzert der Reise; morgen wartet dann der Rückflug. „Bis später!“ sagt der Autor dieser Zeilen also…

USA 4: Blaulicht mit Refill

Ein Tag ist vergangen, bei dem zu befürchten stand, dass nichts Wesentliches zu berichten sein würde: Eine Autofahrt von sieben Stunden und anschließend ein Workshop standen auf dem Programm. – Wobei eine Autofahrt von sieben Stunden in den USA ganz andere Fallstricke bietet als eine entsprechende in Deutschland! Man darf hier nicht so schnell fahren (allerhöchstens 75 Meilen pro Stunde, also 120 km/h; meist aber weniger), sollte aber wach sein, denn die Strecken bieten aus Sicht des Fahrenden oft wenig Abwechslung. Denn es geht geradeaus. Immer. Und das macht schläfrig.

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Die Zeitangabe von 47 Minuten bezieht sich übrigens nicht auf die Ankunft, sondern auf die nächste Aktion (also in diesem Fall: Abbiegen). An der entsprechenden Ausfahrt war auch wieder einmal Springfield ausgeschildert…

Man hat also noch fünf Stunden vor sich, in denen vermutlich nichts passieren wird – und dann kommt alles doch ganz anders, als man denkt. Zunächst aber ein Dank an die Kollegen von Basta, die uns einen Großteil der erwähnten Autofahrt versüßten! Man sitzt im Gefährt, schwatzt, lauscht und lacht. Wäre dies eine amerikanische Fernsehserie, dann würde man die Insassen des Autos von vorn sehen, und im Hintergrund würde plötzlich vielleicht ein anderes Auto mit Blaulicht auftauchen, hinter dem Ensemble herfahren, und das Ensemble würde dann rechts ranfahren usw. – nun, es ist aber keine Serie. Das Blaulicht jedoch kam trotzdem und fuhr hinter dem Ensemble her.

Spannenderweise weiß man, wenn das ganze im echten Leben passiert, nicht, was nun zu tun ist. Meint der uns? Müssen wir jetzt anhalten? Oder wie? Oder was? Man ist es eben aus heimatlichen Gefilden gewöhnt, dass der Polizeiwagen a) eine Leuchtschrift a la „Bitte folgen“ zeigt, oder b) vor einen fährt und vielleicht c) mit einer Kelle winkt. Aber man ist ja nicht daheim! Was also tun? Nun, nach einigen gefühlten Viertelstunden des Nachdenkens (und Weiterfahrens) fuhr die Polizei dann doch neben das Calmus-Fahrzeug und beendete die Unsicherheitsphase durch deutliches Winken. Rechts ranfahren!

Kein sehr gutes Gefühl; die Begegnungen mit amerikanischer Polizei haben die Sänger nicht unbedingt als freudige und wiederholenswerte Ereignisse gespeichert, wie z.B. letztes Jahr in Texas. Immerhin weiß man nun, dass das Verhalten aus den Serien richtig gewesen wäre – nämlich einfach rechts ranzufahren; und insofern geht man davon aus, dass der nächste Schritt auch so wie in den Serien ablaufen sollte: Im Wagen bleiben. Nichts tun. Ja nicht die Tür öffnen, und bloß keine hektischen Bewegungen.

Der Polizist kommt zur Beifahrertür, wünscht Führerschein und Fahrzeugpapiere zu sehen. Auch der Grund für den kleinen Zwischenstopp klingt bereits an: Wir hätten den Sicherheitsabstand zu einem vorausfahrenden LKW nicht eingehalten! Ein Teil der Papiere befinden sich leider in einem Koffer, der zu diesem Behufe hervorgekramt und geöffnet wird. Und während dieses Vorganges gelingt einem der im Wagen verbliebenen Sänger folgendes geradezu investigative Foto:

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Na gut, hier nochmal mit Blick auf’s Wesentliche.

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Mehr Beweis haben wir leider nicht für den Vorfall… Der baritonale Fahrer musste sich anschließend zum Polizisten in dessen Auto setzen, wo in aller Ruhe Papiere überprüft wurden (und unglaublicherweise der deutsche Führerschein, noch aus altem Papier beschaffen, kein Problem darstellte) und eine Verwarnung mündlich und schriftlich festgehalten wurde. Aber immerhin: Der Polizist war durchaus freundlich und weniger humorfrei als die texanischen damals.

Nachdem das Blut dann wieder vom gefrorenen in den flüssigen Zustand übergegangen war, konnte man wieder weiterfahren – die vor Angst verbrannten (Kilo!-) Kalorien wünschten aber Nachschub, und so ging man bald essen.

Das Essen hierzulande ist ja als ungesund und viel zu reichhaltig verschrien. Und auch die Anbau- bzw. Aufzuchtmethoden sind im Allgemeinen wohl eher fragwürdig; wie fragwürdig genau, erklärte auf perfide Weise die Speisekarte des Restaurants. Man sucht sich einen Burger aus, und dann liest man, wie man diesen noch optimieren kann – indem man z.B. ein anderes Fleisch als die Standardware darauflegen lässt. Nur ein Dollar mehr!

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Das Hackfleisch stammt also zu 100% von Rindern, die tatsächlich mit Gras gefüttert wurden! Und darüber hinaus enthält es keine zugesetzten Hormone und ist frei von Antibiotika. Natürlich bestellt man dies! Gleichzeitig aber fragt man sich, was genau man bisher hier gegessen hat…

Und dann ist da noch der Refill. Die schöne Sitte, dass man nicht ein Glas Getränk bestellt, sondern einfach Getränk – und wenn es alle ist, bekommt man noch eines, ohne das sich der Preis erhöht. Speziell beim Kaffee würde sich der Autor dieser Zeilen diesen Brauch auch daheim wünschen! Andererseits genügt es eben auch, wenn das neue Getränk kommt, wenn das alte alle ist. Die Kellner hier planen aber eher offensiv und gehen wahrscheinlich davon aus, dass man ja jederzeit vom Durstäquivalent des Heißhungers überfallen werden könnte, dann den halben Liter, der noch vor einem steht, austrinkt und dann trotzdem das Gefühl hat, auf dem Trockenen zu sitzen. Und das wäre natürlich der Sündenfall schlechthin! Also bringt man den Nachschub lieber etwas eher. Hier sieht man das alte und das neue Getränk des Autors direkt nach der Lieferung des letzteren.

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Dazu sei bemerkt, dass dies kein dummer Zufall war. So ist es nicht selten in diesem manchmal etwas verschwenderischen Land! Was dazu führt, dass innerhalb kürzerer Zeit der Platz auf dem Tisch rapide abnimmt, da sich die Becher beinahe stapeln…

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Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme waren die Burger noch nicht einmal gekommen… Zum Glück wurde das Ensemble vom Gläserwahnsinn doch noch erlöst, und mit dem gesunden Biofleischburger schwanden dann auch die letzten Adrenalinklumpen aus dem Kreislauf. Es ward wieder Friede (und Fülle).

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Und nun ist auch der vorletzte Workshop mit einem etwa 80 Mann starken Männerchor vorbei, und dass dieser Eintrag so viel später als sonst erscheint, ist der Tatsache geschuldet, dass der Autor zum Feierabend selig in die Kissen sank und erst am nächsten Morgen die Tastatur aufklappte. Erstaunlich, wieviel man erleben kann, bei nur sieben Stunden Fahrt und einem Workshop!

Nachtrag: Mehrere Leser hatten eine Anmerkung zum Flughafen Düsseldorf und dem dortigen Seelsorge-Ding:

170129_seelsorge1Unabhängig äußerten sie die These, es handele sich im Wesentlichen um: eine Art Armlehne! Untermauert wurde dies mit diesem und diesem Link. Ganz ehrlich: Der Autor dieser Zeilen ist sehr dankbar für die Zusendung bzw. Kommentierung – aber das soll nun die ganze Wahrheit sein? Quasi eine Theke mit rein mechanischem und keinerlei theologischem Inhalt? Ein rein praktischer und wenig formschöner Ellenbogenuntersatz? Das lässt ihn doch ratlos und auch etwas frustriert zurück. Leider hat er selbst auch keine bessere Idee…

USA 3: Klimamonster

Ein arbeitsreicher Tag geht zu Ende: einer mit Workshop und Konzert. Und da dem Autor dieser Zeilen auffiel, dass es an dieser Stelle gar nicht so oft Bilder von solchen Workshops gibt, holt er dies jetzt einfach nach. Was passiert denn da eigentlich? Calmus singt ein wenig, erzählt ein wenig, und wenn es besonders schön läuft, dann werden aus den singenden Reisenden plötzlich hörende Hinweisgeber – sprich: die anwesenden Schüler bilden einen Chor (bzw. sie sind sowieso einer), singen aus ihrem Repertoire, und Calmus kann dann bestenfalls mit Rat zur Seite stehen und vielleicht ein wenig zur Verbesserung beitragen. (Das ist übrigens in den USA gar nicht unbedingt einfach, denn auch die Schulchöre sind hier oft ausgesprochen gut!) Und manchmal übernimmt Calmus auch das Einsingen des Chores. So sieht das dann aus:

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Und schließlich ist das Einsingen vorbei, und es wird an Werken von Palestrina gearbeitet.

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Und schon ist die kleine Fotogalerie schon wieder vorbei – schließlich kann ja nicht nur fotografiert werden, sondern es möchte sich auch um die Schüler gekümmert werden.

Anschließend nach kurzem Zwischenstopp im Hotel dann in die Kirche. Dort begegnet dem Autor dieser Zeilen ein Schild am Thermostaten der Garderobe, das ihm zu denken gibt. Ist das eine böse Vorahnung? In den USA sind Klimaanlagen ja auch in den kleinsten Kammern üblich; große Kirchen kommen ohne schon gar nicht aus. Das werden ja, so denkt man, ausgeklügelte Anlagen sein, befähigt, jeden Raum nach Gusto der Insassen Bewohner Raumnutzer zu wärmen oder zu kühlen! Und eine Kirche hat ja nicht nur den einen Kirchenraum, sondern ganz viele Aufenthalts-, Musik-, Gebets-, Teeküchen-, Gemeinde- und Büroräume obendrein. Was also soll man davon halten?

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„Bitte stellen Sie das Thermostat nicht unter 70° F (=21°C). Das Klimaanlagensystem in diesem Gebäude arbeitet etwas anders, und eine Einstellung unter 70°F führt zu Problemen in anderen Räumen.“

Ah ja. Was genau bedeutet denn „Es arbeitet anders“? Nun, man legt die Jacke ab und betritt mit den Noten das Kirchenschiff, um in Ruhe die Probe zu beginnen. In Ruhe? Nein, ganz und gar nicht! Was der Autor zunächst für einen parkenden LKW mit laufendem Motor hält, entpuppt sich als die laufende Klimaanlage. Ein wirklich tosender Lärm aus einem monströs großen Gebläseapparat! – Also versucht man die ersten Töne und stellt schnell fest: Für das Konzert muss das Ding auf jeden Fall aus (das war schon vorher klar), aber auch zur Probe, denn Ensemblesingen (das hatte man erst vor wenigen Stunden erst den Schülern erklärt) ist zu 90% Hören, und das ist einfach nicht wirklich möglich. Mit der Bitte um Abschaltung tritt man nun an eine der zuständigen Personen heran. Die wundert sich tatsächlich ein wenig, was auf Seiten der Sänger die Frage aufkommen lässt, wie denn hier wohl die Gottesdienste ablaufen, wenn dieses Gebrüll von Frischluft jeden Segen förmlich unter sich begräbt? Nun, wie auch immer: Das Klimamonster wird also abgeschaltet.

Und dann hört man ein Rauschen. Es könnte ein Staubsauger sein! Ist es aber nicht, wie sich herausstellt, nachdem man die Tür zu den Kirchenvorräumen geschlossen hat, ohne eine Änderung zu erreichen. Das Problem: Das Rauschen hat eine genaue Tonhöhe! Man hört ein f‘: ein wenig tiefer als das der Stimmpfeife, und ein wenig lauter als die eigene Ignoranzschwelle – das heißt, man kann es nicht überhören, und beim Singen stört es daher ungemein, da das Ensemble mitunter auch in Tonarten singt, in denen dieser Ton nicht enthalten sein sollte. – Wieder also fragt man nach, ob dieser Ton vielleicht auch noch abgeschaltet werden könne. Natürlich, sie tun ihr möglichstes.

Die Probe schreitet voran, und mit ihr die Verzweiflung – man hat gewissermaßen einen externen Tinnitus. Immerhin: Alle haben den gleichen! Nach etwa 20 Minuten nervöse Nachfrage, ob sich da was machen ließe? Vielleicht auch demnächst? Ja natürlich, sie arbeiten dran, wird erklärt: Der fiese Ton sei ein Lüfter, der die Klimaanlage kühlt (!) und der auch an sei, wenn sie aus ist (!!!). Bereits vorher war den Sängern aufgefallen, dass die Angestellten auf der Suche nach dem Ausschalter eigentlich durchgängig telefonierten – offensichtlich kommt der Fall tatsächlich sonst nie vor, dass das jemanden stört…

Und dann plötzlich: Stille. Frieden. Einkehr. Balsam auf Trommelfell und Seele.

Und so wurde es am Ende tatsächlich noch ein richtig schönes Konzert.

Morgen geht es dann nach Iowa – sechs Stunden Autofahrt warten auf die Sänger. Und vermutlich keine einzige Kurve…

PS.: Der Autor dieser Zeilen ist im Übrigen stolz, vermelden zu können, dass er eine Wiederkehr des Schicksals von 2010 abwenden konnte: Trotz des gleichen Hotels im gleichen Ort wie damals wurde er zwar damals krank, nicht aber diesmal! Die Namensänderung der Unterkunft scheint also tatsächlich etwas bewirkt zu haben.

USA 2: Die Simpsons und anaphylaktische Schocks

Die ersten Tage im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten sind vergangen, das erste Konzert und der erste Workshop geschafft.

Dem eingefleischten Fan der Zeichentrickserie „The Simpsons“ wird es sicher gefallen, dass unser erstes Hotel in einem kleinen Örtchen namens Springfield gelegen war. Das Springfield? Nun, so einfach ist es nicht – einen Ort dieses Namens gibt es wohl in so ziemlich jedem Bundesstaat (und zum Teil sogar mehrfach), ganz ähnlich beispielsweise dem deutschen Neustadt. Dass die Macher der Simpsons sich für den Ortsnamen Springfield als Handlungsort entschieden, ist wohl genau so zu erklären (sie wollten sicher den amerikanischen Durchschnitt beschreiben – auch wenn der Autor dieser Zeilen kein Kritiker ist). In einer Folge der Serie erklärt eine der Protagonisten, welche Bundesstaaten an den ihren grenzen – und dabei handelt es sich sinngemäß um so etwas wie Kalifornien, Alaska, Texas und New York. Sprich: Die Lage des Simpsons-Springfield ist ganz bestimmt gänzlich unbestimmt.

Allerdings gab es wohl im Jahre 2012 eine Ausschreibung: Die verschiedenen Springfields konnten sich um die Auszeichnung „originales Simpsons-Springfield“ bewerben. Und, wurde unserem Ohio-Springfield diese Ehre denn zuteil? Nein, leider nicht. Das Sieger-Springfield liegt im Staate Vermont. – Und so logierte Calmus also in einem ganz und gar durchschnittlichen amerikanischen Örtchen.

Ohio war im übrigen der 29. Bundesstaat, den Calmus besuchte; wenn man zugrundelegt, dass dafür immerhin 18 Calmus-Jahre nötig waren, können wir guten Gewissens davon ausgehen, dass es im Jahre (1999+18*51/29=) 2030 geschafft sein wird und das Ensemble seine Füße dann in jedem Bundesstaat hat abstellen können! Nun sind Prognosen einer bekannten, aber deswegen nicht weniger wahren Platitüde gemäß besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen; aber da der Autor dieser Zeilen im Allgemeinen der Mathematik vertraut, ist er hier recht zuversichtlich.

Zuvor gab es noch Essen im Flugzeug. – Gemeint ist hier nicht der gleichnamige Sketch des großen Loriot („Ich muss die Nase meiner Ollen / an jeder Grenze neu verzollen“ – für Eingeweihte), sondern das Menü der Lufthansa auf dem Interkontinentalflug von Frankfurt nach Detroit. Es ist im Grunde ja ein running gag, dass die Auswahl eigentlich immer aus „Chicken or Pasta“ besteht; klar, eine kluge Wahl: Fleisch für den Carnivoren, Nudeln für den Vegetarier, trotzdem in jedem Fall bekömmlicher als ein Eisbein ist das Huhn, wenn man auch weiß: seine geschmackliche und taktile Nähe zu Tofu wird sicher immer wieder erstaunlich sein. Die Nudeln sind erfahrungsgemäß wirklich nur ein Tropfen auf den heißen Stein des Hungers, die Huhnmahlzeit zwar auch, aber die besteht normalerweise zumindest aus mehreren Komponenten, so dass wenigstens geschmackliche Diversität und Abwechslung gewährleistet ist. – Wie auch immer: Die Stewardess naht und fragt die Frage aller Fragen: „Chicken or Pasta?“ Eigentlich weiß man schon, was man wählt, trotzdem fragt man einfach interessehalber nach Details zu den beiden Speisevarianten. Und was hört man (nachdem man sich zuvor noch implizit auf die Umgangssprache Deutsch geeinigt hat)? „Die Pasta, das sind mit Käse gefüllte Ravioli; und das Huhn ist ein Filet auf Makkaroni mit Tomatensoße.“ – ??? – Zum Glück leidet man ja nicht an einer schwerwiegenden Nudelallergie; denn dann hätte man in jedem Falle ein Problem gehabt: wer will sich schon zwischen Hunger und anaphylaktischem Schock entscheiden müssen! Der Autor jedenfalls entschied sich (wie jedesmal) für das Huhn und wurde auch diesmal wieder in allen oben genannten Thesen bestätigt.

Zurück in die Gegenwart. Gestern das erste Konzert der Tour, das erste Calmus-Konzert in Ohio, und das erste Konzert Isabels in den USA überhaupt. Anschließend noch ein Dinner, und heute morgen (9 Uhr) ein kleiner Workshop in einem College in der Nähe Springfields. Nun ist 9 Uhr für Sänger nicht die allerbequemste Zeit, insbesondere nach kurzer Nacht. Dies wusste aber die zuständige Person im College! Und so sorgte sie für aureichend Flüssigkeitszufuhr im Aufenthaltsraum…

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Alle wurde das jedenfalls nicht… Anschließend geht es von Ohio nach Indiana, und unterwegs wird noch ein kleiner Snack zu sich genommen. Naja, was heißt schon „klein“: Für die Mahlzeit wählt man ein Restaurant einer bereits unter den Reisenden recht bekannten Kette. Es gibt eine kleine Vorspeise und dann einen Hauptgang. Und weil es ja heutzutage en vogue ist, Fotos vom Essen zu schießen, und der Autor dieser Zeilen sich solcherlei Trends freilich nicht verschließen kann, hier zunächst die Vorspeise.

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Frittierte Zwiebeln harren der Vernichtung durch fünf hungrige Mäuler – und die abgebildeten Finger sind weder Dekoration noch Serviervorschlag, sondern dienen nur dem Größenvergleich. – Anschließend dann gab es im Falle des Autors dieser Zeilen einen Burger, dessen Abbildung hier technisch bedingt nicht ganz das volle Farbspektrum der Speise wiedergibt.

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Immerhin gab es die Möglichkeit, statt eines normalen Patties (also der Hackfleisch-Burgerscheibe) für zwei Dollar aufzustocken, nämlich auf einen Grass fed patty; von dieser Möglichkeit wurde auch Gebrauch gemacht. Dadurch spart man laut Speisekarte 30 Kalorien (und wie hier deutlich gesagt werden muss: Dies meint 30 KILO-Kalorien, also immerhin 30000 Kalorien! Ein weit verbreiteter Fehler…), und außerdem könnte man sagen: Für US-amerikanische Verhältnisse ist dies bereits so ökologisch, biologisch und natürlich, wie es nur geht. Die Kuh wurde immerhin tatsächlich mit Gras gefüttert!

Andere Kollegen aßen hingegen traditionell Spare ribs, und dieses Essen ist wirklich geeignet, furchtbare Seiteneffekte zu erzielen, beispielsweise fotografische Dokumente, die niemals das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollten. So zum Beispiel dieses:

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Interessant sind auch die Öffnungszeiten des Etablissements. In Deutschland schreiben wir ja bekanntlich 10 Uhr, 11 Uhr, 12 Uhr, 13 Uhr; in den USA sagt man dazu 10 a.m., 11 a.m., 12 p.m., 1 p.m.; und beides sind schlüssige Darstellungen von Uhrzeit. Aber: Eines der beiden Systeme sollte man schon nutzen, sonst können Schilder, die Uhrzeiten zum Inhalt haben, schon auch mal zumindest verwirrend wirken!

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Nach erfolgreich absolvierter Nahrungsaufnahme schließlich zurück ins Auto und ab nach West Lafayette. Schön ist es immer, wenn man an einen Ort zurückkehrt, den man schon kennt! In diesem speziellen Falle allerdings ist der Autor dieser Zeilen mit etwas Skepsis belegt; denn als er 2010 mit dem Ensemble (und übrigens auch damals mit Elternzeitvertretung, nämlich Dorothea Wagner…) drei Tage im gleichen Hotel wie dieses Mal auch nächtigte, wurde er krank, heiser, singunfähig – die Kollegen mussten zumindest für einen Workshop damals ohne ihn auskommen. – Doch es besteht Hoffnung: Denn das Hotel ist zwar das gleiche, heißt inzwischen aber anders. Bestimmt geht also diesmal alles gut! Und wenn nicht, lieber Leser: dann erfährst du es als erster.

(PS. Nein, zuviel versprochen. Als erstes würden es freilich die Kollegen erfahren! Jetzt aber keine Eifersucht…)

USA 1: Nachschläge mit Grünkohl und Kleingedrucktem

Lange hat beim Autor dieser Zeilen die Tastatur geklemmt – nun geht sie wieder. Zeit also, manches nachzutragen, bevor es hier an das Berichten aktueller News (oder Fake News?) geht! Gerade nämlich ist das Ensemble wieder einmal in den USA aufgeschlagen, um zu sehen, wie die Stimmung hierzulande so ist (und natürlich auch, um ein paar Konzerte zu singen). Aber zunächst erstmal wird nachgereicht!

Das wichtigste zuerst: Raststätten!

  • A70: Rasthof Haßfurt (Bamberg -> Schweinfurt) 16.12.2016:
    Essen 8.0
    Ambiente 7.8

    Sauber, gutes Angebot, engagierte Angestellte. „Ach, ihr singt – und wer macht die Musik?“ Nahezu perfekte Currywurst. Silvester- und Frühstücksbuffet, also auch zum Nur-mal-so-Essengehen. Außerdem in der Außendarstellung engagiert – künstlerisches Schaffen, das Eindruck macht:
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  • A7: Ellwanger Berge West (Würzburg -> Ulm) 19.06.2016:
    Essen 6.2
    Ambiente 7.4

    Nach wie vor große Auswahl. Riesige und ausgesprochen gute Burger im Angebot!

  • A4: Hörselgau (Erfurt -> Eisenach) 20.07.2016:
    Essen 7.0
    Ambiente 6.0

    Recht teuer, langsamer Kassiervorgang. Currywurst immerhin rot, also keine Bratwurst – aber genau wie die Pommes recht lasch. Nettes Séparée zum Sitzen.

  • A5: Reinhardshain Nord (Alsfeld -> Reiskirchen) 20.08.2016:
    Essen 6.8
    Ambiente 6.8

    Schlechte Auswahl, teilweise teuer. Burger recht gut! Sehr freundliche Bedienung. Currywurst ok.

Soweit dazu. Und was war sonst noch? Nun, zum Beispiel Weihnachten. Zu diesem Fest werden ja gern Märkte mit Buden vollgestellt und dann die Bevölkerung mit aufgeheizten Alkoholika in Schwung gebracht; aber man kann dort natürlich auch etwas essen. Klar, in anderen Städten gibt es dort einfach Rost-, Thüringer oder sonst irgendeine Bratwurst; in Leipzig sieht die Sache anders aus. Jedenfalls, wenn man, wie dieser Händler, vermutlich vorher in der PR-Branche gearbeitet hat!

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Klar, wird der Leser einwenden: Hier geht es ja um eine Bock- und nicht um eine Bratwurst! Ja, sicher, aber dem Autor dieser Zeilen geht es mehr um die Verpackung als um den Inhalt…

Das gilt übrigens auch für den nächsten Fall. Familienseitig herrscht bei ihm nämlich ein gewisser Hang zu Modelleisenbahnen. Und zwar zur digitalen Variante! Den Lesern, die sich damit nicht so gut auskennen, sei gesagt, dass der Unterschied zur früheren analogen Eisenbahn der ist, dass zu den ohnehin vorhandenen Drähten, die unter dem Brett hängen und die Bahn, Lampen, Schranken, Signale usw. mit Strom versorgen – dass also zu diesen noch eine Unmenge kleinerer und größerer digitaler Bausteine hinzukommen. Kurz gesagt: Die Platte wird sich eher biegen, wenn man dies nicht bedenkt.

Diese digitalen Teile bestellt man also im Internet, und dann bekommt man sie pünktlich kurz vor Weihnachten zugeschickt. Wie sieht so etwas aus? Hier ein kleiner Eindruck:

170129_verpackung

Das, um das es eigentlich geht, ist das kleine dunkle Rechteck in der Plastetüte…

(Und schon ist es passiert: Dem Autor dieser Zeilen fällt auf, dass er schreiben wollte „Apropos Raststätten.“, die Chance aber vertan hat. Wohlan, das ignorieren wir einfach! Man denke sich einfach Klammern um die Weihnachtseinlassungen…)

Apropos Raststätten: Da geistert noch ein Bild herum, das zwar unbedingt gezeigt werden möchte, allein es fehlt an Kontext! Aufgenommen wurde es am 6. November des vergangenen Jahres, soviel steht fest – aber wo? Mit Sicherheit an einer Raststätte. Aber ein Konzert war da nicht, der Kalender des hier Schreibenden zeigt einen leeren Tag, und dass er sich zum Vergnügen an freien Tagen auf Raststätten rumtriebe, kann er nicht bestätigen, bzw. er kann nur hoffen, dass es nicht so sein möge. Nun, wer weiß – das Bild ist jedenfalls entstanden, und es zeigt die Ecke eines Tellers mit Grünkohl und Kleingedrucktem.

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Natürlich fühlen wir jetzt alle mit. Und zwar mit den armen Stendalern, die – ja, was eigentlich? Gibt es die Mahlzeit in Stendal leider nicht? (Immerhin kauft der Raststättenkoch das Gemüse immer frisch auf dem  Markt, und man weiß ja: Grünkohl wächst in Stendal einfach nicht!) Oder gilt augerechnet nur in Stendal eben nicht, dass man diese Speise nur vor Ort verzehren darf – sprich: In Stendal hätte man den Grünkohl aus der Raststätte auch mit nach Hause nehmen dürfen? Aber das wäre doch eher ein Grund zum Freuen gewesen! Nun, wer weiß – wir wollen einfach hoffen, dass es den Stendalern trotz der wie auch immer gearteten Entbehrung gut gelang, den Rest des Novembers 2016 zu überstehen. Und da es calmusseitig ja auch Verbindungen in diese schöne Glockenstadt gibt, kann der Autor dieser Zeilen auch beruhigend versichern: Wäre es anders gewesen, hätte er’s erfahren und würde dieses Wissen hier auch teilen. Also: Alles gut in Stendal.

Bleibt noch ein Bild, bei dem die Erinnerungslücken nicht gleich Kontinentengröße annehmen. Aufgenommen wurde es, nein: wurden sie am 16. Januar auf dem Flughafen Düsseldorf. – So ein Flughafen ist ja wie eine kleine Stadt; es gibt Verwaltung und (besonders viel) Polizei und Gewerbe und Gaststätten, manchmal ein kleines Postamt, und oftmals auch Kirchen. Nunja, „Kirchen“ ist vielleicht zuviel gesagt, aber zumindest eine kleine Kapelle gibt es oftmals schon.

In Düsseldorf ist auch der Begriff „Kapelle“ allerdings schwer über die Lippen zu kriegen, wenn man dies entdeckt:

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Es wirkt eher wie ein Container, angelehnt an Flugzeugoptik. Aber wie funktioniert das, vielleicht wie ein Beichtstuhl? Man klettert hinein, der Seelsorger sitzt mittig, und nach dem zweiten Gast ist ausverkauft? Man weiß es nicht, und auch ein zweiter Blick (diesmal mit Kontext) bringt keine Erleuchtung:

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Hat also einer der Leser einen Hinweis, was dieses Seelsorge-Ding dort macht, wie es funktioniert, was es bezweckt? Der Autor dieser Zeilen wäre dankbar für Aufklärung!

Soweit zu den Nachträgen. Nun also sitzt man wieder in einem amerikanischen Hotel und ist gespannt auf die Stimmung in den USA! Deutschland verabschiedete sich von Calmus mit diesem hübschen Bild:

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Schauen wir mal, was es von hier Spannendes zu berichten gibt!

USA, 8.4.2016: Nussknacker, Geb Deutsch und ein Smartphone-Hack

Dieses Blog ist ja nicht gerade ein Hort technischer Details, aber von Zeit zu Zeit teilt der Autor dieser Zeilen gern seine Erfahrungen mit technischem Krimskrams. Vorher aber sei erwähnt, dass sich das Ensemble inzwischen vom Schock der Beinahe-Verhaftung wieder erholt hat und eine entspannte Weiterreise angetreten hat – von Texas ging es nach New York.

Hier gibt es zwar mancherlei zu besehen, aber andererseits war man ja inzwischen relativ häufig dort. Umso hübscher, dass die Stadt nicht müde wird, den fahrenden Sänger zu erstaunen! Der eine oder andere wagte sich nun tatsächlich auf den inzwischen fertiggestellten Freedom Tower. Die Aussicht ist umwerfend; allerdings schaffte es der unvermeidliche Touristenshop, noch mehr zu verblüffen! – Was erwartet man in einem solchen Laden? Klar. Flaschenöffner, T-Shirts, Spielkarten und Tassen mit aufgedrucktem oder ausgeformtem Freedom Tower; schlechten Kaffee für viel Geld, Kühlschrankmagnete und dergleichen mehr.

Was erwartet man nicht? Das hier! Im Touri-Shop des Freedom Towers kann man auch

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Christbaumkugeln und

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Nussknacker kaufen – und zwar im April! Und von verbürgter Stelle wurde auch angemerkt, dass es sich tatsächlich um ein recht anständig erzgebirgisch aussehendes Modell handele…

Ansonsten stromert man in dieser Stadt ja nicht nur durch die Straßen. Nein, von Zeit zu Zeit möchte oder muss man freilich auch einmal ein Haus betreten; diese banale Szene könnte man, wäre man beispielsweise Monty Python und drehte einen Sketch über, sagen wir, deutsche Eigenarten, mit einem Pförtner versehen, der durch übertriebenen Zwang zur Korrektheit und einige bürokratische Hürden den Betretungswilligen zum Wahnsinn treibt. – Oder man bleibt im Jahre 2016 und erlebt es einfach selber, nur dass der Pförtner Amerikaner und der Deutsche der Eintrittsaspirant ist!

Man betritt also das Haus. Dort sieht man hinten zwei Aufzüge, und vorn einen Tresen mit jenem Pförtner sowie dem Hinweis „Please sign in“, also etwa: Bitte anmelden. Natürlich, kein Problem.

‚Wir möchten zu X in der Y. Etage‘, sagt man freundlich.

‚Natürlich, ich muss nur die Namen aufschreiben. Wie heißen Sie? Und ich benötige die IDs.‘ (Seit jenem Erlebnis mit der texanischen Polizei hat man freilich immer seinen Reisepass dabei und übergibt ihn, sich fragend, wie lange der Prozess wohl dauern möge. Du ungeduldiger Narr, Autor dieser Zeilen, darüber jetzt schon nachzudenken!)

‚Also die Namen habe ich nicht auf meiner Liste. Zu wem wollten Sie?‘ – ‚Zu X, in der Y. Etage.‘

Ein Anruf wird getätigt, bei dem sowohl unsere als auch der Name von X falsch wiederholt wird; dennoch scheint das Telefonat eine gewisse Wirkung erzielt zu haben, denn der Mann wendet sich nun den Personaldokumenten zu. Allerdings: Solche hat er noch nie gesehen!

‚Ist das hier der Vorname?‘ – ‚Ja‘, sagt der angesprochene Autor dieser Zeilen, sich wundernd; denn a) auch in deutschen Pässen steht für unsichere Zeitgenossen auf englisch surname und given name im Pass, und b) handelt es sich um den Pass von Tobias, am Passfoto nicht undeutlich zu erkennen. Wer weiß. – ‚OK, ich muss ein Foto machen‘ sagt der Mann am Tresen und macht es – vom Autor. Nimmt sodann den nächsten Pass (es sind bereits etwa sieben Minuten um – und es handelt sich auch nicht um ein Regierungshochsicherheitsgebäude mit Scharfschützen, sondern um ein einfaches Bürohochhaus)… nimmt also sodann den nächsten Pass und fragt wieder: ‚Ist das der Vorname?‘

‚Ja‘, antwortet man ihm, ‚aber das ist der Pass desjenigen, von dem Sie soeben schon das Foto gemacht haben.‘ – ‚Oh, äh, … that doesn’t matter.

Soso, es macht also nichts, wenn Sie Leute fotografieren und dann zu Sicherheitszwecken das Foto mit anderen Identitäten verknüpfen – denkt man sich natürlich nur, während man verstohlen auf die Uhr schaut (inzwischen etwa 9 Minuten) und nach rechts, wo sich unter den Mitreisenden bereits eine merkwürdige Art nervöser Zwangsheiterkeit breit macht. Schauen wir, wohin es führt – und Protest würde den Vorgang wohl auch eher nicht beschleunigen.

Während an der Seite Passanten eine Karte an ein Lesegerät halten und einfach hineingehen (und so den Neid der Gruppe auf sich ziehen), wird nun nach und nach jeder Pass bearbeitet. Immer wieder wird gefragt, ob dies der Vorname sei, mit großer Konzentration werden (offenbar) die Namen abgetippt, und nach und nach erhält jeder ein Dokument, das nur deswegen noch nicht gerahmt in Galerien hängt, weil die Gruppe noch unterwegs ist: Ein Aufkleber, der uns als Gast ausweist. Nach fünfzehn Minuten dürfen wir den gründlichen Mann Richtung Aufzug verlassen – und müssen uns erst einmal sammeln.

Hier sei nun für die Ewigkeit festgehalten, unter welchen Namen das Ensemble zukünftig auftreten wird. (Ludwigs Etikett war fehlerfrei, hat es aber leider nicht in die Sammlung geschafft.)

Ludwig Böhme, Bariton also. Außerdem:

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Manuel Helmeke, Bass. (Soweit, so gut.)

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Sebatian Krause, Alt. Oder Tenor? Man beachte das Foto – suchen Sie sich einen aus!

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Tobias Deutsch. Ah, der singt Alt, das Foto beweist es! – Und schließlich

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Geb Poche, Sopran!

Well, that doesn’t matter, sagen wir da ganz galant. (Und da es ja heißt, man solle zwar öffentliche Daten nützen, private aber schützen, werden hier hochsensible persönliche Informationen unauffällig ausgeblendet…)

Ansonsten hielt der diesmalige Ausflug in den Big Apple keine weiteren großen Überraschungen bereit. Doch, eine: Am Flughafen La Guardia liest man dieses Blog! – Vor einiger Zeit wurde an dieser Stelle von einem Trick berichtet, wie man an manchen Flughäfen (die einen bestimmten W-LAN-Anbieter beauftragt haben; damals Chicago O’Hare, aber auch La Guardia gehört dazu) ins Internet gelangt. Nun, was soll man sagen: Der Fehler ist inzwischen leider behoben… Selber schuld, möchte man sagen. Nun, dann wendet man sich dem Teufel der Neuzeit, also seinem Smartphone, zu – das kann man ja auch ohne Internet benutzen, um zum Beispiel geistlose, aber zeitvertreibende Spiele zu spielen!

Nun begibt es sich aber, dass manche dieser Spiele insofern perfide sind, als dass sie nach einigen vergeblichen Versuchen des Bezwingens irgendwelcher Schwierigkeitsstufen den Spieler durch Warten bestrafen. Wie gemein! Man sitzt also da, und das Spiel sagt: Du darfst erst in 15 Minuten weiterspielen. – Wenn man aber viel Zeit hat, findet man für alles eine Lösung! (Neben O’Hare spornt also auch der Flughafen La Guardia gewissermaßen zu computertechnischen Höchstleistungen an…)

Das Geheimrezept sei an dieser Stelle für die Nachwelt dokumentiert: Man stelle einfach die Uhr des Smartphones um! Sinnvollerweise in die Zukunft, im obigen Fall würden 16 Minuten reichen. Dann starte man das Spiel erneut – und voilá! Schon kann man weiterspielen.

Wohl weiß der Autor dieser Zeilen, dass dieser Hack ihn nicht reich machen wird (zumal es jetzt ja jeder weiß!), noch, dass er wahrscheinlich nur die falschen Menschen glücklich machen wird. Auch werden ihn manche Eltern jetzt scheel ansehen und denken: Dieser Mensch da ist schuld daran, dass wir unser Kind nun gar nicht mehr sehen… Aber man muss es doch so sehen: Wenigstens das Kind ist glücklich. – Aber hier wird abgeschwiffen. Abgeschweift. Abgeschwoffen.

Schließlich startete man von La Guardia, und noch auf dem Rollfeld genoss man diese Aussicht:

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Was hier wenig spektakulär wirkt, sieht ganz anders aus, wenn man hineinzoomt, ziemlich genau in die Mitte.

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Wir fuhren also in gewisser Weise auf dem Parkplatz von Donald Trump umher! Dieser, vorsichtig formuliert, umstrittene Mann hat also einen nicht eben kleinen Privatjet – etwa so groß wie der, in dem der Autor zum Zeitpunkt des Fotoschießens saß.

Und wo landete unser Flugzeug? In Minnesota. Inzwischen ist man an der letzten Station der Reise angelangt – St. Cloud, ein schönes, aber etwas merkwürdiges Örtchen: Man dachte zunächst, in einem Gewerbegebiet zu sein. Gut, so etwas gibt es, auch mit Hotels, und das ist auch nicht schlimm (man wohnt ja nicht für immer da); aber heute wurde zum Zwecke des Workshopgebens an einer Schule das Hotel verlassen, und etwa fünfzehn Minuten der Autofahrt führten durch Gewerbegebiet. Quasi ununterbrochen. Das ist zumindest ungewöhnlich; denn irgendwer muss ja auch zum Einkaufen kommen! Und wo kamen die vielen Kinder an der Schule her? Aber Wohnhäuser wurden eher nicht gesichtet… Vielleicht ja morgen.

Der Vorteil aber an Gewerbegebieten: Die Versorgung ist gesichert. Der Feierabend führte das Ensemble noch in ein dem Hotel nahegelegenes Restaurant. Ausgesprochen lecker war es, und man feierte eine Happy Hour: Bis sieben kostete jedes Bier nur einen Dollar. Denn, so erklärte die Kellnerin: Heute ist National Beer Day! Nun, dann muss man diesen regionalen Gepflogenheiten natürlich nachkommen und ein erstes Bier bestellen (und die Frage im Kopf verdrängen, ob dies ein offizieller Feiertag sei oder wenigstens so etwas wie das „Jahr der Physik“ oder das „Tier des Jahres“, meinetwegen auch der „Angestellte des Monats“). – Was aber natürlich am National Beer Day unbedingt passieren musste: dass mindestens einmal jemandem ein Glas herunterfällt. Und so geschah es, nicht weit von unserem Tisch. Ein Kellner verschwand und holte – na? Einen Lappen? Einen Eimer? Nein.

Einen Hinweis!

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So wird’s gemacht. ERSTENS: UNFALLSTELLE ABSICHERN!

USA, 4.4.2016: Mikroskope, Handschellen und Nachträge

Eben noch steht man da und sinniert darüber, was die ganzen Mikroskope auf dem Wägelchen sollen, das neben einem auf die Straße gerollt wird – und kaum danach sieht man Handschellen und versucht sich krampfhaft an seine Passnummer zu erinnern. – Was ist passiert? Nun, fangen wir vorn an.

Vorn freilich bedeutet, dass es zunächst einiges nachzutragen gilt! Zunächst das Wichtigste: Es fanden sich neue Raststätten zur Bewertung. Nämlich:

  • A9 Bayreuth -> Nürnberg: Rasthof Fränkische Schweiz
    8.5.2015 (ja, diese lag versteckt und tauchte eher zufällig wieder auf…)
    E: 7.7
    A: 7.4
    Gute Auswahl, frische und sehr gute Salate. Currywurst sehr gut, nur ein wenig fetttriefend.

Und etwas ganz besonderes geschah am 6.3.2016 – man fuhr nämlich auf Hin- und Rückreise zu einem Konzert (gezwungenermaßen…) zweimal die gleiche Raststätte an! Genauer gesagt natürlich: einmal Nord, einmal Süd. Ein ausgesprochen interessanter Vergleich…

  • A28 Bremen -> Oldenburg: Hasbruch Nord
    6.3.2016
    E: 6.0
    A: 5.0
    Sehr gute Currywurst – sie wurde nämlich frittiert! Leider allerdings gemeinsam mit den Pommes, was das Gesamtergebnis etwas trübte…
  • A28 Oldenburg -> Bremen: Hasbruch Süd
    6.3.2016
    E: 8.2A: 6.8
    Ein fairer Hinweis erwartete den Besteller eines „Strammen Max(en?)“: Das habe die Bedienung, da neu, noch nie zubereitet. Sie könne „drüben“ (also Nord) anrufen, das könne aber etwas dauern; solle es vielleicht etwas anderes sein? – Ansonsten: frische Zubereitung, und (siehe oben) freundliche Bedienung!

Auch ansonsten hat der Verfasser dieser Zeilen, bevor er zu den oben erwähnten Handschellen kommt, noch ein paar nette Fundstücke zu bieten. Hier sieht der Leser beispielsweise ein Grundstück aus der Heimatstadt der Sänger. Die Bebauung ist, nunja, möglicherweise in ferner Zukunft eventuell geplant; aber eines immerhin haben sich die Eigentümer des vielleicht entstehenden Reihenhäuschens nicht nehmen lassen, bereits aufzustellen, möglicherweise um ihr zukünftiges Revier zu markieren, um sich selbst des Vorhandenseins wenigstens einer Hausnummer zu vergewissern, oder als Folge eines ganz besonders absonderlichen Humorergusses: ihren Briefkasten!

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Betreten durfte man das Grundstück hingegen nicht; der Autor schoss dieses Bild durch einen Zaun. – Betreten darf man allerdings sowieso alles mögliche nicht. Parks, Straßen, Gebäude, Baustellen, Bahnanlagen, um nur einige zu nennen. Neu hinzugekommen in dem Reigen der nichtbetretbaren Plätze ist nun allerdings, eher unerwartet:

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Na gut, sind wir mal nicht so.

Wer es allerdings spektakulär findet, ein Schaufenster zu betreten, der wird mit dem Verfasser mitfühlen können, der auf seinem Arbeitsweg (also dem Weg zur Probe) mit diesem Schauspiel konfrontiert wurde:

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Und dort, lieber Leser, musste er durch! Wer nun denkt „Man könnte ja auch irgendwie außenherum gehen“, dem sei gesagt, dass dort nirgends das Schild „Betreten verboten“ stand! Und wenn einerseits selbst offensichtliche Stellen wie Schaufenster explizit gekennzeichnet werden – sollte dann andersherum nicht an Stellen wie dieser erst recht ein solcher Hinweis auftauchen? Wie dem auch sei: der abenteuerlustige Sänger wagte – und gewann. (Will sagen: Er gewann Zeit. Oder genauer: Er verlor zumindest keine durch Umwege…)

Wer hingegen mitunter Zeit verliert, ist der Zug. (Zu den Handschellen kommen wir gleich.) Eine Fahrt führte den Verfasser nach Halle an der Saale. Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof kam er nicht umhin, das Informationsdisplay der Deutschen Bahn festzuhalten!

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Aaalso. Die aktuelle Zeit (das mag nicht sofort auffallen) ist 20.53 Uhr, die steht oben rechts. Fahrplanmäßige Ankunft des Zuges war 20.24 Uhr; eine halbe Stunde Verspätung auf einer Strecke von vielleicht 35 km ist ärgerlich, aber mit dem Auto steht man ja auch manchmal im Stau. Richtig interessant aber ist der Hinweis für die nach Borna oder Halberstadt weiterreisenden Passagiere! Denn deren Züge haben ja den Bahnhof entweder schon verlassen, dann aber ist der Hinweis „Heute vsl. knapp“ zumindest mutig, wenn nicht frech – oder aber die Züge warteten (der Autor konnte das leider nicht prüfen), dann aber wäre die Formulierung „Anschluss gewährleistet“ o.ä. wohl zielführender. Vor dem geistigen Auge erscheint ein Schaffner am Gleis nach Halberstadt, der den Zug aus Leipzig einfahren und die Türen öffnen sieht – und dann, die verzweifelten und hetzenden Passagiere in der Ferne höhnisch beobachtend, dem Zug den Abfahrtspfiff sendet. Für diese (hoffentlich völlig hypothetische!) Situation wäre der obige Hinweis sicherlich absolut gerechtfertigt!

Und dann hat der Autor dieser Zeilen, bevor er gleich die Sache mit den Handschellen und den Mikroskopen erklärt, noch eine Frage, nämlich eine, die mit Geld zu tun hat. Geld benutzt man ja, um Sachen zu kaufen. Freilich, an der Börse kann man auch Geld für Geld kaufen, oder auf Reisen tut man das quasi auch, wenn man Euro in die Landeswährung tauscht; aber innerhalb eines Landes gibt es im Grunde ja nur eine Möglichkeit, Geld für Geld zu bekommen: Wenn man in einen Laden geht und Geld wechselt. Oder? Aber wie ist dann das folgende Schild zu verstehen?

Wie kann man denn Bargeld kaufen? (Und wie kann man darüberhinaus Kaufen groß, Gratis groß, Auf groß und Gratis KAFFEE nicht zusammen- oder bindestrichverbunden schreiben? Aber das ist ein anderes Thema…)

Dem Ensemble begegnete im Übrigen bei anderer Gelegenheit eine Schalttafel, die für Sänger eines Vokalensembles recht erheiternd wirkte. Man möchte sie gern bei Konzerten auf die Bühne neben sich stellen; alle wesentlichen Funktionen sind enthalten und können dann per Knopfdruck abgerufen werden!

So. Nun aber genug von dieser Bilderschau; stand in der Überschrift nicht etwas mit den USA? Und vor allem: von Handschellen? – Calmus befindet sich momentan tatsächlich wieder einmal in den USA. Gerade als es in Deutschland begann, schön zu werden (die Rede ist hier mindestens vom Wetter), begaben wir uns nach Utah, um bereits zum zweiten Mal dem Städtchen Logan einen Besuch abzustatten. Man erklärte uns, dass hier (also dort – also: in Logan) in den letzten Tagen richtig schönes Wetter gewesen sei; nun aber schneite es. Und zwar durchaus richtig! Ein leichtes Schuldgefühl stellte sich bei uns ein.

Die Stadt liegt in einem Tal umgeben von Bergen; die Rocky Mountains zeigen sich in ihrer vollen Pracht.

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Nach einem Konzert und zwei jetlagbedingt etwas schwierigen Nächten führte die Reise sodann nach Texas. Dies ist also eine sehr kontrastreiche Tour! Unterwegs noch einmal Berge, diesmal von oben…

Auffällig ist, dass auf dieser Reise vergleichsweise häufig Sprengstoff eine Rolle spielt! Weniger durch tatsächliche Anwesenheit, aber aus irgendeinem Grunde meint man an Flughäfen Calmus gegenüber im Zweifel eher gründlich sein zu wollen. Lächelnde Beamte, die etwas von „Sprengstofftest“ murmeln und Teststreifen über Hände und Rucksack ziehen – speziell Bass und Countertenor scheinen diesmal besonders interessant für die untersuchenden Beamten zu sein. Warum? Dies würde der Verfasser dieser Zeilen zu gern mitteilen, leider aber kann er nicht – er weiß es selbst nicht.

In Texas jedenfalls führte uns die Reise nun zum Leib Christi. Ja, wirklich! Das Konzert fand in Corpus Christi statt, ein Ort von 350.000 Einwohnern, der seinen Namen erhielt, weil der Entdecker irgendwann vor hunderten von Jahren zufällig genau zu Fronleichnam in der entsprechenden Bucht landete…

So sieht es in Corpus Christi aus:

Das Hotel selbst: Erstaunlich laut. Der Grund war ein gefühlter Bienenschwarm, bestehend aus etwa 400 Teenagern, die auffällig aufgeregt in roten Jacketts durchs Hotel eilten. Man steht vor dem Hotel, und plötzlich werden Rollwagen auf die Straße geschoben, auf dem ersten drei Computer, auf dem zweiten etwa zehn Mikroskope. Dahinter wieder aufgeregte Schüler… Was soll das? Ein Angestellter, darauf angesprochen, konnte schließlich etwas Licht ins Dunkel bringen: Gerade findet ein Wettbewerb von SkillsUSA statt, einer Vereinigung, die sich der Förderung von Schülern verschrieben hat und unter anderem eben Talentwettbewerbe ausrichtet.

Nach dem Konzert wurde ein Alptraum wahr, jedenfalls einer für Kellner. Man war noch zum Essen geladen, und der Autor dieser Zeilen bestellte einen Burger. Ca. zehn Minuten später kam der Kellner und entschuldigte sich etwa tausendmal – die Burger waren alle! Nun, dies war kein Problem, und innerhalb von zehn Sekunden wurde auf das Huhn ausgewichen, eine durchaus ebenfalls leckere Alternative. – Diesmal allerdings dauerte es nur etwa 30 Sekunden, und der Kellner erschien erneut: diesmal, geradezu im Boden versinkend und nun mindestens zehntausend Entschuldigungen vorbringend, überbrachte er die Nachricht, dass auch das Huhn alle sei! Der arme Mann war definitiv nicht zu beneiden… Freilich fand sich auch noch einmal eine (diesmal auch tatsächlich verfügbare) Alternative, und lecker war sie außerdem. (Und wer sich noch an vergangene und hier berichtete Erlebnisse erinnert: Es wurde noch nicht einmal ein Ausweis der Bierbesteller verlangt! Denn so etwas möchte man ja auch nicht unbedingt den ganzen Tag mit sich herumtragen; und zum Konzert sowieso nicht…)

Eine Eigenart der USA sei an dieser Stelle wieder einmal erwähnt: der Hang, Dinge mit möglichst vielen Suoerlativen zu beschreiben. Ein Trend, der auch im Deutschen immer mehr Fuß fasst; es gibt eben keinen kleinen und großen Kaffee. Die drei Größen heißen tall, grande und venti (und zwar von klein nach groß sortiert!); niemand käme auf die Idee, die kleinste Größe als small zu bezeichnen! – Warum dieser Einwurf? Nun, weil der Autor dieser Zeilen beim Versuch, sich ins Internet des Hotels einzuwählen, die folgenden Alternativen angeboten bekam:

So muss das sein: Die kleinste Möglichkeit muss bereits „Deluxe“ heißen! (Allerdings, mit Verlaub gesagt: Sie heißt nur so. Sie ist es nicht…)

Heute dann ein kleiner Ausflug in den Süden, denn tatsächlich ist mal ein ganzer Tag frei. Man fährt also in die Richtung der mexikanischen Grenze (ohne sie freilich zu überqueren). Nach einiger Zeit tritt man die Heimfahrt an, will sagen: die Fahrt ins Hotel. Und nach einigen Meilen naht: eine Polizeikontrolle.

Dies ist ja nicht schlimm, denn man führt ja keine gefährlichen Substanzen mit sich oder ist auf der Flucht vor Gesetz oder sonstwem; und bereits von ferne sieht man auch, worum es sich handelt: Die Beamten scheinen vorwiegend mit der Suche nach Drogen beschäftigt. Nun, immerhin ist es die Route von Mexiko ins Innere der USA auf einem Highway; wen wundert es? Also brav herangefahren und die Personalausweise gezeigt.

„Was ist das?“

Ähm, naja, das sind unsere Ausweise – die Pässe haben wir im Hotel… Das sei schlecht, fahren Sie bitte da herüber und warten Sie da.

Oh. Die texanische Polizei ist nun nicht als diejenige Behörde mit dem meisten Sinn für Humor bekannt – eher im Gegenteil. Naja, sie werden die Ausweise prüfen, im Computer unser Arbeitsvisum finden und uns weiterfahren lassen.

Die Herren Böhme und Krause werden herein“gebeten“ und nehmen neben zwei anderen Wartenden Platz. Der Autor dieser Zeilen schaut sich um. Man befindet sich im Vorraum zu einem normalen Polizeibüro – halt, nein: Die Beamten sitzen an Tischen, aber vor ihnen ist ja eine Scheibe… Auf der anderen Seite derselben befinden sich Stühle und eine Art kleiner Tresen – und in diesen eingelassen: Handschellen! Und die Sänger nur einen Raum entfernt. Ein Moment, in dem der Speichelfluss kurzzeitig geflissentlich unterbleibt.

Die Personalausweise werden von den Beamten eingehend untersucht. Man macht sich auf die Suche nach den entsprechenden Einträgen „im System“ (eine Floskel, die texanischen Polizisten genauso flüssig und oft über die Lippen geht wie deutschen Beamten). Während der Suche macht man uns darauf aufmerksam, dass wir immer unseren Pass mitführen müssen! Auch wird uns ein Merkblatt zum Thema überreicht. In diesem ist zu lesen, dass man bis zu 100 Dollar bei Nichtbeachtung zahlen muss. Oh, oder/und: Auch bis zu dreißig Tagen Gefängnis sind möglich!

Der Computer hat inzwischen das Visum des Verfassers gefunden, das offenbar in Ordnung ist. Das gleiche Spiel nun mit dem nächsten Sänger. Ludwig ist der Vorname? Böhme der Nachname? Ja.

Warten… Warten…

„Ihr Visum ist seit 2014 abgelaufen.“

???

Das kann nicht sein, wir sind doch gerade erst eingereist, sind eine Gruppe, beantragen das jedes Jahr neu, ist doch gar nicht möglich, und so weiter… Doch, das System sagt es. Wir schauen erstmal bei den anderen – Pöche, Tobias:

… … …

Das Visum gilt auch nicht mehr. Seit 2014.

Inzwischen ist gefühlt der oben abgebildete Panik-Knopf tief gedrückt, zumindest bei den beiden, die drinnen in der Wache sitzen. Das kann doch nicht sein! Hätten wir jetzt nur mal unseren Pass! Plötzlich ein baritonaler Geistesblitz: Schauen Sie doch mal nach BOEHME statt nach BÖHME oder BOHME!

Nach einer längeren Erklärung über die Bedeutung von Umlauten und deren Umdeutung auf anderssprachigen als deutschen Tastaturen schauen die Beamten im System nach, und … … … tatsächlich! Es gibt jeweils noch gültige Visa.

Ein Augenblick tiefer Erleichterung. Die Beamten sehen glücklicherweise von der dreißigtägigen Zwangsunterbringung ab, glauben offenbar nicht mehr daran, dass Calmus eine größere Gefahr darstellen würde. Man lässt uns weiterfahren, weist uns noch einmal auf die Mitführungspflicht des Passes hin, wir sagen freundlich Danke und Sorry und so weiter, und fahren weiter nach Corpus Christi ins Hotel. Und stecken als erstes den Pass ein.

Also, lieber Leser: In den USA immer schön den Pass mitführen! Sonst kann der Mund schnell trocknen…