Zurück durch die Anagramm-Mühle: Ein Lebewohl

So, lieber Leser: einiges ist noch offen, bevor Skarabaeus Stein einmal durch die Anagramm-Mühle geschoben werden soll. Zunächst mal ein echtes sogenanntes First-World-Problem!

Wer kennt das nicht: Man geht des Nächtens, sagen wir so gegen halb fünf, durch die Straßen spazieren – und plötzlich überfällt einen ein akutes und drückendes Hungergefühl. Was tun? Unwahrscheinlich, dass man um diese Zeit noch ein gut gebratenes Steak mit Trüffel-Kartoffelpüree finden wird; selbst ein Bauernfrühstück dürfte schwierig werden. Aber vielleicht ja eine Imbissbude? Ja, das schon eher! Und so fällt einem dann der neue Laden um die Ecke ein – der hat doch bestimmt noch offen! – Hat er aber nicht.

So oder so ähnlich stellt sich der Autor dieser Zeilen die Geschichte vor, die zu einem Grafitti in seiner Heimatstadt geführt haben dürfte. Wieviel Schmerz und Verzweiflung liegt in diesen wenigen Worten!

Ja, als Nachtschwärmer hat man es wirklich nicht einfach… Freilich: Auf der anderen Seite könnte man auch argumentieren, dass man sich auf den kleinen Ausflug auch besser hätte vorbereiten können. Da gibt es Speisen, die wohl dafür gemacht sind, lange vorzuhalten und den Esser vor Verzweiflung wie der oben erwähnten zu schützen. Als Beispiel sei hier Pizza erwähnt. Diese italienische Leckerei hat es ja seit langer Zeit auch in die Tiefkühlregale geschafft – so dass jeglicher Verdacht auf etwaige Frische im Keim erstickt wird. Tiefkühlpizzen versuchen eher durch größere Portionen als durch Wohlgeschmack zu punkten; aber das weiß man ja, wenn man ein solches Produkt erwirbt. Spannend wird es aber, wenn die Hersteller doch einmal noch neue Ideen haben! Ein mit Käse gefüllter Rand war eine Weile en vogue, aber jetzt gibt es etwas ganz neues:

 

Ein Pizza-Rand, gefüllt mit Hotdog-Würstchen! Na dann: Guten Appetit…

Von Pizza nun zu Fußball. Ja, auch der Autor dieser Zeilen interessiert sich gelegentlich für diese Sportart, hat er doch seit einigen Jahren nun einen höherklassigen Verein in seiner Stadt. Wenn dieser Verein nun zu spielen beginnt, dann macht das Smartphone des Autors dieser Zeilen Bing, und er kann nachschauen, wie es gerade so steht. Toll, diese neue Computerwelt! Noch toller allerdings, wenn es funktioniert – vor einiger Zeit erlebte er einige Momente ungläubiger Überraschung, als er nach etwa 25 Minuten Spielzeit diesen Zwischenstand zu Gesichte bekam:

Nun, das wäre doch zu arg gewesen… Wie das Spiel nun am Ende ausging, das bekommt der Autor dieser Zeilen nicht mehr zusammen, geht aber doch stark davon aus, dass es wohl einstellig gewesen sein muss. Auf beiden Seiten.

Und schließlich liegt noch ein Frisör hier herum – der darf nicht fehlen. Zugegeben, an „Kamm In“ kommt er nicht heran – aber trotzdem ist er wunderbar kreativ!

***

Und nun, da alles abgearbeitet ist, ist es Zeit für ein Lebewohl. Die Zeit des SKARABAEUS STEIN geht zu Ende, er wird umsortiert zu AAABEEIKNRSSSTU und verwandelt sich schließlich wieder in seinen Ursprungszustand, nämlich Sebastian Krause. Und dieser dankt! Der treuen Leserschar für das Ertragen der vielen Ergüsse über die Nichtigkeiten des (Unterwegs-)Lebens, die ihm selbst unterhaltsam schienen; und für die Geduld, wenn es wieder einmal lange dauerte, bis der nächste Erguss folgte.

Und den Kollegen natürlich für die lange und spannende gemeinsame Zeit (19 Jahre – die Hälfte meines Lebens!), die vielen Erlebnisse auf Reisen, und vor allem: die schier unglaubliche Menge an gemeinsam gesungener Musik. Es hat mein Leben unglaublich bereichert!

Und wohin verschlägt es nun den Autor dieser Zeilen? Er setzt sich noch einmal auf die Schulbank und lernt – nein, nicht das Triangel zu spielen, dazu ist er zu alt. Nein, das Studium der Informatik wartet auf ihn! Fortan schlägt er sich mit Problemen herum wie: Finden Sie eine Lösung für das Spiel Solo-Halma (auch Solitaire genannt), bei der am Ende nur ein Stein übrig ist, und zwar auf dem Mittelfeld. (Eine Lösung gibt es unten; den Weg des Autors dieser Zeilen zur Lösung – also das Programm – gibt es hier.) Und auch wenn es für den einen oder anderen Leser verwunderlich erscheinen mag: Der Autor freut sich drauf.

Ich wünsche Calmus weiterhin eine spannende und erfolgreiche Zeit, wünsche Stefan viel Spaß dabei – und Ihnen, lieber Leser, natürlich auch! Und vielleicht trifft man sich irgendwann einmal bei einem Calmus-Konzert… Ich würde mich freuen!

Ihr

Skarabaeus Stein Sebastian Krause

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PS.: Und hier noch die versprochene Solitaire-Lösung.

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Zug 1 (Anfangsstellung)
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USA: Schlangen, Schneesturm & Statistik

Ach, lieber Leser, schon wieder ist soviel aufgelaufen! Nunja, es bleibt ja nichts übrig: Holen wir’s nach. Aber sei gewarnt: Heute wird’s bilderreich – und richtig lang!

Momentan ist der Autor dieser Zeilen bereits seit einer reichlichen Woche wieder in den USA befindlich – da aber die Zeit erst mit Arbeit und dann mit Fahrt reichlichst gefüllt war (dazu später mehr), kommt er erst jetzt dazu, die Bildmengen zu sichten. Leider kann er zwar vieles löschen, aber nicht alles! Es bleibt immer noch genug übrig, um den Beweis zu führen, dass dies eine recht ungewöhnliche Konzertreise ist.

Vorher aber noch der Blick ins Archiv. Eine Unsitte, die immer wieder seltsame Blüte’n treib’t, ist die Benutzung des Apostrophen an den unsinnigsten Stellen. Also: Beinahe noch harmlos ist dieses Exemplar der Gattung Apostrophus ridiculus.

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Aber dies hier ist bereits ein ausgewachsenes Exemplar – dies erkennt der fachkundige Apostrophologe daran, dass das Wesen sich bereits vermehrt hat!

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Bei diesen Tieren ist Vorsicht geboten. Abstand halten und nichts tun, was ihre Aufmerkamkeit erregt, d.h. insbesondere: Keine Apostrophen an der falschen Stelle zeigen!

Nun ist der Apostrophologe ein sehr spezialisierter Wissenschaftler; er arbeitet unter dem Dach der viel allgemeineren Orthographologie. Aber auch in diesem Fachbereich (dem Allgemeinarzt nicht unähnlich, im Gegensatz zum, sagen wir, Nephrologen) gibt es mitunter besonders abseitige und merkwürdige Phänomene zu bestaunen, bei denen auch der Laie schon erkennen kann, dass es daran wohl viel zu forschen gibt. Ist nicht das, was von der Norm abweicht, immer besonders interessant? Hier ist jedenfalls so ein Beispiel – eine Speisekarte eines Restaurants. Den Autor dieser Zeilen gruselte es! Der Fachmann würde vermutlich interessiert die Brauen heben und „Hmmm… interessant…!“ in den Bart murmeln, dem Arzt nicht unähnlich, der beinahe Freude an einem besonders bunten Ausschlag empfindet… Aber ich schweife ab. Hier das Exemplar:

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Und, nein, der Horror geht noch weiter:

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Brrr… Leider erinnert sich der Autor dieser Zeilen nicht mehr, ob das Essen (er selbst nahm eine Pizza mit scharftomatensoße und schinke, soweit er sich erinnert), ob das Essen also schmeckte. Vermutlich ja, aber leider ist das eben nicht das, was im Gedächtnis haften blieb; die Speisekarte war definitiv eindrücklicher.

Und dann gab es noch eine Reise nach Toulon in Frankreich, von der neben einer wunderschönen Kirche vor allem ein Kaffeeautomat in Erinnerung geblieben war. Es wurde nämlich im Hotel gerade renoviert; und zumindest hofft der Autor dieser Zeilen, dass es damit in Zusammenhang stand, dass die Wasserzufuhr für die Maschine, sagen wir: etwas unkonventionell angebracht ward. Nämlich so:

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Ein Blick von der Seite offenbarte dann auch, dass es sich a) wirklich um das Wasser handelte, und b) dass mit diesem Schlauch auch wirklich beide Maschinen versorgt wurden.

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Also, so direkt Vertrauen in die Infrastruktur schuf diese Konstruktion nicht.

Und nun machen wir einen Zeitsprung zum 13. März des Jahres – an dem das Ensemble sich aufmachte, wieder einmal die USA zu besuchen, und zwar diesmal vornehmlich die Westküste des Landes. Zunächst ging es nach Pasadena in Kalifornien! Wer kennt den Ort nicht? Schauplatz einer bekannten Fernsehserie („The Big Bang Theorie“ – danach ist wiederum in Pasadena auch eine winzig kleine Straße benannt…); und natürlich Heimatstadt des berühmten California Institute of Technology, von den Einheimischen, Nerds und eigentlich auch allen anderen liebevoll Caltech genannt.

Aber es gibt auch noch andere spannende Dinge in Pasadena zu bestaunen, beispielsweise eine Pizzeria, an der sich eine etwa 80 Meter lange Menschenschlange wartend aufhielt. Dieses Phänomen beobachtete man im Vorbeigehen innerhalb von etwa drei Stunden zweimal – und man fragte sich natürlich, was es dort so Tolles gäbe! – Nun, wie sich herausstellte: Pizza. Das Überraschende an dieser Antwort ist, dass sie überhaupt nicht überrascht, das ist dem Autor dieser Zeilen wohl bewusst; aber es war so. Das Spannende an der Pizza war nämlich der Preis! Und zwar kostete eine Pizza soundsoviel Dollar, jedenfalls einen Bruchteil dessen, wofür sie dort sonst unter die Leute gebracht wird; und das nur, weil es sich um den vierzehnten März handelte. Das muss der geneigte Leser jetzt einfach hinnehmen: Der 14.3. schreibt sich nach amerikanischer Datumskonvention ja 3/14; und das erinnert manche Menschen (und offenbar auch den Pizzabäcker) an PI, die Kreiszahl, die ja mit 3.14(159265354…) beginnt! Daher hat irgendwann man jemand mit besonders schrägem und trockenem Humor den 14. März zum PI-Tag ausgerufen; und wie sich dann auch am Laden zeigte, war das tatsächlich der Grund, es stand nämlich dran „PI-Day: Each Pizza only x $“. Und tatsächlich: Am folgenden Tag waren Schlange und Schild verschwunden.

Außerdem begegnete dem Autor noch dieses Verkehrszeichen, das sein Interesse weckte.

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Hm, das sieht in jedem Fall spannend aus – und die entsprechende Kreuzung hielt in puncto Interessanz (oder sagt man Interessantheit? Klingt beides merkwürdig…) locker mit!

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Alle Auto-Ampeln werden rot, und dann dürfen die Fußgänger in quasi jede beliebige Richtung gehen. Das, muss man sagen, ist wirklich eine hübsche Idee! Die konsequente Fortführung dessen allerdings wurde nicht in die Tat umgesetzt, nämlich dass, dann wenn die Fußgänger alle weg sind, ALLE Autoampeln grün werden! Ein gar zu garstiger Gedanke.

Nach Pasadena ging es nach San Luis Obispo, welches ein paar Autostunden entfernt liegt, und wo man in einem wirklich schönen Konzertsaal ein Konzert sang. Warum es dem Autor dieser Zeilen nie gelingt, schöne Fotos von Konzertsälen zu machen, ist ihm selbst nicht ganz klar… Genau genommen ist es sogar so: Obwohl es sich wirklich um eine sehr schöne Stadt handelte, fand er nun in seinem Fundus nur ein einziges Foto von der Zeit in San Luis Obispo, und das zeigt: eine Klospülung. Ja, trister geht es wirklich nicht.

Die ist auf der anderen Seite immerhin ganz interessant! Zeigt sie doch a) die Tücken der Statistik und b) eine spannende Einheit. Nein, sogar zwei! Zeigen wir sie also erst einmal her.

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Daneben muss man sich den Hebel vorstellen, der den Spülvorgang auslöst, und der nach oben oder nach unten gedrückt werden kann, je nachdem, ob ein Sparspülgang ausreicht oder nicht. Und was bedeutet hier nun „sparen“? Was immer Gpf und Lpf für Einheiten sein sollen – vermutlich geht es ja irgendwie um den Verbrauch beim Spülen. Und der liegt beim großen Spülgang 42% höher, als wenn man den ressourcenschonenden Spülgang nutzen würde (0.9 Gpf = 100% -> 1.28 Gpf = 142%). Das ist zwar schon was – aber das Piktogramm ist insofern zumindest, sagen wir: etwas irreführend; 200% mehr würde man anhand des Bildes erwarten!

Das Rätsel um Gpf und Lpf löste sich im Übrigen auch noch auf: Es handelt sich um Gallons per flush, also Gallonen pro Spülgang! Immerhin wird auf die metrischen Europäer Rücksicht genommen: Lpf ist logischerweise Liters per flush.

Und damit beginnt nun der ungewöhnliche Teil der Konzertreise. Das nächste Konzert findet nämlich erst einige Tage später statt – und so hatten sich die Reisenden entschieden, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und die Fahrt zum nächsten Ort (Jamestown im Staate New York), sagen wir: abwechlungsreich zu gestalten. Gesagt, getan! Man setzte sich ins Auto und fuhr zunächst – durch Wüste.

Nun könnte man meinen: abwechlungsreich ist anders. Wenn man sieht, was die Sänger sahen, mag das sogar zunächst stimmen! Aber andererseits: Wann ist man schon einmal in einer Wüste… In diesem speziellen Fall handelte es sich um die Mojave-Wüste, die sich von Kalifornien in Richtung Nevada erstreckt.

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Bei letzterem handelt es sich übrigens um ein Sonnenkraftwerk. Das Licht der Sonne wird von tausenden Spiegeln auf einen Ort, nämlich die Spitzen der Türme, gebündelt – womit der Begriff „Brennpunkt“ seiner wörtlichen Bedeutung wohl recht nahe kommt… In den Türmen befindet sich Wasser, das durch das Licht erhitzt wird, verdampft und schließlich Turbinen antreibt. Man braucht dafür Platz und viel Sonne; beides ist allerdings in der Wüste wahrlich reichlich vorhanden.

Hübsch war auch eine Ausfahrt, die leider zu schnell vorbei war, um sie fotografisch festzuhalten, daher muss hier das Bild aus der Wikipedia herhalten…

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(CC-BY-SA-3.0 by Vezoy)

Wenn das mal kein Ortsname ist! Eines steht fest: Um ihn im Register des Atlas zu finden, muss man nur nach ganz hinten blättern…

Und nicht weit nach dieser Abfahrt fand man sich plötzlich hier wieder.

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Erkennt es schon wer? Hier noch ein Tipp:

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Die Stadt der Statistik, der Erwartungswerte und vor allem: der Verluste, nämlich natürlich Las Vegas! Mitten in der Wüste hat man sich einen Ort voller Casinos hingebaut, der tatsächlich beeindruckend ist – nur wohnen möchte man dort wohl nicht unbedingt… Aber wenn man schonmal dort ist, schaut man es sich natürlich auch mal an!

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Blackjack wird gespielt, aber die Einsätze waren den Sängern ehrlich gesagt zu hoch. Aber es gab auch Glücksrad!

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Und das konnte man zumindest mal probieren. Hier sind die Chips, mit denen jeder der Sänger ins „Rennen“ ging:

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Klar, zehn Dollar sind nicht viel, wenn man sich im Bellagio herumtreibt. Aber der Autor dieser Zeilen kann einen gewissen Stolz nicht verhehlen, wenn er nun zeigt, was er ein paar Runden später in der Hand hielt!

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Ha! Insgesamt 23 Dollar hatte er, während die Kollegen den weit üblicheren Weg gewählt hatten, nämlich den des Pleiteganges. (Also: bezogen auf die zehn Dollar Startgeld.) Wenn er es nicht besser wüsste, würde er ja sagen: Es ist eine Frage des Könnens – ist es aber nicht. Es ist halt Glück und eine Frage der Statistik. Das Gesetz der großen Zahlen gilt auch hier: Hätte man noch eine ganze Weile weitergespielt, wären auch die 23 Dollar den Weg aller Chips gegangen, nämlich zurück zur Bank. So aber taten sie das zwar auch – aber der Autor dieser Zeilen bekam eben dafür 23 Dollar zurück, was ihm wohl etwa ein Mittagessen einbrachte…

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Das Bellagio von außen; man kennt es ja aus Filmen. Etwas überraschend hingegen, was unweit davon zu finden ist:

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Es gab auch einen Triumphbogen; woher diese Affinität von Las Vegas zu Paris stammt, dieses Rätsel kann hier mangels Vorwissen leider nicht aufgeklärt werden. Eines schaute man sich aber noch an:

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…und dann ging es zurück ins Hotel, denn man war ja noch nicht in Jamestown. Nein, vorher kommen noch drei Stationen!

Des nächsten Tages wieder heraus aus der Stadt und hinein in die Wüste. Etwas absurd ist es ja schon sich vor Augen zu halten, dass all das mitten in der Wüste liegt – wo kommt beispielsweise das ganze Wasser her, das man für die Menschen und die künstlichen Seen und die Wasserspiele braucht? Nun, dieses Rätsel nun wieder kann der Autor dieser Zeilen aufklären! Man fährt eine knappe Stunde mit dem Auto, und schon ist man da. Wo? Hier!

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Dies ist der Hoover-Damm. Einer der größten Staudämme, die je gebaut wurden; nicht so groß wie der eine in China, der vor ein paar Jahren fertig wurde und der soviel Wasser enthält, dass die Massenkonzentration für eine Unwucht in der Erddrehung sorgt und sich die Rotation der Erde dadurch minimal, aber messbar verschob – nein, so riesig nicht, aber groß genug, um sich mit der Frage auseinandersetzen zu müssen, ob man eigentlich an Höhenangst leidet. Vor allem, wenn man hinuntersieht.

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Die Antwort lautet auf jeden Fall: Auf gar keinen Fall „Nein“. Diese Höhe ließ den Autor dieser Zeilen definitiv nicht kalt.

Auch hat man extra eine Brücke über das Tal gespannt, die von unten schon recht beeindruckend anzusehen war; natürlich dachten die Sänger: wie toll muss es erst von oben aussehen! Der Damm in voller Pracht, das wird ein Foto geben! Gab es aber doch nicht – denn leider hat man beim Planen der Brücke vergessen, dass so ein Auto ja auch Beifahrer haben könnte, die dann doch ein Foto schießen wollen würden (der Fahrer natürlich nicht). Zum Schutze vorm Herunterfallen hatte man die Brücke nämlich allseits großzügig mit Mauern und Wänden ausgestattet – man konnte einfach nicht heruntersehen! Hätte man also nicht gewusst, dass man gerade über eine beeindruckende Brücke fährt mit darüberhinaus auch noch spektakulärem theoretischem Blick auf ein unglaublich beeindruckendes Bauwerk – man hätte es einfach nicht bemerkt. Schade! (Und gibt es da nicht auch Varianten aus Glas?) Daher gibt es hier nun die Brücke von unten; und man glaube dem Schreiberling: in realiter war sie viel beeindruckender als auf diesem Foto.

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Hübsch ist auch, sich vorzustellen, dass ein Staudamm ja im Grunde auch nur eine etwas größere Badewanne ist. Und wie jede Badewanne braucht auch dieser Staudamm einen Überlauf! Den fanden die Teilzeittouristen dann auch; und ein Schild belehrte sie, dass dieser Überlauf etwa soviel Wasser fasst, dass zweimal die Niagarafälle durchpassen würden. Das nennt man nun mal wirklich gigantomanisch! Hier ist das Abflussloch, sozusagen…

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Definitiv ein Loch, durch das man nicht hindurchrutschen möchte; eher so eine Art Höllenschlund. Glücklicherweise wurde es wohl nur zweimal während der gesamten Betriebsdauer des Dammes wirklich gebraucht – und der Damm wurde 1935 fertiggestellt. Man drücke die Daumen, dass es so bleibt!

Genau durch den Hoover-Damm verläuft im Übrigen die Grenze zwischen Nevada und Arizona, so dass der weitere Weg nun durch dieses Land führte. Aber was soll man sagen? Wüste war zwar nicht mehr, dazu wuchs zuviel Gesträuch; aber sonst sah man lange Zeit nicht viel. Während der folgenden vier Stunden Autofahrt aß man an einer Rest Area, die eine Tankstelle mit integriertem Subway und mexikanischem Schnellrestaurant beherbergte – und dies war das Zentrum der Zivilisation, das uns begegnete. Ansonsten: Ganz viel (wenn auch wunderschöne) Gegend, vielleicht fünf Häuser, ein paar Kühe, ein paar Pferde, spannenderweise Mobilfunkempfang – und sonst nichts. Absolut nichts.

Hübsch allerdings ein Detail auf jener Raststätte. Es gab dort extra einen Platz, auf dem man seine Haustiere (vermutlich vorwiegend Hunde) auslaufen lassen konnte!

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Nun, das allein ist noch nicht spektakulär. Der Autor dieser Zeilen aber folgte dem Pfeil zum Haustierübungsareal, und genau dort fand sich ein zweites Schild!

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„Giftige Schlangen und Insekten bewohnen dieses Gelände“. Das ist also genau das Richtige für Ihren Hund? Herzlich willkommen!

Nein, da fährt man lieber weiter und genießt das viele Nichts rundherum.

Bis man aussteigt und sich die Augen reiben muss. Plötzlich ist da – Geologie vom Allerfeinsten!

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Der Grand Canyon! Entstanden aus dem Urkontinent Rodinia vor 1.8 Milliarden Jahren, mehrfach gebrochen, unter einem Ozean begraben, wieder aufgetaucht, erneut gebrochen usw. usf., aber das soll nicht weiter interessieren. Einfach (wie die Jugend wohl heute sagt): Krass!!!

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Dem kann man sich nicht entziehen; selbst kleine Nagetierchen finden den Ausblick vermutlich spektakulär.

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Unterwegs zurück zum Auto dann noch diese kleine bzw. eher große Überraschung.

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Dem Kollegen allerdings scheint der Ausblick wohl herzlich egal zu sein…

Wieder im Auto, ging es nun nach Phoenix – denn wollte man die komplette Strecke mit dem Auto reisen, bräuchte man dann doch länger, als Zeit zur Verfügung steht. Also fliegt man einfach über Nacht. Dass man innerhalb eines Landes nun viereinhalb Stunden fliegen, umsteigen und nochmal zwei Stunden fliegen kann, ist allerdings auch recht bemerkenswert – die schiere Größe des Landes vergisst man mitunter.

Glück hat man allerdings beim Unsteigen; das nämlich findet auf dem Flughafen J. F. Kennedy in New York statt, wo es zu diesem Zeitpunkt schneit. An dieser Stelle wurde vermutlich bereits erwähnt, dass man in den USA das Wort „snow“ nicht kennt – es heißt nämlich immer „snow storm“. Und tatsächlich: Schneit es, scheint Panik auszubrechen! Das Fernsehen berichtet am Stück davon, dass der Staat New York und nun auch New Jersey den Ausnahmezustand ausgerufen hätten; dass bis zu fünf inch Schneefall erwartet werden (das sind etwa 13 cm); dass die Leute angehalten werden, nicht zur Arbeit zu gehen, es sei denn, sie arbeiten bei Krankenhaus, Feuerwehr & Co.; dass das Rathaus ab 12 geschlossen bleibt, ebenso wie die Schulen… Und währenddessen sieht man aus dem Flughafenfenster und denkt: Man hat ja als Kind immer mal im Winter die Großeltern im Erzgebirge besucht – dort schneite es auch. Mehr als hier sogar! Aber dort nannte man das einfach nur „Winter“, zog die anderen Reifen aufs Auto und fuhr halt langsamer… Eine seltsame Panik, die über das Land hereinbricht, nur weil es schneit.

Aber Glück gehabt: Das Flugzeug, das die Sänger schlussendlich fast an den Zielort der Reise brachte, hob noch ab (vermutlich als eines der letzten), und so kam man der letzten (und hier sogar bereits im Text erwähnten!) Sehenswürdigkeit so nahe wie möglich. Leider war das gar nicht so nahe wie erhofft! Man befand sich in der Nähe von Buffalo (NY), und dort fließt – genau. Der Niagara River. Und der will einfach nicht oben bleiben; der fällt!

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Leider ist dies das einzige Foto, das von diesem eigentlich so spektakulären Naturschauspiel gemacht werden konnte. Dies liegt nun nicht daran, dass es keine sonstigen fotogenen Motive gegeben hätte, nein: viel schlimmer.

Es hatte zu!

Freilich, das mag jetzt seltsam klingen. Aber genauso fühlten sich die Reisenden auch! Es gibt an diesem Wasserfall ein Restaurant, ein Kino mit kleinen Lehrfilmen über das Schauspiel, alles, was das Touristenherz begehrt, und vor allem: kleine Wanderwege, die wirklich nahe an den Niagara heranführen. Aber alles war zu und abgesperrt! Lediglich ein einziges Geschäft hatte offen, dort konnte man zwar Postkarten und Magnete und Tassen und T-Shirts erwerben, aber besseren Blick hatte man dort auch nicht im Angebot.

Es war auch keine Menschenseele da! Blickte man jedoch herüber auf die andere Seite (im Bild oben: links), sah man durchaus Trauben von Menschen herüberschauen. Und von dort blickt man ja frontal auf das Spektakel; warum also nicht einfach dort herüberfahren? Nun, die Antwort ist einfach: Dort ist Kanada. Und um ehrlich zu sein: Die Sänger waren zu diesem Zeitpunkt bereits so lange unterwegs, dass die Aussicht auf ein richtiges Bett attraktiver war, als kurz mal eben aus den USA aus- und vor allem: wieder einzureisen. Denn das kann sich erfahrungsgemäß etwas hinziehen.

Und so wählte man den bequemeren Weg direkt zum Hotel in Jamestown; und nachdem der Autor dieser Zeilen diesen Satz beendet haben wird (Ha! Wann benutzt man schon mal Futur II?), wird er stante pedes zu Bette schreiten – zuvor aber stellt er noch fest, dass es immerhin etwa 1200 Meilen waren, die mit dem Auto zurückgelegt wurden, nebst insgesamt etwa sieben Stunden Flug; dass dies mit Sicherheit die touristischste Reise der Geschichte des Ensembles sein dürfte; dass er (aber pssst, nicht weitersagen!) sogar einen Dollar-Chip aus dem Bellagio behalten hat und noch nicht genau weiß, was er damit anstellt: an die Wand hängen oder verschenken oder beim nächsten Mal wieder einsetzen und wieder dreiundzwanzig Dollar daraus machen; dass man nach etwa 32 Stunden Reise ohne Bett wirklich müde wird; dass so ein Satz wirklich ganz schön lang werden kann; und dass er deswegen mit den Worten nun ins Bett fällt:

Müde bin ich Känguru.

USA 5: Schlüsselchaos und lebende Weihnachtsbäume

Wenn man so durchs Land zieht, ist der Kopf ja gern mal ein wenig voll, und Dinge bleiben liegen. So ergeht es jedenfalls dem Autor dieser Zeilen, und daher tauchen in den Untiefen seines Gedächtnisses immer mal wieder Dinge auf, die er eigentlich hier aufschreiben wollte! So geschehen mit dem Thema Schlüssel.

In einer der letzten Herbergen (bei der es sich nicht um ein Hotel handelte, sondern um eine noch vertrauenswürdigere Institution) gab es in jedem Zimmer zwei Schlüssel. Normalerweise hat man entweder zwei identische Exemplare, oder einer schließt das Zimmer auf, der andere z.B. die Haustür. Durch puren Zufall (ein Sänger hatte sich ausgeschlossen und benötigte Hilfe zur Wiedererlangung seiner Privatsphäre) stellte sich aber heraus, dass sein Zimmer auch mit einem anderen Schlüssel geöffnet werden konnte! Hier wurde natürlich der Ergeiz der Gruppe geweckt, und man probierte nun, welcher der insgesamt neun Schlüssel (denn in einem der Zimmer war nur einer vorhanden) in welchem der Schlösser passte.

Was würde man erwarten? Nehmen wir an, wir haben also fünf Zimmer, die wir mit ISA, SEB, TOB, LUD und MAN bezeichnen; und jedes Zimmer hat Schlüssel A und (in 80% aller Fälle) B. Die Frage ist: Schließt Schlüssel X die Zimmertür von Zimmer Y? Stellte man das, was wir erwarten, tabellarisch dar, bekäme man ein solches Bild:

Zimmer ISA SEB TOB LUD MAN
Schlüssel
ISA A ja nein nein nein nein
ISA B ja nein nein nein nein
SEB A nein ja nein nein nein
SEB B nein ja nein nein nein
TOB A nein nein ja nein nein
TOB B nein nein ja nein nein
LUD A nein nein nein ja nein
MAN A nein nein nein nein ja
MAN B nein nein nein nein ja

Man sieht also, dass jeder Schlüssel, egal ob A oder B, in genau einem Zimmer passt. Falsch, passen würde! Denn wir notieren hier ja nur, was wir vernünftigerweise erwarten würden.

Nun, das Experiment wurde vollzogen, und hier ist nun die Tabelle mit den Werten aus dem echten Leben.

Zimmer ISA SEB TOB LUD MAN
Schlüssel
ISA A ja ja ja ja ja
ISA B ja nein nein nein nein
SEB A ja ja ja ja ja
SEB B nein ja nein nein nein
TOB A ja ja ja ja ja
TOB B nein nein nein nein nein
LUD A ja ja ja ja ja
MAN A ja ja ja ja ja
MAN B nein nein ja nein ja

Das muss man kurz in Ruhe anschauen und verdauen. Was bedeutet das? Nun, zunächst fällt auf, dass es ein besonderer Service des Hauses zu sein scheint, dass alle Zimmer einen Schlüssel (nämlich A) bekommen, der ALLE Zimmer aufschließt.

Mit Schlüssel B ist es schwieriger. Einer fehlt ja sowieso (LUD B). Der aus den Zimmern ISA und SEB tut, was er soll, nämlich genau dieses eine Zimmer zu schließen. Aber: TOB B schließt gar kein Zimmer, und MAN B dafür ausgleichend gleich zwei, nämlich MAN und (logischerweise) TOB!

Mit Verlaub: Man war ja unter sich, und es gab nur genau diese fünf Zimmer. Wäre es aber anders gewesen und Unbekannte wären mit dabeigewesen – nun, das hätte schon einen fahlen Beigeschmack gehabt…

Außerdem (um das Themenkarussell weiterzudrehen) fiel dem Autor dieser Zeilen auf, dass er einem Staate Unrecht tat. Er sprach von allen MI-Staaten, die auf dieser Reise besucht worden seien: MIssouri, MInnesota und MIchigan. Dabei gibt es doch noch einen weiteren, und der ist besonders populär, weil er gern in Jauchschen Quizzen den Millionenhungrigen zur orthografischen Prüfung vorgelegt wird! Auch der Verfasser selbst ist jetzt nicht ganz sicher, aber er glaubt, so wird es geschrieben: MIssissippi! Alles so doppelt, wie es nur geht… Wikipedia verrät auch noch, dass das Staatsmotto von Mississippi Virtute et armis lautet, also: Mit Tugend und Waffen. Sagen wir so: Man war auch mit den anderen drei Staaten recht zufrieden…

Einen Tag lang war man jetzt in Washington D.C., sah von ferne Kongress und Washington Memorial und White House und Pentagon, und von ganz nahem (weil dort Konzert) die Deutsche Botschaft. Ist schon irgendwie skurril: Alles spricht und schreibt deutsch, und die Sicherheitsmaßnahmen erhöhen den Aufwand kleiner Dinge substanziell, z.B. durfte man im Gebäude nicht einfach herumlaufen. Von der Bühne schnell nochmal in die Garderobe? Für so etwas braucht es hausinterne Begleitung, und insofern überlegt man sich dreimal, ob man seine Noten für die Probe jetzt beisammen hat… Aber nach dem Konzert noch Empfang. So etwas ist in den USA noch üblicher als in Deutschland – aber der hier war ganz besonders, denn: Versetze dich in die Lage der Reisenden, lieber Leser! Was fehlt? Seit Anfang Dezember besuchte man eines nicht: einen Weihnachtsmarkt! Und da kam es sehr zupass, dass der Auftrag der Deutschen Botschaft ja unter anderem sein dürfte, Besuchern deutsche Gebräuche nahezubringen. Glühwein gab es nicht, aber immerhin Spekulatius und all die anderen bekannten Süßspeisen, die man in der Heimat mit Weihnachten verbindet. Hübsch!

(Es wurde auch nachgefragt, wie dies hierher nach Washington käme, denn so richtig verbreitet ist solches Gebäck in den USA eher nicht. Die Antwort: Das kaufen wir hier entweder beim Bundeswehrshop, die das importieren – oder beim Aldi. Ja, diese Kette scheint auch zu expandieren…)

Rekordverdächtig waren außerdem noch Güterzüge. Auf dem Weg zum Flug nach Washington zählte der Autor an einer Bahnschranke immerhin 57 Wagen und fand das viel. Er irrte! Das Hotel in der Hauptstadt lag an einer Bahnstrecke, und dort konnte man also auch bestens sehen und zählen (und glücklicherweise nicht hören), was da so gefahren kam. Hier nun der Rekord: 150 Wagen!!! Die wurden von vier Lokomotiven gezogen. Böse Gedanken tauchten auf: Wenn der Lokführer den Verdacht hat, dass die berühmte rote Lampe am Ende des Zuges kaputt sein könnte, wie lange läuft er, um das zu prüfen??? Selbst wenn jeder Wagen im Schnitt nur 10 m lang wäre (was eher zuwenig sein dürfte), muss er schon 1,5 km laufen, also mindestens eine reichliche Viertelstunde – pro Richtung. Unglaublich.

Tags darauf dann wieder so ein etwas kräftezehrender Tag mit insgesamt 11 Stunden Unterwegssein, einer Flugverspätung von 90 min (zum Glück ohne Anschlussflug) und zwischendurch noch ein Konzert. So etwas schlaucht, wie man auf diesem Bild erkennen kann, wenn man ganz genau hinschaut:

171216_isa

Immerhin gab es am Flughafen noch zwei Highlights. Erstens: Die Gangway zum Flugzeug. Man kennt ja diese fahrbaren Treppen, aber was ist eigentlich mit Menschen, die schlecht Treppen steigen können? Nun, so sieht die Lösung aus!

171216_gangway

Und zweitens: Weihnachtsverzierte Menschen fanden an dieser Stelle ja bereits Erwähnung; weniger allerdings die Tatsache, dass diese Art der Verzierung wohl doch nicht an einem bestimmten Tag angebracht wird, sondern in der ganzen Adventszeit. Es sind wirklich viele Menschen, die sich mit einem Weihnachtsbaum verwechseln, hier unterwegs! – Noch weniger Erwähnung aber fand die Tatsache, dass dieses Phänomen nicht nur nicht auf einen Tag, sondern noch nicht einmal auf eine Spezies beschränkt ist.

171216_hund

Und damit ist auch der Reisekonzerttag vollendet, und das Ensemble freut sich nun auf einen freien Tag in New York…

USA 4: Firewalls und Kissenland

Und weiter zieht das Ensemble durch das Land. Nachzutragen ist noch, dass man in St. Louis in einem Kloster nächtigte, das eine der schönsten Kirchen in den USA sein eigen nennt! Akustisch verhält es sich in amerikanischen Kirchen oft so: Man sieht sie von außen und denkt sich „Ein schönes Gebäude, das klingt sicher wahnsinnig aufregend!“. Dann geht man hinein und sieht: Teppich überall. Stühle mit Stoff bezogen. Vorhänge und Wandstoffe allenthalben – und wer sich mit Akustik ein wenig auskennt, der weiß, dass die vielen Stofffasern die Eigenschaft haben, Schallwellen zu brechen. Und wenn viele davon da sind, wird der Schall eben so sehr gebrochen, dass er gar nicht mehr zurückgeworfen wird! Und dann steht man da und fragt sich, warum der Klang in der Kirche dem der eigenen Speisekammer so ungewöhnlich ähnlich ist… Nun, das liegt am Stoff. Für tolle Akustik sind glatte Wände mindestens hilfreich.

Und in St. Louis gibt es glatte Wände! Darüber hinaus sind diese auch noch in viele einzelne parabelförmige Segmente unterteilt, die eine weitere akustische Eigenschaft (nämlich die der Bündelung) haben – und was entsteht, ist ein unheimlich schöner Klang. Wohltuend! Hier ist die Kirche von außen:

171214_kirche

Und hier kann man den Klang zumindest ein wenig erahnen.

Im Kloster selbst war es ansonsten gleichzeitig karg und ausgesprochen freundlich. Karg, weil ohne Fernseher, und weil das WLAN nicht im Gästeflügel verfügbar war (man musste also wandern), was freilich nicht weiter schlimm war. Wer nun jetzt denkt: Nun, das wird doch auch mal drei Tage ohne Netz gehen, der möge freilich bedenken, dass das Netz von den Sängern nicht nur zum Langeweilebesiegen genutzt wird, sondern auch z.B. zum Blog- und Facebookschreiben – und vor allem auch zum Telefonieren mit den Daheimgebliebenen… Etwas, worauf man tatsächlich eher ungern verzichtet.

Insofern schade freilich, dass im Kloster eine recht restriktiv konfigurierte Firewall installiert war. Für die Leser, die es nicht wissen: Das ist eine Art Brand- oder Schutzmauer – ein Computerprogramm, das ein- und ausgehende Daten daraufhin prüft, ob sie heraus- oder hereindürfen. Üblicherweise ist heutzutage in Hotels zum Beispiel so gut wie keine Firewall aktiv (jedenfalls nach Erfahrung des Autors dieser Zeilen), manchmal aber werden bestimmte Ports gesperrt, was bedeutet: Man kann z.B. noch im Netz surfen, aber keine Mails verschicken, zwar skypen, aber die Facebook-App nicht benutzen usw. – oder aber (und so war es im Kloster): Surfen ja, mailen auch, aber nicht mit jeder Art von Verschlüsselung, und eigentlich quasi alles andere nicht. Und das hindert in manchen Belangen durchaus…

Aber dann geht es eben nicht, dann macht man eben andere Sachen, z.B. essen und sehr angenehm mit den Mönchen beisammensitzen – und speziell letzteres war ausgesprochen angenehm…

Des Nächtens geht man dann noch einmal dahin, wo das Netz ist, und möchte noch einmal Mails abrufen. Und das geht nicht, stattdessen bekommt man eine Fehlermeldung, die in ihrer inneren Konsequenz so wunderschön ist, dass sie dem Leser keinesfalls vorenthalten werden darf! Der zentrale Satz ist ganz subtil vom Autor markiert.

171214_klosterwlan

„Der Inhalt [also in diesem Falle: die Mails] wird während der Ruheperiode des Klosters blockiert.“ Es ist Nacht, das Netz ist jetzt aus – wunderbar!

Nach St. Louis ging es nach Tryon in North Carolina; allerdings: Dass diese Kleinstand in diesem Bundesstaat liegt, diese Information musste sich der Autor wirklich aus dem Hirn melken, denn die Staatsgrenze zu South Carolina liegt weniger als 5 km entfernt, und schon der Flughafen befand sich im Nachbarstaat, und auch drei Viertel des Autoverkehrs stammten von dort. Aber schön war es da! Man fühlte sich (so meinten die Kollegen) irgendwie wie im Harz oder in Thüringen. Alles hügelig, viel Wald und (wenn man die Häuser verließ) frische Luft. Herrlich zum Rumlaufen! Überall kleine und größere Häuschen, und auch an die Kinder ist gedacht – mitten am Straßenrand findet man schon auch einmal eine kleine Sportanlage.

171214_basketball

Und dann gibt es da noch einen Brauch in den USA, der dringend zur Nachahmung empfohlen sei! Die Rede ist von Kissen. Ja, Kissen! Und zwar von möglichst vielen Kissen, denn die stehen oder liegen hierzulande immer auf Hotelbetten, so dass man in der Lage ist, des Nächtens eine individuelle, auf die ganz persönlichen Bedürfnisse angepasste Landschaft zum Daraufbetten aufzubauen. Wer das nicht braucht, kann sie ja auch einfach neben das Bett werfen; wer aber Freund von mehr als einem Kissen ist, für den sind solche Bilder wie das folgende ein wahres Zeichen von Glückseligkeit!

171214_kissen

Herrlich! Wunderbar! So sollte es überall sein. (Übrigens: Dieses Detail wurde auch im Kloster vermisst…)

Dann ging man noch durch den Ort und erstand eine Pizza. Unterwegs stach erst ein dekorierter Briefkasten ins Auge.

171214_santamail

Und schließlich fand man selbst für den größten der Gruppe einen passenden Stuhl zum Ausruhen – denn so ein Spaziergang raubt ja auch die Kräfte…

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Na dann: Gute Erholung!

USA 3: Ganz viel Essen (mal gut, mal viel, mal pop)

Zeit für neue Berichte, von gaaanz viel Bildmaterial begleitet. Zunächst fiel dem Autor dieser Zeilen auf, dass hier in seinen Schriften ungewöhnlich oft vom Essen die Rede ist. Muss das sein? Ganz entschieden: ja, denn Zufriedenheit auf Reisen ist wichtig, und gutes Essen kann in diesem Zusammenhang dienlich – und daher auch berichtenswert sein. (Und was man unterwegs verzehrt, zählt verdauungstechnisch auch nicht in die Gesamtbilanz hinein, wie man gestern auf dem Highway lernte: „Roadtrip calories don’t count!“ war auf einer Werbetafel am Straßenrand zu lesen, allerdings als Slogan einer Süßkramverkaufskette, weswegen die Neutralität der Aussage wohl doch angezweifelt werden sollte.)

Also Essen. Die Kontraste dessen, was man auf einer Konzertreise zu sich nimmt, sind wirklich groß. Nach dem letzten Konzert wurde man in ein Fischrestaurant eingeladen, und auch wenn die Fotos von Fish’n’Chips, gegrilltem Thunfisch (HALT! Neue Rechtschreibung bitte: Tunfisch. Brrr…) u.a. farblich nicht so aussehen: Es war göttlich. Ganz großartig. Zum Hineinlegen.

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Eigentlich nicht wirklich großartig, aber dafür immerhin groß war der Ausflug des nächsten Tages. Es ging in ein Restaurant, das bereits lange bekannt war (da es sich um eine landesweite Kette handelte), ebenso wie die Tatsache, dass man dort Spare Ribs (also Rippchen mit ganz böse leckerer und kalorienreicher Soße) bekommen kann, und zwar ausreichend. Aber es gibt eben doch Unterschiede zwischen den einzelnen Restaurants der Kette, unter anderem auch in der Menge! Hier ein echtes kulinarisches Highlight, garniert mit einer Art Maßstabsangabe:

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Und das gleiche noch mit einem Dessert. Zum Bild sei noch gesagt, dass sich im Inneren der Speise, welche bereits mit Eis garniert und mit Karamelsauce übergossen, auch noch ein (geradezu über-!)flüssiger Karamelkern befand. Unglaublich süß! Man glaubt nicht, wieviel Zucker man auf möglichst kleinem Raum unterbringen kann.

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Im Übrigen hatte sich auch hierzulande das Wetter substanziell geändert – kalt ist es und teilweise verschneit. Der Beweis wird von oben geführt.

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Und auf dem gleichen Flug erspähte der Autor dieser Zeilen noch einen hübschen Highway und ein noch hübscheres Autobahnkreuz – beides verewigt auf zwei nicht so hübschen Fotos.

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Auf der vorangegangenen Autofahrt wurde außerdem noch optische Bekanntschaft mit einem interessanten Phänomen gemacht: mit Häusern auf Rädern. Freilich, man befand sich in einem Gebiet, in dem in regelmäßigen Abständen Tornados wüten (und 2012 einer auch für mehrere Minuten am Boden blieb und eine ganz und gar nicht floskelhafte Schneise der Verwüstung anrichtete und auch mehrere hundert Menschen in den Tod riß) – dies nur zur Verdeutlichung, was die Menschen hier so gewöhnt sein müssen. Trotzdem tauchte unter den Sängern schon die Frage auf, warum man gerade dann so viele Häuser aus Holz statt Stein baut? Dann doch lieber gleich so: Der Wetterbericht warnt, und man zieht einfach um, man fährt also (inklusive Haus) einfach weg! Hier im Bild parkt das Haus, aber wir sahen auch welche in Bewegung.

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Nun kam man also in Joplin (Missouri) an. Man kommt mit den Bundesstaaten leicht durcheinander, wenn man von Michigan über Minnesota nach Missouri fährt und damit alle Bundesstaaten, die mit MI beginnen, auf einmal mitnimmt. Wie auch immer, vor dem insgesamt 128. USA-Konzert (lebten wir in einer digitalen Welt, wäre dies ein wahres Jubiläum! Konzert Nr. I0000000 in binärer Schreibweise…) war die Stimmung im Ensemble ausgesprochen kreativ, und so setzte man die Dekoration des Flures vor der Garderobe mit den bescheidenen zur Verfügung stehenden Mitteln hübsch in Szene.

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Tags darauf ging es dann in eine Schule zum Workshop. Mehrere Details warfen Fragen auf. Erstens: Der Autor dieser Zeilen dokumentierte bereits einmal ein ähnliches Motiv vor einem Einkaufszentrum, in dem sich auch ein Waffengeschäft befand. Hier aber reden wir von einer Schule! Ist es nötig, ein solches Schild am Eingang anzubringen? Beziehungsweise: Ist es zielführend?

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Zweitens: Auf dem Weg zur Herrentoilette begegnete der Autor diesem Schild. Er kennt es bereits! Und zwar aus dem Fernsehen, wenn dort Labore gezeigt werden, in denen die letzten Pockenviren der Menschheit aufbewahrt werden oder das Blut von Ebola-Erkrankten untersucht wird. Aber auf dem Herrenklo einer Schule?

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Es war aber niemand krank, und die Petrischalen aus dem Biologieunterricht werden sicherlich auch an anderem Orte entsorgt. Hofft man zumindest. Nein, es wurde sehr schön und gesund gesungen, und zwar von diversen Schulchören, und auch die Reisenden sangen das eine oder andere, und ein gemeinsames Foto entstand auch noch.

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Leider nicht im Bild: Ein Monitor in der Schule, auf dem zu lesen war: „Tomorrow: Favourite Christmas Shirt Day“. Ein Tag offenbar, an dem man sein Lieblings-Weihnachts-T-Shirt anziehen möge – und als Europäer erwartet man, dass das sicherlich ein oder zwei Kinder auch tun werden, sonst aber niemand. Weit gefehlt! In einem Land, in dem in der Adventszeit extra Radiosender erfunden werden, die ununterbrochen Jingle bells und Have Yourself a Merry Little Christmas dudeln – in einem solchen Land werden solche „Feiertage“ ernstgenommen. Und es scheint sich auch nicht um eine schulinterne Angelegenheit zu handeln! Denn wieder an diesen Monitor denken musste der Autor dieser Zeilen am nächsten Morgen – nicht in der Schule, sondern im Hotel. Eine Angestellte begegnete ihm da im Flur, deren Erscheinung es ihm wert war, ihr auf eine Weise nachzustellen, die anderenorts sicherlich als Stalking bezeichnet werden würde. Es gelang ihm also, die Erscheinung auf Bildsensor zu bannen, wenn auch mit „versteckter Kamera“, entsprechend verwackelt und darüber hinaus zum Schutze der Privatsphäre auch noch verbalkt.

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Das allein wäre noch als Skurrilität durchgegangen. Aber dann begab man sich zum Zwecke des Einkaufes noch in ein Einkaufscenter (hierzulande Outlet genannt), und dort kam zu Erscheinung Eins noch Erscheinung Zwei dazu, bzw. eigentlich die Erscheinungen Zwei, Drei und Vier! Man beachte (wie auch oben schon) den Kopfschmuck.

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Und dies ist eine Häufung, die dem Verfasser statistisch relevant genug erscheint, um sie hier ganz offiziell dem Favourite Christmas Shirt Day zuzuschreiben…

Um übrigens in ein Einkaufscenter zu gelangen, muss man einfach nur losfahren und lediglich die Straßen meiden, an denen dransteht, dass es hier nicht in ein Einkaufscenter geht. Wie, der Leser ist ungläubig? Sei es lieber nicht, denn hier ist der Beweis!

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Ja, die Straßen, die nicht zum Einkaufen führen, sind extra als solche bezeichnet… Das soll hier als Vorbild für wahre Kundenorientierung dahingestellt sein.

Überhaupt nicht vorbildhaft wirkte auf den Autor dieser Zeilen hingegen ein Regal im Spielzeugladen. Einen kleinen Ausschnitt vermochte er abzulichten, die schiere Breite und Höhe des Regales jedoch verunmöglichte jenen schlimmen Eindruck festzuhalten, dem er sich ausgesetzt fühlte. Vier Meter breit, zwei Meter hoch (mindestens) voll mit solchem Spielzeug:

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Und weil man nun einmal im Outlet ist, geht man eben auch mal der Nase nach. Und, was duftet so an den Ecken? Ein Popcornladen! Man schaut also hinein, probiert, …

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…entscheidet und kauft und setzt sich nach draussen – und probiert und probiert und probiert…

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Was ist denn nun besonderes an Popcorn? mag mancher sich fragen. Nun, ähm, sagen wir es so: Der Verfasser kennt Popcorn im Wesentlichen aus dem Kino, wo er es eigentlich immer nur riecht und nie isst. Er weiß aber immerhin, dass es zwei Sorten gibt: süß und salzig. – Nun ist man aber in den USA, und hier hat diese Speise offenbar einen völlig anderen Stellenwert als daheim in deutschen Landen, und zwar: einen höheren! Und entsprechend gibt es auch mehr Sorten. Mit einer fotografischen Auswahl soll der Leser für heute entlassen werden – jeweils mit Übersetzung der Sorte und dem Versuch, die entsprechenden Pop-Körner auch mit abzubilden, auf dass einem das Wasser im Munde zusammenlaufen möge. Speziell farblich gibt es hier einige Wahnsinnskandidaten.

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Butterscotch. Soweit, so gut. Und süß.

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Minzschokolade. Hm, schon schwieriger. Und die Farbe…

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Kirschschokolade & Käsekuchen. Als Popcorn schon schwer vorstellbar! Aber:

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Scharf! Böse! Im Kino wohl eher unwillkommen!

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Knoblauch-Parmesan. Wie ein tolles italienisches Baguette, oder Nudeln, aber als Popcorn?

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Schinken-Käse. Also, dem Verfasser dieser Zeilen fällt nichts mehr ein. Und das will was heißen!

Guten Appetit!

USA 2: Advent unterwegs (welcher auch immer)

Konzertreisen sind eine äußerst ambivalente Sache – manchmal hat man relativ viel Zeit, und manchmal gar nicht. Die Reise jetzt entpuppt sich bisher eher der zweiten Art zugehörig, was dazu führt, dass man, wenn Feierabend, schnell ins Bett fällt und nicht mehr kreativ vor dem Laptop zu sitzen Muße hat… Daher gibt es jetzt erst den nächsten Bericht. Also: Was ist seit dem letzten Frühstück geschehen?

Nun, das Hotel, dessen Frühstück hier stellvertretend für die meisten anderen Hotels der USA vorgestellt wurde, lag in Hart (Michigan) – und dort fand natürlich auch ein Konzert statt, und außerdem sang man noch vor Kindern. „Outreach“ heißt das Konzept, bei dem man ein wenig singt und ein wenig mehr als im Konzert darüber erzählt, wo man herkommt, warum alle Welt singen sollte und was Kinder eventuell noch interessiert. Es ist immer sehr interessant zu sehen, wie sehr das Alter der Kinder wirklich eine Rolle spielt – und die Anzahl. In diesem Falle waren es einmal etwa 300 (!) Kinder zwischen 6 und 9 und dann noch einmal weitere 300 zwischen 10 und 14 Jahren. Sosehr diese Veranstaltungen auch Spaß machen – man glaube dem Autor dieser Zeilen, wenn er sagt: sie schlauchen auch ein wenig.

Im Anschluss ging es zum Flugzeug, aus dem heraus immerhin drei soweit ganz nette Bilder gelangen.

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Frage: Erkennt ein USA-Nerd unter den Lesern, um welche Stadt es sich bei dem untersten Bild handelt?

Wie auch immer, Ankunft des Nachts im Hotel, morgens Abholung. Wir sangen bei einem Gottesdienst (sind also jetzt im Erzählungszeitpfeil am Sonntag angelangt). Die Gemeinde: sehr angenehm tolerant und entspannt, mit manch dem Autor unbekanntem Brauch, aber eigentlich rundum schön. (Statt Predigt: Stille. Aber auch so lang, wie eine Predigt wäre! Also durchaus 10 Minuten – wer John Cage und sein Werk 4’33“ kennt, der ahnt, wie es war…)

Nur eines machte stutzig: Die Pfarrerin sprach von der Feier des zweiten Advents und war damit absolut konform mit dem Programm, das man in den Händen hielt. Wie konnte das sein? Eine Nachfrage ergab: Klar, heute sei eigentlich der erste Advent, aber das würde bedeuten, dass man in der Gemeinde am 24.12. nicht nur nachmittags Krippenspiel und abends noch Gottesdienst halten müsse (weil Heiligabend), sondern auch morgens noch Gottesdienst (weil vierter Advent). Und da habe man sich dagegen entschieden und entsprechend den Kalender angepasst. – Mutig, flexibel, pragmatisch, amerikanisch, und irgendwie auch hübsch!

Nach dem Gottesdienst zum zweiten Advent beging man dann im Büro der Pfarrerin ensembleintern den ersten Advent.

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Die Feier allerdings währte nicht lange, da man bereits ein Mittagessen bekam, anschließend probte und nicht lang danach ein Konzert sang. Anschließend Empfang, Umziehen, und ab in ein gegenüberliegendes Haus, wo noch ein sehr leckerer Lachs serviert und uns beigebracht wurde, was „Schokolade“ auf Dänisch heißt. Ein Tipp: Es klingt ein wenig, als sei die Sprache unter nicht geringem Alkoholeinfluss erfunden worden! Schokkolllllöllll würde als Lautschrift wahrscheinlich durchgehen; das Wort (und nicht nur das) sorgte jedenfalls für die Freisetzung größerer Mengen Heiterkeit.

Anschließend ins Hotel und Bett, denn am nächsten Morgen wurde man früh abgeholt, um 9 Uhr vor Kindern zu singen. Diesmal allerdings waren es nur 50, und sie sangen auch für uns! Interessant hier ein Zettel, der im Klassenzimmer lag und das Gefühl vermittelte, sooo weit sei man doch nicht von zuhause weg:

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Anschließend noch ein weiteres Kurzkonzert in einem Altersheim; und dann noch ein Mittagessen in einem russischen Restaurant (!). Und dann ab ins Hotel zum Mittagsschlaf!

Und weil man nun nach recht vollen Tagen mal Zeit und Ruhe hatte, konnte man auch einer schönen alten Tradition nachgehen und richtig schön amerikanisch essen und trinken gehen.

171205_essen

Prost!

USA 1: Frühstück!

Soviel Zeit ist schon wieder vergangen! Da bleibt es nicht aus, dass sich Calmus mal wieder in die USA aufmacht. Genaugenommen ist man bereits seit vorgestern abend da – da aber auf den Reisetag, der morgens gegen 3.45 Uhr (deutscher Zeit) begann und erst gegen 21 Uhr (amerikanischer Ostküstenzeit, also insgesamt nach etwa 23 Stunden) endete und tags darauf bereits zwei Workshops und das erste Konzert folgte, blieb dem Autor dieser Zeilen nichts übrig, als zunächst einmal die Nerven wieder zu bündeln und zu sortieren; und das dauerte noch die vergangene Nacht. Jetzt aber ist alles geordnet und eingenordet, und so kann man den nächsten Tag beginnen. Und wie beginnt man einen Tag? Klar, mit einem ausgiebigen Frühstück. Folge mir nun also, lieber Leser, in einen typischen Frühstücksraum eines typischen amerikanischen Hotels irgendwo am Lake Michigan!

Betritt man einen solchen Raum, verschafft man sich zunächst erst einmal einen Überblick.

Tische, ein Buffett (sprich: Buffäi), soweit nichts Auffälliges zu sehen. Gehen wir also einmal von rechts nach links vorbei.

Ein Waffeleisen! Schön mit Waffelteigportionsspender; man gibt den flüssigen Teig in einen Plastikbecher und von dort auf das Eisen, klappt dieses zu und dreht es um, wartet den automatischen Countdown ab, und wenn der vorbei ist, piept das Gerät, auf dass man es von seiner Waffellast befreien möge. Keine Angst: Man kann es nicht überhören. Genaugenommen piept es nicht: Es schreit, als litte es Höllenqualen! Ein Heidenspaß, wenn eine fünfköpfige Familie im Raum ist und alle Kinder Waffeln wollen… Wir gehen also erst einmal vorbei.

Natürlich: Kaffee. Alles ist vorhanden: Normaler Kaffee, entkoffeinierter Kaffee, heißes Wasser, Styroporbecher, (perverses) Aroma in drei Geschmacksrichtungen, Zucker, Süßstoff, Kaffeeweißer. Freilich: Der schale Eindruck von latenter Künstlichkeit drängt sich irgendwie auf – und verschwindet leider auch nicht beim Verkosten dieser Spezialität…

Zunächst: Rechts im Bild findet sich dann doch noch zumindest Milch in zwei verschiedenen Fettgehaltsstufen. Jetzt aber: Müsli und dazu passende Styroporschalen sowie Plastikmesser, -gabeln und -löffel. Zumindest letzteres benötigt der Autor dieser Zeilen, mit Müsli wird er selten warm…

Auf zur herzhaften Ecke. Damit kann man ihn schon mehr locken! Andererseits – nunja. Man sieht in diesem leicht beschlagenen Behältnis eine Art Rührei, die an das „Schlemmer-Rührei“ aus dem TetraPak erinnert (und mit Sicherheit auch hier nicht aus frischen Eiern gemacht ist); eine Art gewärmtes Weizenbrötchen, und das ist wohl als Beilage zu jener Speise gedacht, die gar nicht verlockend in diesem Topf rechts um Verkostung bettelt. Dabei handelt es sich um eine Art Hackfleischsuppe etwa von der Konsistenz, die man von Waldhonig kennt, und in einer Farbe jener ähnelnd, die in Krimiserien auf dem Autopsietisch des Gerichtsmediziners anzutreffen ist. Aber: Man muss ja auch mal was wagen! Also wagt man den Fleischbrei, und überraschenderweise wird es geschmacklich zumindest nicht so, wie man es nach dieser Beschreibung hier erwartet hätte. Es geht schon! Zwar wird dieses Gericht wohl nicht die Top Ten des Autors dieser Zeilen erreichen, aber die „Flop Ten“ auch nicht. Weiter geht’s!

Obst. Natürlich. Was wäre eine Frühstück ohne Obst? Die Bananen in der obersten (Regal-) Schale sind leider nicht auf dem Bild, sie sind aber auch weniger irritierend als die in Plastik eingepackten Äpfel. Welchem höheren Zweck das dient, weiß man nicht…

Brot und Gebäck. Zum Toast gibt es nichts zu sagen, ebenso wenig zu den daneben befindlichen Brötchen – man toastet das halt. Aber oben! Was aussieht wie eine Art Kräppelchen (wie man zumindest in Sachsen sagt), also frittiertes süßes knackiges Lecker-Gebäck, entpuppt sich als eine Art Sandkuchenkugel mit mehr Süße und (rechts) Zimt. Hier die Beschreibung eines anonym bleiben wollenden Kollegen: „Es ist, als würde man in eine Mehldose beißen“. Nun, spannend ist anders…

Dies ist zum Großteil eher Frühstücks-Infrastruktur: Mehr Styroporteller, Plastikmesser, -gabeln, und -löffel, etwas Salz, Pfeffer und Ketchup sowie Erdnussbutter und Marmelade. Bemerkenswert ist immerhin, dass es in diesem Land auf dem Marmeladenmarkt zu einer gewissen Oligo- oder gar Monopolbildung gekommen ist: Es sind immer genau diese Marmeladen, die dort liegen. In jedem Hotel. Immer. Und auch immer die gleichen Sorten…

Und natürlich noch ein Kühlschrank. Oben Butter, unten Margarine (oder so etwas). Aus der Mathematik weiß man ja, dass das Volumen mit der dritten Potenz des Radius steigt, die Oberfläche jedoch nur mit der zweiten – will sagen: Je größer die Packung, desto mehr Verpackungsmaterial spart man. Die Butter hier ist aber so klein portioniert, dass man für eine Scheibe Toast bereits zwei Packungen Butter benötigt! Der Leser erkennt vermutlich bereits, worauf der Autor dieser Zeilen hinauswill: Verschwendung ist an der Tagesordnung…

Außerdem gibt es noch Eier. Im Kühlschrank! Die Theorie unter den Sängern ist, dass jene Eier sowieso auf eine Art behandelt wurden (oder die Hühner? Grusel!), dass sie nicht wirklich schlecht werden (können); trotzdem mag der Autor sein Frühstücksei eher warm als kalt, und jedenfalls nicht halb gefroren…

Und schließlich noch: Joghurt. Hier lohnt ein genauerer Blick!

Also: Fettloser Joghurt mit 50 Kalorien (natürlich sind hier kcal gemeint) und den Vitaminen A und D, Geschmacksrichtung Himbeere. Nun muss der geneigte Leser ganz stark sein, denn: Wir drehen den Becher mal um und schauen auf die Inhaltsstoffe!

Gehen wir es durch.

  • Cultured Grade A non fat milk: Kultivierte Grad A (das bezieht sich sicher auf die Kühe) fettlose Milch. Der Autor erinnert sich noch dunkel, dass Milch eine Fett-in-Wasser-Emulsion war, also kleine Fetttröpfchen, die gaaanz klein verteilt in Wasser schwimmen. Frage: Wenn ich jetzt all das Fett herausnehme, was bleibt denn dann noch? Tendenziell im Wesentlichen Wasser…
  • Water: Wasser. Siehe oben.
  • Modified food starch: Modifizierte Speisestärke. Wohl zum Verdicken.
  • Cane sugar: Rohrzucker. Macht süß.

Contains less than 1 %: Alles, was jetzt noch kommt, macht weniger als ein Prozent des Produktes aus.

  • Raspberry puree: Himbeerpüree (oder sagt man ~mus?) Immerhin!
  • Kosher gelatin: Koschere Gelatine. Warum die Gelatine koscher ist, erschließt sich dem Autor nicht – da kennt er sich leider zuwenig aus.
  • Natural and artificial flavors: Natürliche und künstliche Aromastoffe. Im Deutschen gibt es ja noch die Kategorie der naturidentischen Aromastoffe, also die, die zwar so auch in der Natur vorkommen, aber in diesem konkreten Fall aus der Fabrik kommen – wie auch immer. Hier ist auf jeden Fall auch die Fabrik beteiligt.
  • Fruit juice and vegetable juice (for color): Frucht- und Gemüsesaft wird hinzugegeben, aber nur für die Farbe. Andererseits: Besser als noch mehr Chemie.
  • Sucralose: Jetzt beginnt die Zeit des Googelns. Sucralose ist ein Süßstoff (Wikipedia), der 600x süßer ist als normaler Zucker; also: macht süß.
  • Malic acid: Apfelsäure, macht sauer und ist in Deutschland unter E 296 bekannt.
  • Acesulfame potassium: Acesulfam ist ein Süßstoff (E 950). Laut Wikipedia ist der 200x süßer als normaler Zucker, schmeckt jenem aber recht ähnlich und bleibt auch erhalten, wenn er erhitzt wird, und: er taucht inzwischen sogar im Trinkwasser auf… Aber hier gilt vor allem: Macht süß.
  • Vitamin A palmitate: Auch Retinyl-Palmitat genannt. Wird Speisen zugesetzt, denen Milchfett entzogen wurde (siehe oben!), um ein bißchen Vitamin A drinzulassen (bzw. zu ersetzen). Siehe Wikipedia (leider nur englisch).
  • Vitamin D3: Desgleichen.
  • Sodium citrate: Natriumcitrat, ein Salz der Zitronensäure, wird zur Säureregulation verwendet.

Und was bleibt? Der fade Eindruck, man habe es irgendwie doch nicht mit echtem Essen zu tun, sondern mit einer erstaunlich süßen Pampe, die entfernt an Himbeerjoghurt erinnert… Denkt sich der Autor und wendet sich seinem Marmeladentoast zu.

Und dann hat man zwei Scheiben Toast gegessen, der Kollege auch, und auf dem Tisch beginnt sich ein Berg zu bilden.

Was der Autor vergaß: Noch ein entsprechendes Bild am Ende der Mahlzeit herzustellen. Andererseits ging das nicht, da der Müll zwischenzeitlich aus Platzgründen entsorgt wurde…

Na dann: Guten Appetit!

Haarsträubende Mathematik und ganz Persönliches

Der Autor dieser Zeilen kann’s nicht lassen: Bevor er Ihnen, werter Leser, etwas sozusagen in eigener Sache erzählen möchte, muss er einfach noch diese Schnappschüsse loswerden! Es geht auch ganz schnell – da hätten wir zunächst einen neuen Frisör:

170910_haarstraeubend

Dann gab es da eine vorbildliche Speisekarte in Niedersachsen – als Sachse ist man ja an halbe Liter Pils gewöhnt, und dann gibt es in der Fremde oft nur 0.4 Liter! (Oder noch schlimmer: Pils in 0.4-Portionierung, das Weißbier hingegen in der bequemen Halblitergröße; aber an Weißbier konnte sich der Autor dieser Zeilen noch nie gewöhnen…) Wie dem auch sei: In der erwähnten Speisekarte fanden sich drei Biersorten, und was die Portionierung betraf, war wirklich für jeden etwas dabei…

170910_bierkarte

Außerdem gab es am selben Ort ein lustiges Relikt einer Heizung ohne Körper.

170910_heizung

Und schließlich und endlich noch ein wahrhaft bitteres Zeugnis der niedergehenden Kultur; ein gruselig-schönes Beispiel dafür, dass man im Mathematikunterricht heutzutage zwar noch Techniken und „Rezepte“ beigebracht bekommt, aber die Bedeutung der Symbole und dessen, was man da eigentlich tut, verschwiegen wird. Der Verfasser des folgenden Schildes kann durchaus mit den Grundrechenarten umgehen! Aber er hat eben einen schwerwiegenden Denkfehler…

170910_2fuer15

* * *

Und damit kommt der Autor zu einem der wenigen Male von echter Ernsthaftigkeit an dieser Stelle. Denn: Für ihn persönlich wird sich etwas ändern, und damit auch für Sie, lieber Leser! Nach inzwischen 18 Jahren wird für ihn nämlich die Calmus-Zeit enden.

Freilich, es hat noch etwas Zeit – momentan läuft gerade die Suche nach seinem Nachfolger, und so etwas dauert ja ein wenig. Wann genau sein letztes Konzert stattfinden wird, wird hier rechtzeitig angekündigt. (Vermutlich am Ende der Konzertsaison, irgendwann nächstes Jahr im Sommer.)

Warum nur?, fragt sich freilich nun mancher Leser… Nun, es gibt mehrere Gründe: Zum einen wird nicht mal der Autor dieser Zeilen mehr jünger, eher im Gegenteil. Und so sehr die Konzerte auch Spaß machen – die damit einhergehenden Reisen tun das für ihn immer weniger. Er sehnt sich, um ehrlich zu sein, ein wenig nach Seßhaftigkeit!

Und dann gibt es da ja noch eine andere Leidenschaft, wie der eine oder andere Leser immer mal bemerkt haben dürfte: den Hang des Autors, Dinge durch die digitale Brille zu betrachten. Und diese Brille wird er im nächsten Lebensabschnitt sehr viel häufiger aufhaben als bisher… Es ruft nach so vielen Jahren noch einmal eine neue und ganz andere Herausforderung.

Calmus wird ihm nichtsdestotrotz, wenn es soweit ist, fehlen! All die vielen schönen Konzerte, die vielen Menschen, die man dabei trifft, das Level an Selbstverwirklichung, das man erreichen kann – mit Calmus zu singen ist schon etwas sehr Besonderes, und etwas, was ihn mit großem Stolz erfüllt… Er wird es vermissen und trotzdem mit Freude an den nächsten Abschnitt seines Lebens denken.

(Und auf eines freut er sich besonders, das muss er zugeben! Ein Privileg, dass Sie, lieber Leser, ihm bisher weit voraus hatten: Er wird irgendwann auch endlich einmal live einem Calmus-Konzert lauschen und zusehen können!)

Noch ist es ja kein Abschied, sondern nur eine Ankündigung. Hier und jetzt soll der Leser einfach nur mit offenen Karten beworfen werden… Daher: kein Grund, in Trauer zu verfallen.

Auf eine schöne Konzertsaison! Viele Grüße – Ihr

Skarabaeus Stein

USA 2: Hipsterkaffee und aufsässige Frauen

Und schon neigt sich die Reise dem Ende – zumindest ist jenes am Horizonte sichtbar. Nach dem Besuch des Yellowstone Nationalparks hielt man Kurs auf Sheridan, und anschließend ging es hierher:

Was das ist? Wir befinden uns in San Francisco! Und dies ist das einzige Foto der Golden Gate Bridge, das dem Autor dieser Zeilen gelang… Mit digitalforensischen Methoden und der Erwartungshaltung, sie zu finden, kann sie der geneigte Leser nun am Horizonte suchen.

Aber abgesehen von gleißend blendender Sonne gegen 19 Uhr ist San Francisco eine tolle Stadt – bekannt sind neben der Brücke und den Cable Cars – achja, auch die bekam der Autor vor die Linse:

Also: Neben der Brücke und den Cable Cars ist da noch diese berühmte gewundene Straße – wo wir dabei sind: Hier ist sie!

Jetzt aber endlich. Also: Neben der Brücke und den Cable Cars und der berühmten gewundenen Straße ist San Francisco noch bekannt für eine recht liberale politische Haltung im Allgemeinen und Besonderen. Hier ist seit einiger Zeit ja Marihuana erlaubt, und das riecht man. Morgens, abends, hier und dort: Überall liegt dieser Duft in der Stadt! Freilich ging dieser Prozess nicht von heute auf morgen, und so richtig abgeschlossen scheint die Diskussion um die Freigabe auch noch nicht zu sein. Auf dem Gelände der Universität wurde das Ensemble Zeuge einer politischen, ähm, sagen wir: Willensbekundung: Zwei Herren, definitiv dem Studentenalter entwachsen, tauchten plötzlich vor der Mensa auf. Einer stellte sich auf ein Podest und redete; was genau, kann hier leider nicht dokumentiert werden, denn er war draußen, der Verfasser aber drin. Sein Begleiter aber hatte ein Schild mit, auf dem die vermutlich wesentlichen Thesen des Gesagten zusammengefasst waren. Und das – ja, das konnte auch von drinnen festgehalten werden!

Die wesentliche These war auf der Vorderseite zu lesen: „Das Blut Jesu wäscht dich von deinen Sünden rein“. Und hier auf der Rückseite nun sind Beipiele für Sünder vermerkt, wie sie sich den beiden Herren darstellen. Kleine Vokabelhilfe gefällig? Auch der Verfasser dieser Zeilen  musste erst nachschlagen, dass lewd women anzügliche, unzüchtige oder lüsterne Frauen sind, sports nuts quasi übermäßig sportbegeisterte Menschen, und bei den rebellious women befürchtete er leider zurecht, dass es sich wirklich um rebellische, aufmüpfige oder aufsässige Frauen handelt. – Dass die Diskussion aber tatsächlich in Gang kam, kann man auf dem Bild nicht ganz so recht sehen, man muss es jetzt einfach glauben; erstaunlich, denn solche Leute kennt man ja auch aus deutschen Fußgängerzonen, dort sieht man sie aber deswegen immer so leicht, weil alle anderen einen Bogen um sie machen. Hier wurde tatsächlich lautstark diskutiert! – Und wo ist jetzt der Bezug zu Marihuana? Ganz unten links auf dem Schild. Auch pot smoking little devils, also Gras rauchende kleine Teufel, auch die sind Sünder.

Aber es gibt auch deutsche Einflüsse in San Francisco – etwas überraschende zumal!

Eine Kette dieses etwas bemüht lustigen Namens fand der Autor bereits in seiner eigenen Heimatstadt. Dass sich ein Geschäft dieses Namens nun aber auch in San Francisco auftut, erstaunt – denn versteht man denn in den USA diesen Wortwitz? Ist das Wort Bürgermeister vielleicht so etwas wie Kindergarten, Sauerkraut, Autobahn, Blitzkrieg oder Bremsstrahlung? All diese Worte sind ja in den amerikanischen Wortschatz übergegangen (gut, das letztgenannte vielleicht weniger in die Alltags- als in die Fachsprache, aber immerhin). Das wäre immerhin eine Erklärung.

Nach San Francisco ging es nach Lacey im Staate Washington. Hier war Calmus bereits vor etlichen Jahren; aber seitdem hat sich viel getan. Man schläft dort in einem Gästehaus des ansässigen Klosters, das die Sänger als eher abgeschieden in Erinnerung hatten, insbesondere was den Kontakt zu den Daheimgebliebenen betraf – denn es gab nur schlechten Telefonempfang und auch kein drahtloses Netzwerk. Aber ach! Schau! Die Zeit schreitet voran und macht nicht einmal an Klostermauern halt: Denn inzwischen war das Gästehaus mit Internet ausgestattet…

Und nach nur einer Nacht verschlug es uns nach Portland (Oregon). Man hatte uns gewarnt: Portland sei eine tolle Stadt! Ein bißchen verrückt vielleicht. Jemand in San Francisco meinte: Portland, ah, die Stadt mit dem Hipster-Kaffee! (???) Alle jedenfalls waren sich einig: Portland ist ganz toll.

Nun ja, der Autor dieser Zeilen ist sich nicht ganz sicher, inwieweit er in diese einhellige Begeisterung mit einstimmen möchte. Sicher, die Stadt war nett, und sicher: ein bißchen verrückt war sie auch. Am Hoteleingang wird man in den USA ja gern mit Cookies verwöhnt, die man sich da einfach nimmt; in Portland stand an gleicher Stelle Bier. Auf die Frage, ob man da vielleicht eines haben könnte, wurde von Seiten des Hotelpersonals amüsiert geantwortet: Sicher, klar – das ist bei uns wie sonst mit den Cookies, wir sind doch hier in Portland! Es wird den Leser nicht verwundern, dass man nun von Seiten des Ensembles verwundert war; allerdings war es eher eine Art amüsierte Verwunderung.

Was gab es in Portland noch? Brücken, Straßen und Eis.

Durch die Stadt fließt ein Fluss, und Schifffahrt ist auch vorgesehen – also müssen die Straßen weichen. Ob das allerdings tatsächlich immer noch gilt, kann hier nicht gesagt werden; zwar gab es jede Menge Hub- und Drehbrücken, aber in Aktion wurde keine gesichtet. Und es lagen auch Schiffe am Fluss, aber das größte, das wir sahen, welches Brückenverlagerung wirklich benötigt hätte, das war zum Museum umgebaut und fest vertäut bis ans Ende seiner Tage.

Die Straßen seien hier nur deshalb erwähnt, weil bekanntlich der hier Schreibende ein Faible für Kabelsalat hat, vor allem, wenn sich der Salat oberhalb befindet und die Kabel wichtig sind, also zum Beispiel den Strom zum Haushalt führen. Nun, es gibt Fälle, da verhält es sich mit Straßen nicht wirklich wesentlich anders: Wichtig sind sie ohne Zweifel, und manchmal befinden sie sich auch weiter oben, zum Beispiel, wenn sie auf Brücken führen. Wenn sie darüber hinaus auch noch salatartige Züge annehmen, dann – ja, dann kann man auch ein Foto versuchen. Leider erlebt man solcherlei Straßenwahnsinn immer nur schnell während der Vorbeifahrt, daher muss man den Fotos gegenüber im Geiste Nachsicht walten lassen…

Bleibt noch das Eis. Gemeint ist hier nicht das Wetterphänomen, sondern richtiges Speiseeis! Dieses gibt es zwar auch woanders, aber nicht so wie in Portland – Eis mit Meersalz, grünem Pfeffer und auch sonst recht untypischen Zutaten, und: leider lecker. Man steht auch etwas länger an dafür, als man das von zuhause gewohnt ist, aber so ist das mit Kultstätten; und als solche ist dieser Eisladen auf jeden Fall zu bezeichnen.

Und Eis blieb auch das beherrschende Thema; nächsten Tags wurde in einem Food Court gegessen. Wer das nicht kennt: Eine grundsätzlich großartige Erfindung; wenn man sowieso keine Zeit zum Richtig-Essen-Gehen hat, dann wird es am Ende eben irgendetwas aus dem Pool „asiatisch“, „Pizza“, „Fischbrötchen“ o.ä. – und der Food Court zeichnet sich nun dadurch aus, dass alle diese Läden am Rande einer größeren Tisch- und Stuhlfläche befinden und sich offenbar die Reinigung der Tabletts teilen. Das führt dazu, dass man in einer Gruppe gemeinsam dorthingehen kann, und dann holt sich der eine dies, der andere das. Herrlich.

Und nach dem Essen bestand zumindest beim Autor dieser Zeilen noch Bedarf nach Süßem. Da gab es doch diesen Laden mit der Schokolade! Oh, am Tresen liest man: Iced Cheesecake with Chocolate, und das sieht auf dem Bild auch übersichtlich aus – und am Stiel, das kann ja nicht so viel sein! Das nimmt man. – Schwerer Fehler.

Ein schöner Zufall der deutschen Sprache ist, dass in „Schwerer Fehler“ bereits eine Gewichtangabe enthalten ist: Schwer. Ja, schwer war der geeiste Käsekuchen, den man vorher auch im Laden noch in (leider nicht so richtig gute) Schokolade getunkt hatte – mehrfach. Und groß war er!

…und mit Größenvergleich:

…und noch ein Querschnitt:

…und schließlich ein Symbolbild des Verfassers nach dem Verzehr etwa eines Drittels.

Wenn man Volksweisheiten zum Patent anmelden könnte, dann sollte diese unbedingt Berücksichtigung finden: Käsekuchen mit Schokolade am Stiel / ist als Dessert in jedem Fall zuviel. Merken!

Und damit sind wir auch bereits in Kalamazoo (Michigan) angekommen. Die Stadt scheint ganz angenehm zu sein, die Leute sehr freundlich – nur versteht man sie etwas schlecht, da der Dialekt hier doch deutlich spürbar ist. (Man weiß nicht, welcher es ist – aber definitiv ist einer da.) Allerdings stellte es sich als schwieriger als gedacht heraus, von Portland (Oregon) nach Kalamazoo (Michigan) zu kommen, denn ist Texas war Wind. Klingt jetzt komisch, ist aber so:

Das Flugzeug, das die ganze Strecke von Chicago (wo man umsteigt) nach Kalamazoo (was etwa 25 min Flugzeit sind) fliegt, das muss ja erstmal nach Chicago hin. Und das kommt aus Houston! Es fliegt von dort nach Little Rock (Arkansas, wo Fam. Clinton herkommt) und dann weiter nach Chicago – oder eben nicht. Wenn es in Texas stürmt, darf es nicht starten. Und so entsteht dann dieses Bild:

Übersetzt: Das Flugzeug soll planmäßig 21 Uhr starten und 22.51 ankommen (und dabei noch eine Zeitzone überqueren). Neue geschätzte Flugzeit ist nun 1:35 – 3:26 Uhr nachts! Und so war es auch, die Ankunft im Hotelzimmer lag dann gegen 4.30 Uhr. Immerhin kam man aber aus einer Zeitzone drei Stunden weiter westlich, es fühlte sich also eher nach 1:30 früh an. – Leider galt das auch für das morgendliche Aufstehen, denn auch das hatte noch den Beigeschmack von drei Stunden eher…

Und nun wartet nur noch ein Konzert hier in Kalamazoo und zwei in New York auf die zeitzonengeschundenen Sänger – und schon geht es wieder heimwärts!

USA 1: Depression im Gelbsandsteingebirge

Huch – da ist schon wieder ein wenig Zeit vergangen, und schon liegt ein Stapel von Dateien auf dem Desktop, der hier ins Blog möchte. Nun denn, vielleicht erklärt sich dann auch das oben abgebildete Schild, wenn der Autor dieser Zeilen versucht, des Stapels Herr zu werden!

Zunächst aber kümmern wir uns noch nicht weiter um die Vereinigten Staaten, sondern schauen in heimatliche Gefilde. Vielleicht kann einer der Leser Aufklärung leisten! Man befindet sich in einem großen Kaufhaus, man kauft ein (oder „shoppt“, wie man heute sagt), und betritt mit einem großen Konvolut anzuprobierender Kleidung die Umkleidekabine der Herrenabteilung. Und dort erwartet einen in einer Ecke dieses Schild:

So richtig Lust auf das Einkaufen stellt sich nicht ein… Was passiert hinter dieser Tür??? Man trinkt besser erstmal ein Erholungsbier.

Prost!

Aber da man ja gerade beim Einkaufen ist, geht man auch gleich noch in den Supermarkt. Diese Märkte sind unglaublich; ist das dem Leser aufgefallen? Man bekommt alles, ja, wirklich alles! Obst, Socken, Tennisschläger, DVD-Player, Zahnpasta, Edelpilz – und manchmal gibt es dann noch Zusatzangebote von Produkten, die es nicht immer gibt, die also selbst in einem Laden, in dem es wirklich alles gibt, noch als ungewöhnlich auffallen. So Sachen, die man wahrscheinlich nur einmal im Leben kauft. In diesem Falle:

Der Autor dieser Zeilen kaufte sich allerdings keine Polizistin, auch wenn ihm dreißig Euro für eine Staatsangestellte im eigenen Besitz durchaus günstig vorkamen.

Und dann war es bereits Ende März, und schon machte sich Calmus wieder auf in die Ferne, und zwar auf eine Kreuzfahrt von China über Südkorea nach Japan. Der Autor dieser Zeilen hofft, den Leser nun nicht mit zu vielen Fotos zu langweilen – aber ein paar müssen eben doch sein. – Die Fahrt begann in Shanghai, hier ein Eindruck vom ersten Liegeplatz des Schiffes aus.

Auslandserfahrungen hat das Ensemble ja durchaus schon, aber in asiatischen Staaten kommt ein neuer Aspekt hinzu: Die (ohnehin verblassenden) Lateinkenntnisse aus der Schule nützen nichts beim Erraten dessen, was man auf der Straße liest. Man kommt sich analphabetisch vor! Glücklicherweise musste nicht Bus gefahren werden…

Bzw. es wurde schon Bus gefahren, aber kein öffentlicher. Ein Ausflug ging an das wahrscheinlich längste Bauwerk der Welt, nämlich zur Chinesischen Mauer.

Angemerkt sei noch, dass das Bus-Bild in Qingdao entstand, der Stadt, in der Tsing Tao gebraut wird. Der Leser gehe mal in ein chinesisches Restaurant und bestelle das auf der Karte befindliche „chinesische Bier“ – dann bekommt er fast sicher dieses. In der Heimatstadt des flüssigen Goldes kann man das natürlich überall kaufen, auch zum Mitnehmen! Dann bekommt man eine Plastetüte (!), in die das Bier hineingefüllt und abgewogen wird (!!), und dann kommt ein Strohhalm hinein (!!!). Prost!

Und schon ging es nach Südkorea, ein wunderschönes Land, das vor allem durch Fischmärkte beim Autor dieser Zeilen Eindruck machte. Und durch Roller an ungewöhnlichen Orten.

Man möchte ja auch einheimisch essen, und auf solchen Märkten kann man sich in der ersten Etage die Fische von unten zubereiten lassen. Die Sprachbarriere ist allerdings auf beim Koreanischen erheblich! Am liebsten hätte der durchaus experimentierfreudige Schreiberling gesagt: „Machen Sie mir irgendetwas, was Sie lecker finden!“ Aber dann sah er das…

… und vor allem das …

… und verzichtete auf diesen Plan.

Koreanisch allerdings ist eine Sprache, die man als „lernbar“ im Kopf behalten könnte, zumindest die Schrift! Denn auch wenn sie nicht so aussieht – sie besteht aus nur wenigen Buchstaben. (Um die 24.) Und die werden einfach zu Silben zusammengruppiert. Es handelt sich also nicht wirklich um solche kunstvollen und tausende Schriftzeichen wie im Chinesischen!

Und schwupps: Schon sind wir in Japan angelangt. Ein höfliches, zurückhaltendes und vor allem hilfsbereites Volk! Wo sonst sieht man in einem Kaufhaus schon dermaßen gründliche Beschilderung? Nicht nur die genaue Angabe, auf welcher Etage sich welche Art der Toilette befindet, nein – sogar ein Grundriß des Stillen Örtchens ist vorhanden!

Und das Japaner technikaffin sind, scheint mehr als ein Klischee zu sein, wenn man eben auf jenem Örtchen genauer hinschaut…

Manchmal sieht man allerdings auch etwas überraschend plötzlich heimatliche Einflüsse.

Selbst der Kabelsalat wirkt in Japan aufgeräumt!

Nur eben die Sprachbarriere. Zwar kann man in Japan im Allgemeinen Englisch, aber jeder eben doch nicht. Und dann muss man etwas wissen, ist etwas in Eile und findet endlich das Schild mit „Information“ drauf, aber: denkste.

Und schon ist der kleine asiatische Ausflug wieder vorbei. Aus deutscher Sicht ist das Ensemble am 12. April noch in der Zeitzone +7; jetzt fliegt es zurück in die Heimat (also +-0). Wäschewaschen, Ostern, und schon geht es wieder los: Neun Tage später geht es nach San Antonio (Texas) – Zeitzone -7. Innerhalb von neun Tagen insgesamt 14 Zeitzonen überbrückt: ein neuer Rekord!

San Antonio ist im übrigen ein etwas ungewöhnliches Städtchen. Dort fließt ein Fluss, und die Stadt wurde um die Jahrhundertwende (also die vorletzte) komplett umgestaltet, ein Architekt erfüllte sich damit einen persönlichen Herzenswunsch. Texanisch wirkt das ganze nicht, eher wie eine Mischung aus Mexiko und Legoland – was hier ausschließlich positiv konnotiert sein soll!

Am Fluss drängen sich Restaurants und Menschenmassen (insofern gibt es auch noch Parallelen zu Venedig), und da dort recht viele Menschen mit Vorfahren aus Deutschland wohnen, gibt es außerdem auch blau-weiß dekorierte Biergärten.

Am Tag nach dem Konzert in San Antonio ergab sich dann die in der Geschichte des Ensembles relativ seltene Möglichkeit zum Sightseeing. Man flog von San Antonio nach Bozeman. Wem das nichts sagt – das soll kein Grund zur Depression sein! Das Städtchen fungiert ausschließlich als Einfallstor zu einer wirklich einmaligen Naturschönheit; ansonsten hat es zugegebenermaßen eher wenig zu bieten. Man nächtigt dort einfach in einem Hotel und verlässt es am nächsten Morgen wieder. Depressionen überfallen einen dabei nicht.

Das Hotel aber hatte immerhin eine Besonderheit, nämlich dieses Schild.

Verwirrt steht der Autor davor und ist dann sehr glücklich, eine Übersetzungs-App auf seinem Telefon mit sich herumzutragen. „Depress button“? Ein Ausflug ins Reich der Fantasie nebst dem Wissen, dass „Drücken“ auf Englisch ja eigentlich „Press“ heißen sollte, führt ihn zu einer gewagten Theorie: Er habe den Knopf so zu verstehen, dass es sich um einen Service für den Gast handele, einen Service der Empathiesteigerung gewissermaßen! Man drücke diesen Knopf, und für fünf Sekunden fühlt man sich depressiv. Dann weiß man, wie sich diese Krankheit anfühlt. – Aber wie gesagt, er hat ja sein digitales Wörterbuch dabei, und dort liest er: „Drücken“ heißt auf Englisch a) press und b) depress. Und die Theorie stürzt ein wie ein Kartenhaus…

Am nächsten Morgen jedenfalls setzt man sich ins Auto und fährt 800 km nach Sheridan, wobei der Weg nicht zufällig genau durch jene Naturschönheit führt – nämlich den Yellowstone Nationalpark! Eine Gegend, die von einer riesigen Lavablase im Untergrund lebt, welche vor allem das Grundwasser erhitzt und so zu Geysiren und heißen Quellen führt, die ihrerseits sonst wenig verbreitete Mikroorganismen ernähren. Die Bakterien bilden Matten in allen möglichen Farben. Überdies ist die Gegend eben ein Nationalpark, und das bedeutet, dass man durchfahren darf, aber nicht stören! Fauna und Flora sind sich selbst überlassen und kommen damit wunderbar zurecht.

Insofern sei dieser Text mit einer weiteren Masse an Bildern beendet. Man genieße Yellowstone! (Oder wie es reisekollerbedingt äußerst schlecht ins Deutsche übersetzt übertragen wurde: Das Gelbsandsteingebirge…)